Verbraucher : Spaß haben ohne Risiko

Wie Eltern Telefonkosten kontrollieren können

Corinna Visser

Ein cooles Handy, die neuesten Klingeltöne aus den Charts und ständig mit den Freunden SMS austauschen – kaum ein Jugendlicher will heute auf ein eigenes Mobiltelefon verzichten. Doch das ausgeprägte Kommunikationsbedürfnis hat seinen Preis. Das Handy ist für Jugendliche längst zur Schuldenfalle Nummer eins geworden. Da Minderjährige bis einschließlich 17 Jahren nur beschränkt geschäftsfähig sind, schließen Mobilfunkunternehmen keine Verträge mit ihnen ab. Das müssen die Eltern für ihren Nachwuchs tun. Bei den 18- bis 24-Jährigen wird es dann aber ernst: Im Jahr 2003 konnten laut Schuldenkompass mehr als 311000 junge Erwachsene ihre Handyrechnungen nicht mehr bezahlen. Tendenz steigend. Doch es gibt Wege, wie man dem Nachwuchs den Spaß lassen, die Kosten aber unter Kontrolle halten kann.

Verbraucherschützer raten, Kindern und Jugendlichen Handys mit Prepaidkarte zu kaufen. Damit hat der Nachwuchs nur ein begrenztes Guthaben zur Verfügung, das abtelefoniert werden kann. Der Nachteil: Die Gesprächsminuten sind teurer als bei Abschluss eines Vertrages. Der Vorteil ist, dass man die Kosten besser im Griff hat. Ein weiterer Tipp der Verbaucherschützer: beim Mobilfunkanbieter die Vorwahlnummern für teure Premiumdienste – Klingeltöne, Handyoder Gewinnspiele – sperren lassen.

Spezielle Handyverträge für Jugendliche, die das Kostenrisiko begrenzen können, gibt es dagegen – außer bei Mobilcom – nicht. Verbraucherministerin Renate Künast hatte die Anbieter zwar aufgefordert, solche Tarife zu entwickeln. „An dem Thema arbeiten wir noch“, sagte eine Sprecherin des Ministeriums dem Tagesspiegel. Zu dem Tarif von Mobilcom sagte sie, das sei ein Schritt in die richtige Richtung. Der Tarif schütze aber nicht vor den teuren Premiumangeboten. Mobilcom bietet einen Vertrag an, bei dem das monatliche Gesprächsguthaben auf eine vorher festgelegte Summe begrenzt ist. Die Preise für Gespräche liegen zwischen Prepaid- und Vertragsniveau. „Das Angebot läuft sehr gut“, sagte Mobilcom-Chef Thorsten Grenz dem Tagesspiegel. 10000 Kunden – meist junge Leute – hätten den Tarif bereits gebucht, 2000 sollen bis Jahresende noch hinzukommen. „Bis Ende 2005 wollen wir 70000 Kunden in diesem Vertrag haben“, sagte Grenz.

Viele Eltern nehmen die zum Teil hohen Kosten fürs Handy allein aus einem Grund in Kauf: Sie wollen sicher sein, ihr Kind immer erreichen zu können – und umgekehrt. Seit etwa drei Monaten bietet die Firma Armex, die Ortungssysteme für Speditionen herstellt, ein Kinderhandy an, das zugleich über ein Ortungssystem verfügt (www.kinderhandy- shop.de). Über das Internet oder per SMS können Eltern damit den Aufenthaltsort ihres Kindes bestimmen. Zwischen 38 und 50 Cent verlangt der Anbieter pro Ortung, hinzu kommt eine Einrichtungs- und eine Jahresgebühr.

Das System nennt die Funkzelle, in der sich das Handy gerade befindet. In Städten kann die Genauigkeit dabei weit unterhalb eines Radius von 250 Metern liegen, auf dem Land kann sie aber auch bis zu 1150 Meter betragen. Bewegungsprofile der Kinder lassen sich jedoch nicht erstellen. „Kinder sind keine Verbrecher“, sagt Armex-Geschäftsführer Dirk Teubner. „Die Aufenthaltsorte können zwar minütlich abgefragt werden, aber wir speichern keine Daten.“ Der Dienst sei von der Landesbeauftragten für Datenschutz in NRW freigegeben worden.

Das Kinderhandy MyMo (Zielgruppe 4 bis 7 Jahre) aus chinesischer Produktion genüge der strengen Sicherheitsnorm für Kinderspielzeug, sagte Teubner. Mit dem Kinderhandy können maximal fünf Nummern angerufen werden, die vorher gespeichert werden müssen. Das Urteil der Stiftung Warentest über das MyMo fiel jedoch nicht allzu positiv aus: Es fehle ein Display, die Konfiguration des Handys sei kompliziert, die Funktionen sehr eingeschränkt. Das Ortungssystem kann man jedoch auch mit jedem anderen Handy nutzen.

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