Verbraucher : Spiel mit gezinkten Karten

Der Betrug mit Scheck- und Kreditkarten nimmt zu: Wie Verbraucher sich schützen können

Veronika Csizi

Das Essen in einem indischen Lokal zahlt der Gast mit einer Mastercard.  Der Wirt verschwindet mit der Kreditkarte im Hinterzimmer. Auf der Abrechnung einige Wochen später stellt der Kartenbesitzer fest, dass die Zeche drei Mal abgebucht wurde. Ein Anruf bei der Bank und das Geld wird zurücküberwiesen. So glimpflich gehen jedoch die wenigsten Fälle von Kredit- oder EC-Karten-Betrug aus.

Knapp 122000 Betrugsfälle mit dem Plastikgeld registrierte das Bundeskriminalamt (BKA) im vergangenen Jahr in Deutschland, das sind mehr als 330 jeden Tag. Vor allem Berlin ist ein beliebtes Pflaster bei den Kartengaunern. Dabei werden die Täter immer dreister: An Geldautomaten werden falsche Tastaturen oder Vorbauten installiert, die die PINNummer speichern und den Magnetstreifen kopieren – oder die Geheimzahl wird bei der Eingabe im Supermarkt per Minikamera ausgespäht, die Karte anschließend entwendet.  Und kurze Zeit später ist das Konto um 2000 Euro leichter.

Ein weiterer Trick: die so genannte „Marseiller Schlinge“. Dabei verstopfen die Täter den Eingabeschlitz am EC-Automaten, so dass die Karte stecken bleibt, bieten dem arglosen Opfer dann ihre Hilfe an und erfragen die PIN. Hat der Kunde entnervt aufgegeben, ziehen sie die Karte heraus und heben Geld ab. Haben Täter Kreditkarten entwendet oder die darauf vermerkten Daten notiert, ist es leicht, per Internet-Shopping Reisen, Schmuck oder Autos zu bezahlen.

Aber wer kommt für den Schaden auf? „Bis zur Sperrung der Karte haftet zunächst der Kunde“, sagt Michaela Geisler, Bankexpertin beim Bundesverband der Verbraucherzentralen. Im Falle eines Kreditkartenbetrugs lasse sich jedoch recht einfach nachweisen, wenn der beanstandete Umsatz nicht vom Kartenbesitzer stamme. Das geht etwa durch eine andere Versandadresse oder durch Unterschriftenvergleich oder auch durch den Nachweis, dass  der Kunde zum fraglichen Zeitpunkt nicht am Kaufort war. Notfalls könne der Geschädigte auch eine eidesstattliche Versicherung abgeben. Geisler empfiehlt deshalb, regelmäßig zu prüfen, ob alle Karten noch vorhanden seien, im Diebstahlsfall schnell telefonisch sperren (siehe Kasten) und dabei einen Zeugen mithören zu  lassen. Ist die Karte einmal blockiert, müsse der Händler nachweisen, dass der Kauf tatsächlich vom Kartenbesitzer stamme, sagt Marcus Schoene, Sprecher des Kreditkartenunternehmens Visa.

Deutlich komplizierter ist die Rechtslage bei einem Betrug mit EC-Karte und PIN-Nummer. Denn die Banken gehen zunächst davon aus, dass sich der Kunde „grob fahrlässig“ verhalten hat, wenn die PIN einem Betrüger bekannt war. Die Geheimnummer dürfe weder im Geldbeutel notiert noch auf der Karte eingeritzt oder Dritten mitgeteilt worden sein, sagt Michaela Roth vom Sparkassen- und Giroverband. Es sei zwar relativ einfach, die PIN auszuspähen, trotzdem folgten die meisten Gerichte der Argumentation der Banken und entschieden auf Schuld oder Mitschuld des Geschädigten, kritisieren die Verbraucherschützer.

Um die Rechtslage klären zu lassen, führt die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen derzeit fünf Musterprozesse gegen die Deutsche Bank, die Citibank, die Postbank, die Sparkasse Düsseldorf und die Kreditkartenfirma Eurocard. Ziel der Verfahren  sei es, die Haftungsfrage durch alle Instanzen endgültig vom Bundesgerichtshof klären zu lassen, sagt der zuständige Finanzjurist Hartmut Strube. Insgesamt 74 Verbraucher hätten der Verbraucherzentrale ihre Rechte abgetreten und forderten rund 85000 Euro von den Banken zurück. Alle versicherten glaubhaft, so Strube, dass sie ihre PIN geheim gehalten hätten, trotzdem lehnten die Banken die Erstattung der Beträge kategorisch ab. Sein Rat für den Schadensfall: Karte sofort sperren lassen, Sperrnummer notieren, Umstände des Diebstahls genau dokumentieren, gegen unberechtigte Abbuchungen schriftlich Widerspruch einlegen und Strafanzeige gegen Unbekannt stellen.  

Auch die Kreditwirtschaft reagiert auf die immer ausgefeilteren Methoden der Gauner.  Vor allem gegen den steigenden Kreditkarten-Betrug über das Internet will die Branche etwas unternehmen. Ab Juli wird Visa deshalb nach und nach alle acht Millionen deutschen Kreditkarten mit einem Passwort-Schutz versehen. Bei einem Kauf über das Netz müsse der Kunde über eine gesicherte Verbindung direkt zu seiner Bank ein selbst gewähltes Passwort eingeben, erst dann werde die Transaktion freigegeben, kündigt Firmensprecher Schoene an.

Ab 1. Januar 2005 gelte dann: Hat sich der Web-Händler dem System nicht angeschlossen, haftet er selbst für alle Schäden. Auch Mastercard und American Express planten Ähnliches. Gleichzeitig sind die Kreditinstitute gerade dabei, die Plastikkarten für den normalen Einkauf gegen neue – mit deutlich leistungsfähigeren Chips – auszustatten.  Sie seien schwerer zu kopieren, zudem werde bei der Kartenprüfung im Laden von der Kartenfirma gecheckt, ob der Einkauf dem normalen Verhalten des Kunden entspreche, erklärt Visa-Mann Schoene.

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