Steigende Benzinpreise : Wohin mit gehamstertem Benzin?

Chaostage im Tankstellensektor. Es ist ein rasantes Jahr für Autofahrer: Zunächst steigen die Benzinpreise ins Unermessliche, nun fallen sie plötzlich und Hamsterkäufer tanken die Zapfsäulen leer. Doch wo soll man hin mit dem gehamsterten Benzin?

Marie Preuss

BerlinDie legale Lagerung des eingeheimsten Billigbenzins gestaltet sich schwierig für Deutschlands motorisierte Schnäppchenjäger. "Nicht im Haus, nicht in der Wohnung und auch nicht auf dem Balkon, wie bei allen leicht entflammbaren Stoffen", warnt Ulrich Ropertz, Pressesprecher des Mieterschutzbundes. Seine sicher nicht ganz ernst gemeinte Idee: "Man könnte sie im Wald vergraben."

Auch Magnus Geisler vom ADAC-Technikzentrum in Landsberg rät von den verbreiteten Hamsterkäufen ab. "Das ist Unsinn. Selbst bei einer Ersparnis von 5 Cent pro Liter, sparen Sie beim Kauf von 40 Liter Benzin lediglich 2 Euro. Vorher müssen aber noch die Kanister angeschafft werden. Außerdem verfügt kaum ein Auto über passende Halterungen für den Transport. Bei einem Auffahrunfall gibt es eine Riesensauerei - von der Brandgefahr ganz zu schweigen." Geisler empfiehlt den Kauf eines 5-Liter-Kanisters. Nicht mehr.

Explosionsgefahr bei Lagerung

Denn auch die Unterbringung von großen Mengen Benzin in der Garage hält Geisler für bedenklich: "Benzin ist ein Kraftstoff, der schwerer ist als Luft. Bei einem Leck im Kanister können sich die Dämpfe unbeachtet über den Boden verteilen und in den Abfluss gelangen." Bei größeren vergossenen Mengen Benzins drohe Explosionsgefahr. Nach den Garagenverordnungen der Bundesländer dürfen in Garagen, die kleiner als 100 Quadratmeter sind, bis zu 20 Liter verstaut werden. Allerdings nur in dicht verschlossenen und bruchsicheren Behältern. Und niemals innerhalb des Autos.

Grund für die Chaostage im Treibstoffsektor war die Angleichung der Preise für Super- und Normalbenzin am europäischen Großmarkt in Rotterdam. Außer in Österreich und Deutschland, wo noch überwiegend Benzin mit 91 Oktan verkauft wird, schwindet die Nachfrage von Normalbenzin in Europa. Vermutungen, dass die Branche den Verkauf einstellen könnte, werden aber bisher vehement zurückgewiesen. Auch der Aral/BP-Deutschlandchef Uwe Franke beruhigte heute in einem Interview die Leser der "Bild"-Zeitung. Seine Tankstellen würden Benzin anbieten "so lange noch so viele Kunden Normalbenzin tanken. Letztlich entscheidet das der Autofahrer."

Die Konkurrenz hält sich zurück

Nicht alle Tankstellen wollen beim Preiskampf mitmischen. Die meisten der Wettbewerber lassen die Preise ein bis zwei Cent unter denen von Aral. Shell, größter Konkurrent Arals, setzte den Benzinpreis einen halben Cent niedriger an. Esso dagegen einen ganzen Cent, während Jet um zwei Cent unterbot.

Gewinner der Entwicklung sind, wenn man den Angaben der Mineralölkonzerne Glauben schenkt, die Verbraucher: "Freuen Sie sich doch" rät auch Aral-Chef im "Bild"-Interview und wehrt sich gegen den Vorwurf, bei den angeglichenen Benzin- und Superpreisen getrickst zu haben. Im Jahresdurchschnitt 2007 seien beide Produkte gleich teuer gewesen. Und der höhere Diesel-Preis sei einfach eine Angleichung der Realität: Im Einkauf sei Diesel schon lange teurer als Benzin. Verlierer sind bei dem Geschäft mit dem Schmierstoff die Tankstelleninhaber der Regionen, die mit den Preissenkungen die meisten Kunden anlocken, so Uwe Frank.

Aral hatte in der letzten Woche den Preis des Kraftstoffes Super auf das Niveau von Benzin herabgesenkt. Ein Massenrun auf die Zapfsäulen war die Folge. Nach Informationen der "Rheinischen Post" sind 110 Tankstellen in Nordrhein-Westfalen nicht mehr in der Lage gewesen, ihre Kunden mit dem begehrten Sprit zu versorgen. Denn die Preise fielen schnell. Von 1,41 Euro für einen Liter Super und 1,40 Euro für einen Liter Benzin am vergangenen Donnerstag auf  1,37 Euro am Sonntag. Am Montag rauschte der Preis in einigen Regionen sogar unter die Marke von 1,30 Euro. "Die Verbraucher haben die Gelegenheit, Super zu gleichem Preis wie Benzin zu bekommen, in hohem Maße ausgenutzt. Das waren regelrechte Hamsterkäufe", sagte ein Sprecher von Aral gegenüber der "Rheinischen Post". Am gravierendsten ist die Situation in den Regionen um Karlsruhe, Chemnitz und Frankfurt. Der Benzinpreis sank dort teilweise unter den Dieselpreis.

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