Verbraucher : „Strafen helfen wenig“

Handwerkspräsident Philipp: Kosten müssen sinken

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Dass viele Privatleute Handwerker schwarz beschäftigen, stört auch die obersten Verbandsvertreter. Dennoch macht Dieter Philipp, Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH), den privaten Auftraggebern keinen Vorwurf: „Es ärgert mich, dass die politischen Rahmenbedingungen unsere Kunden in die Arme der Schwarzarbeiter treiben“, sagte Philipp dem Tagesspiegel am Montag. „Die Betriebe müssen angesichts hoher Steuern, Lohnzusatzkosten, Abgaben, Beiträgen etwa zur Berufsgenossenschaft und wachsender Bürokratiekosten Stundenverrechnungssätze fordern, die vielen Kunden zu hoch sind“, räumte der ZDHPräsident ein.

Auch schärfere Strafen würden daran nichts ändern. „Nur wer die Kosten auf Arbeit senkt, kann die Schwarzarbeit im arbeitsintensiven Handwerk zurückführen“, meint Philipp. „Strafen helfen hier wenig“. Die rasant steigenden Zahlen der Minijobs hätten gezeigt, dass viele Menschen, die vorher in die Schwarzarbeit ausgewichen waren, jetzt wieder legal arbeiten. Allerdings könne das Schwarzarbeitsgesetz, das vom Bundestag bereits beschlossen ist, helfen, die „an Menschenhandel grenzenden Praktiken illegaler Arbeitskräfteverleiher zu stoppen“, glaubt der Verbandspräsident. Schwarzarbeiter aus den zehn neuen EU-Ländern sowie aus Rumänien oder Bulgarien seien Alltag in der Europäischen Union, Deutschland mache da keine Ausnahme.

Nach Meinung Philipps kann die europäische Osterweiterung aber auch den deutschen Handwerksbetrieben neue Perspektiven eröffnen. In den Erweiterungsländern kenne man zwar in einigen Handwerken auch den Meister, in anderen Berufen gäbe es jedoch lediglich ein „informelles Lernen“, sagte der Handwerkspräsident. Deutsche Handwerker mit ihren Leistungen im „Premium-Bereich“ hätten daher bereits jetzt Erfolg in den neuen Staaten der Europäischen Union. „Mit steigenden Gehältern und Ansprüchen der Menschen werden deutsche Handwerker dort auch einen wachsenden Markt finden“, zeigte sich Philipp überzeugt.hej

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