Verbraucher : Straffes Marketing

Teure Körperlotionen sollen die Haut länger jung halten. Aber halten sie auch, was sie versprechen?

Maurice Shahd

Ein Wellness-Wochenende im Thermalbad, ein Yoga-Kurs im Fitness-Studio oder ein extravagantes Badeöl für die Entspannung nach der Arbeit – bei den Themen Gesundheit und Körperpflege ist von einer Konsumflaute in Deutschland nichts zu spüren. Im Gegenteil: Frauen und Männer gaben im vergangenen Jahr allein für feuchtigkeitsspendende Körperlotionen 228 Millionen Euro aus. Das waren fünf Prozent mehr als im Vorjahr. „Im Trend sind Lotions mit reflektierenden Partikeln, die der Haut einen seidigen Glanz verleihen“, sagt Katja Praefke, Sprecherin von Unilever Deutschland, die Marken wie Dove und CD im Programm hat.

Kommt es bei den „Schimmer-Lotions“ eher auf den äußeren Schein an, zählt bei anderen Produkten die Tiefenwirkung. Besonders gefragt sind Körperlotionen, die versprechen, die Haut weicher, glatter und straffer zu machen. Die verjüngenden Effekte ihrer Produkte lassen sich die Hersteller teuer bezahlen. Die straffenden Körperlotionen kosten im Durchschnitt etwa doppelt so viel wie herkömmliche Lotionen.

Nach Untersuchungen der „Stiftung Warentest“ lohnt sich die Ausgabe nicht. Keine der acht getesteten Bodylotions mit straffender Funktion kam über eine „mangelhafte“ Bewertung hinaus. Die Tester untersuchten bei 30 Probandinnen mit einem Spezialmessgerät, ob sich die Hautelastizität nach vier Wochen verbessert hat. Das Ergebnis: Bei keiner der Feuchtigkeitslotionen von Marken wie Nivea, Dove oder Fa ließ sich eine straffere Haut nachweisen. Gestützt wurde das Ergebnis von den subjektiven Eindrücken der Testerinnen. Nach der Anwendung konnte keine Frau einen festigenden Effekt feststellen oder die Wirkung eindeutig einer straffenden Lotion zuordnen.

„Hier wird mit den Wünschen der Verbraucher gespielt, um etwas zu verkaufen“, sagt Annett Härtel, Leitende Oberärztin der Klinik für Dermatologie und Allergologie in Berlin-Spandau. „Die Lotionen dringen nicht in die tieferen Hautschichten ein, wo sie Veränderungen an der Haut herbeiführen könnten.“ Allenfalls bestimmte Anti-Aging-Produkte könnten diesen Effekt erzielen. Dazu zählen teure Hormon-Präparate oder Ginseng-Cremes, die nur unter ärztlicher Aufsicht angewendet werden sollten.

Trotz des schlechten Abschneidens der „Hautstraffer“ denken die Hersteller nicht daran, ihre Rezepturen zu verändern. „Unsere eigenen wissenschaftlichen Untersuchungen zeigen, dass die Produkte einen festigenden Effekt auf die Haut haben“, sagt Martin Rudolph, Chef der Produktentwicklung beim Nivea-Konzern Beiersdorf. Nivea ist mit seinem „Q10“-Wirkstoff Marktführer bei den straffenden Körperlotionen. Den hohen Preis der Pflegeprodukte erklären die Hersteller mit der aufwändigen Produktentwicklung und den hochwertigen Inhaltsstoffen wie Traubenkernöl, Sojafaserextrakten oder Kiwi-Essenzen.

Deutlich besser schnitten in der Untersuchung der Stiftung Warentest die „normalen“ Körperlotionen ab, die im wesentlichen aus einer Mischung von Wasser und Fett bestehen. Im Test kam es vor allem darauf an, wie gut die Produkte die Haut mit Feuchtigkeit versorgen. Die Lotionen von Biotherm und Neutrogena bewerteten die Tester mit „sehr gut“, die Produkte von Dove, Kaloderma, Nivea, Florena, Fa und Jade mit „gut“. Geprüft wurde auch, wie sich die Lotionen verteilen lassen und wie schnell sie in die Haut einziehen. Die Probandinnen waren in diesem Punkt mit allen Lotionen zufrieden.

Die Körperpflegeprodukte spenden der Haut Feuchtigkeit, aber wer braucht diese Pflege wirklich? „Rund ein Drittel der Menschen neigen zu sehr trockener Haut und sollten sich deshalb regelmäßig mit einer Feuchtigkeitsmilch eincremen“, sagt die Dermatologin Härtel.

Keine der untersuchten Lotionen verursachte bei den Testerinnen übrigens allergische Reaktionen wie Rötungen oder Hautausschlag. Trotzdem sollten Menschen, die zu Allergien neigen, vorsichtig sein, warnt die Dermatologin: „In Apotheken gibt es viele Pflegeprodukte, die weder Konservierungsstoffe, Parfüms oder andere Fremdstoffe enthalten.“ Damit seien Allergiker auf der sicheren Seite.

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