Studie : Abwrackprämie belebt Nachfrage nur geringfügig

Der Absatzschub für Autos durch die Abwrackprämie fällt einer Studie zufolge viel kleiner aus als bislang angenommen. Das Finanzministerium verteidigte die Maßnahme, da sie die Konsumenten dazu animiere, schon jetzt Geld auszugeben.

BerlinDrei von vier Neuwagenkäufern hätten auch ohne den staatlichen Zuschuss von 2500 Euro ein Fahrzeug erworben. Das berichtete die Welt am Sonntag unter Berufung auf eine Studie des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH). Der Mitnahmeeffekt sei enorm, der Staatshaushalt werde erheblich belastet.

Die IWH-Forscher gehen bei ihrer Analyse von zwei Millionen Autokäufern aus, welche die Abwrackprämie in Anspruch nehmen. Mit Hilfe von Daten aus Zulassungsstatistiken und von Autohändlern erstellten sie ein Rechenmodell, um den Mitnahmeeffekt zu ermitteln. Demnach werden bestenfalls 500.000 Autos allein aufgrund der Abwrackprämie gekauft.

Kaum Entlastung durch höhere Steuereinnahmen

Bei zwei Millionen subventionierten Käufern heißt das laut IWH: Um das Verhalten eines einzelnen Bürgers zu steuern, werden gleich drei weitere mitbezuschusst. Und: Für jeden Bürger, den allein die Abwrackprämie dazu bringt, sich dieses Jahr einen Neuwagen zuzulegen, wird der Steuerzahler mit 10.000 Euro belastet.

Weil der Mitnahmeeffekt so groß ist, könne Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) nicht darauf hoffen, dass die Kosten der Abwrackprämie durch höhere Einnahmen etwa aus Einkommen- und Mehrwertsteuer ausgeglichen werden. Das IWH rechnet damit, dass der Staatshaushalt unter dem Strich mit 2,6 Milliarden Euro belastet wird. Allerdings räumte IWH-Präsident Ulrich Blum noch große Unsicherheiten zum jetzigen Zeitpunkt ein. "Es fällt ausgesprochen schwer, die wirtschaftlichen Effekte der Abwrackprämie genau zu beziffern", sagte er der Zeitung.

Finanzministerium: Mitnahmeeffekte sind gewollt

Ein Sprecher von Finanzminister Steinbrück verteidigte die Prämie. "Das sind gewollte Mitnahmeeffekte. Wir sind gehen nicht davon aus, dass sich jemand nur wegen der Abwrackprämie ein neues Auto kauft." Es gehe darum, dass derjenige, der ein neues Auto wolle, es jetzt kauft und das Geld nicht erst 2010 ausgibt. "Wir wollten einen Mitnahmeeffekt auslösen und damit den Konsum nach vorn ziehen."

FDP-Generalsekretär Dirk Niebel bezeichnete die Prämie als "teuren Schrott". Die Bundesregierung habe sich vom Verband der Automobilindustrie in teure  Subventionsprogramme hineintreiben lassen, sagte er dem Blatt. (rf/dpa)

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