Studie : Realrenten sinken auf Niveau der Siebziger Jahre

Schwere Zeiten für Deutschlands Senioren: Geringe Einkommenszuwächse und steigende Inflationsraten treiben immer mehr Menschen in die Altersarmut. In den vergangenen vier Jahren verloren Rentner mehr als acht Prozent an Kaufkraft.

Rentner
Deutschlands Rentner verfügen über immer weniger Kaufkraft. -Foto: dpa

BerlinDeutsche Rentner haben immer weniger im Portemonnaie. Das reale Einkommen der Rentner sank von 2004 bis einschließlich 2008 um 8,5 Prozent, wenn die Inflationsrate berücksichtigt wird, wie aus einer Berechnung der Bank UniCredit für die "Berliner Zeitung" hervorgeht.

In diesem Jahr beträgt das Minus demnach voraussichtlich gut 1,3 Prozent. Die Rente steigt zwar um 1,1 Prozent, gleichzeitig beträgt die prognostizierte Inflationsrate aber rund 2,5 Prozent, heißt es weiter. Grundlage der Unicredit-Berechnungen ist der fiktive "Eckrentner", der über 45 Jahre ein Durchschnittseinkommen erzielt hat.

Realrenten wie in den Siebzigern

Für die "substanziellen Einbußen" sind dem UniCredit-Ökonomen Alexander Koch zufolge zwei Faktoren verantwortlich: "Seit dem Platzen der High-Tech-Blase 2002 war die Lohnentwicklung in Deutschland sehr schwach. Daran sind die Renten gekoppelt."

Darüber hinaus wirkt sich nach zahlreichen Reformen der demografische Wandel stark auf die Rentenhöhe aus. Historisch gesehen sind die Realrenten den UniCredit-Zahlen zufolge auf das Niveau von Mitte der 70er Jahre abgerutscht.

Sozialverband fordert Inflationsschutz

Der Sozialverband Deutschland (SoVD) beobachtet die Entwicklung mit Sorge: "Es ist zu befürchten, dass die Kaufkraftverluste der Rentnerinnen und Rentner bis 2010 auf mehr als zehn Prozent ansteigen", sagte SoVD-Präsident Adolf Bauer der Zeitung. Der tatsächliche Kaufkraftverlust für viele Rentner sei sogar noch höher, als dies die Inflationsrate nahe lege. Gestiegene Gesundheitsausgaben würden nicht abgebildet.

Darüber hinaus sei die Teuerung bei Lebensmitteln, die einen relativ hohen Anteil an den Ausgaben eines Rentnerhaushalts ausmachten, höher als die durchschnittliche Inflation. Der SoVD fordert daher, die an den Löhnen orientierte Rentenanpassung um einen Inflationsschutz zu erweitern. (iba/AFP)

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