STURM : Versicherer zahlen erst ab Windstärke acht

Nicht nur Regen und Gewitter, auch Stürme werden im Zuge des Klimawandels immer häufiger Deutschland heimsuchen, sagen die Klimaforscher. „Kyrill“ war erst der Anfang. Mit einem Schaden von über drei Milliarden Euro war der Orkan, der im Januar über Deutschland hinweggefegt war, der teuerste Wintersturm aller Zeiten. Und: Noch immer sind in den Zentralen der Versicherungsunternehmen nicht alle Schäden abgerechnet.

Grundsätzlich gilt: Bei einem Sturm mit mehr als acht Windstärken (über 61 km/h) sind Hausrat– und Wohngebäudeversicherer in der Pflicht und müssen Schäden ersetzen.

Mieter: Wer zur Miete wohnt, muss sich in erster Linie an seine Hausratversicherung wenden. Diese ersetzt Sturmschäden an Möbeln und anderen Einrichtungsgegenständen, die im Haus untergebracht sind. Satellitenschüsseln, Antennen, Markisen und andere außen am Haus angebrachte Sachen sind aber meist nur bis zu einer bestimmten Höchstgrenze mitversichert. Voraussetzung dafür ist stets, dass der Mieter am Haus angebrachte Sachen auf eigene Rechnung angeschafft hat.

Vermieter und Hausbesitzer. Sie sollten Schäden umgehend der Wohngebäudeversicherung melden. Die Police zahlt für alle Schäden am Haus und an Sachen, die mit dem Haus fest verbunden sind. Das Sturmrisiko muss aber in dem Vertrag eingeschlossen sein, was bei der sogenannten „gebundenen Wohngebäudeversicherung“ meist der Fall ist. Die Wohngebäudeversicherung kommt dann auch für Folgeschäden auf, wenn zum Beispiel während des Sturms durch kaputte Fenster Regen ins Haus eindringt.

Autofahrer: Typische Sturmschäden sind über eine Kfz-Teilkasko-Versicherung gedeckt. Hat der Sturm Dachziegel auf ein Auto geschleudert, so kommt die Teilkasko dafür auf. Sie ersetzt ebenfalls Schäden durch herumfliegende Gegenstände wie Ziegel oder Äste. Die Einstufung als Teilkasko-Schaden bietet Vorteile für Vollkasko-Versicherte, weil der Schadenfreiheitsrabatt nicht belastet wird. Außerdem wird bei der Selbstbeteiligung die Teilkasko- und nicht die Vollkasko-Versicherung zugrunde gelegt. Die Selbstbeteiligung der Teilkasko ist meist niedriger, der Kunde muss sich also weniger anrechnen lassen. Wer indes wegen des Sturms einen Fahrfehler begeht, also zum Beispiel nicht mehr rechtzeitig bremsen kann, braucht eine Vollkaskoversicherung, um den Schaden ersetzt zu bekommen.

Nachbarn. Besteht kein eigener Versicherungsschutz, können Geschädigte eventuell Ersatz beanspruchen, wenn zum Beispiel ein bereits vorher maroder Baum vom Nachbargrundstück auf das eigene Haus oder das Auto gestürzt ist. Dann hätte der Grundstücksbesitzer seine sogenannten Verkehrssicherungspflichten verletzt und müsste haften. Ihm muss allerdings ein Verschulden vorwerfbar sein, urteilte das Oberlandesgericht Nürnberg (Az: 4 U 1761/95). aku/hej

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