Telefongebühren : Einfach kompliziert

Dank der EU sinken die Preise für Auslandsgespräche mit dem Handy – aber die Tarife bleiben kompliziert. Wie Sie im Urlaub sparen können.

Corinna Visser

Eigentlich könnte alles so einfach sein: Die EU-Politiker waren der Meinung, dass die Handynutzung im Ausland zu teuer ist. Daher haben sie den Mobilfunkanbietern Europas niedrigere Preise vorgeschrieben. Abgehende Gespräche dürfen demnach noch maximal 58 Cent inklusive der deutschen Mehrwertsteuer kosten, abgehende Telefonate 28 Cent. Seit dem 1. Juli ist die Verordnung in Kraft, die Anbieter haben aber eine Übergangsfrist bis September. Einige haben jedoch bereits gehandelt: Als erstes Unternehmen in Deutschland hat T-Mobile den neuen EU-Tarif zum 1. Juli eingeführt, ebenso wie die Discounter Klarmobil und Callmobile. Die anderen Anbieter wollen bis Ende August nachziehen. Doch damit ist leider keineswegs Schluss mit der Unübersichtlichkeit.

Kostenloser Wechsel. Zunächst einmal müssen alle Netzbetreiber bis Ende September ihren Kunden einen EU-Tarif mit den festgelegten Höchstpreisen anbieten. Der Wechsel in den EU-Tarif muss kostenlos möglich sein. Daneben können die Mobilfunkfirmen aber weiterhin Sondertarife anbieten, die zum Teil auch über den festgelegten Preisen liegen.

Sondertarife. O2 hat bereits heute eine EU-Option, die mit 59 Cent pro Minute für abgehende Telefonate leicht und mit ebenfalls 59 Cent pro Minute für ankommende Gespräche deutlich über dem neuen EU-Tarif liegt. Der Tarif gilt aber nicht nur in der EU, sondern auch in der Schweiz und der Türkei. Wer also öfter in die Türkei als nach Spanien fährt, für den kann dieser Tarif viel günstiger sein. Man sollte also vor dem Urlaub überlegen, welcher Tarif für das eigene Reiseverhalten der beste ist.

Bisherige Tarife. „Jeder sollte zunächst einmal prüfen, welchen Tarif er bis jetzt überhaupt gebucht hat“, rät Tarifexpertin Bettina Seute von Teltarif. Viele Kunden stecken noch in alten Tarifen, die für jedes Land und dort auch noch für jeden Netzbetreiber einen anderen Preis vorsehen. Sondertarife und Optionen teilen die Länder in Gruppen mit einheitlichem Preis ein. „Diese Tarife sind übersichtlicher, aber nicht in jedem Fall günstiger“, sagt Seute. Kunden, die die alten Tarife behalten wollen, müssen dann der Umstellung auf den neuen EU-Tarif widersprechen.

Mailbox. Vor der Abreise sollte man unbedingt die Mailboxfalle ausschalten. Ist man im Ausland nicht erreichbar und ein Anruf wird auf die Mailbox weitergeleitet, zahlt der Angerufene sowohl für die Weiterleitung des Anrufes ab der deutschen Grenze (also zum Beispiel 58 Cent pro Minute) als auch für die Rückführung des Anrufs auf die Mailbox in Deutschland (28 Cent pro Minute) – und eventuell noch ein drittes Mal für das Abrufen der Mailbox. Tarifexpertin Seute rät daher, die Mailbox bereits zu Hause abzuschalten, bevor das Handy sich in ein ausländisches Netz eingebucht hat. Man kann aber auch bereits in Deutschland alle Anrufe auf die Mailbox umleiten. Dann fällt nur der Inlandstarif an, aber man kann im Ausland nicht mehr direkt angerufen werden.

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