Testen : Verloren in der Großstadt

Mehr als die Hälfte der Annahmestellen kümmerte sich gut um Fundsachen. Trotzdem verschwanden zwei Geldbörsen.

Jahel Mielke
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Große Versteigerung: Fundsachen, die nicht abgeholt werden, kommen unter den Hammer. Vom Schlüssel bis hin zum vollgepackten...ddp

Ein Ring, eine Brieftasche mit neun Euro, eine EC-Karte, eine Sonnenbrille, zwei silberne Armreifen, eine Damenhandtasche und ein Sommerhut – das ist nicht etwa die Beute eines Kaufhausdiebes, sondern die Ausbeute eines Tages im Fundbüro des Flughafens Tegel. Hier werden pro Monat bis zu 250 Gegenstände abgegeben. Die meisten davon bleiben dort liegen. „Etwa 80 Prozent der Fundsachen werden nicht abgeholt“, sagt Frank Sahling, Teamleiter des Fundbüros in Tegel. Anders sei das nur bei teuren Gegenständen wie Laptops oder Koffern. Wer den Verlust seiner Sachen erst im Flugzeug bemerkt oder im Ausland wohnt, kann einen frankierten Rückumschlag ans Fundbüro schicken und kleinere Gegenstände zugeschickt bekommen. Was nach sechs Monaten nicht abgeholt wurde, wird öffentlich versteigert.

Im Fundbüro der Berliner Verkehrsbetriebe in der Potsdamer Straße landen die Sachen gleich säckeweise. Ein Fahrer sammelt an den Betriebsbahnhöfen alles ein, was in Bussen und Bahnen liegen geblieben ist – das sind bis zu 130 Fundsachen am Tag. „Schlüssel, Handys und Geldbörsen sind am häufigsten. In der Schulzeit werden oft Rucksäcke und Turnbeutel abgegeben“, sagt die Teamleiterin des BVG- Fundbüros Ingrid Neuber. Immerhin können bis zu 40 Prozent der Sachen an den Eigentümer vermittelt werden. Aber Vorsicht: Die BVG bewahrt Fundsachen nur sechs Wochen auf. Vier Mal im Jahr wird Liegengebliebenes versteigert.

Dass so viele Sachen nicht abgeholt werden, liegt in manchen Fällen am Fundbüro selbst. Die Stiftung Warentest hat 24 Fundbüros in sechs deutschen Großstädten getestet – jeweils von der Stadtverwaltung, der Deutschen Bahn, vom Flughafen und vom öffentlichen Nahverkehrsunternehmen. Dreimal gaben Testpersonen der Stiftung in jedem Büro Geldbörsen ab, die Namen, Anschrift und Telefonnummer des Verlierers enthielten. Somit hätten die Portemonnaies schnell zurückgegeben werden können. Die Tester bewerteten Annahme, Rückgabe, Bearbeitungszeit und Benachrichtigung des Finders. Ein weiteres Kriterium im Test war die Qualität des Internetangebotes.

14 getestete Annahmestellen schnitten „gut“ oder „sehr gut“ ab. Verlierer des Tests war die Deutsche Bahn: drei von sechs getesteten Fundbüros in den Hauptbahnhöfen arbeiteten „mangelhaft“. Der Grund: In Hamburg und Frankfurt am Main gingen zwei abgegebene Geldbörsen einfach verloren. In Dresden fehlte – wenn auch nur wenig – Geld im abgegebenen Portemonnaie. Auch beim Nahverkehr in Dresden funktionierte die Annahme nicht richtig: In der Geldbörse fehlten 2,50 Euro. Testsieger war das Fundbüro des Flughafens Frankfurt am Main mit der Note 1,3, dicht gefolgt vom Zentralen Fundbüro in Berlin.

Das schlechteste Ergebnis in der Hauptstadt erzielte der Flughafen Tegel: Das Fundbüro schnitt nur „ausreichend“ ab. Eine dort abgegebene Geldbörse erhielt der Verlierer erst zurück, als er nach einigen Wochen anfragte. Das Fundbüro hatte ihn nicht benachrichtigt, obwohl Adresse und Telefonnummer im Portemonnaie standen. Auch der Finder wurde nicht informiert. Für den Internetauftritt gab es ebenfalls nur ein „ausreichend“, weil dort nur Kontaktdaten angegeben waren. Das Fundbüro wird nicht vom Flughafen selbst, sondern von einem externen Dienstleister betrieben. Dem will die Flughafenleitung jetzt auf den Zahn fühlen: „Wir werden genau überprüfen, wie das schlechte Ergebnis zustande gekommen ist und die Umstände wenn möglich sofort ändern“, sagte der Sprecher der Berliner Flughäfen, Ralf Kunkel.

Auch die Berliner Verkehrsbetriebe erreichten nur ein „befriedigend“, weil der Finder nicht benachrichtigt wurde. Das ist wichtig, um eventuelle Ansprüche auf Finderlohn zu klären. Generell sollte man beim Abgeben der Sachen darauf achten, dass eine Fundanzeige erstellt wird. Wenn es kein Fundbüro gibt, können die Sachen bei der Polizei abgegeben werden. Sie leitet Fundstücke an die Zentralen Fundbüros weiter. Bei der Abholung muss meist eine Gebühr bezahlt werden, im Test lag sie zwischen fünf und sieben Euro.

Auch das Internet kann bei der Suche nach Verlorenem helfen. Bei der Bahn und bei einigen Kommunen können Sachen gesucht und Verlustanzeigen online aufgegeben werden. Die Berliner Verkehrsbetriebe haben ihren Kundenservice sogar auf Partnersuche ausgeweitet. Unter der Rubrik „Meine Augenblicke“ kann man auf www.bvg.de Menschen suchen, die man in Bus und Bahn getroffen hat und gerne wiedersehen würde. Der Finderlohn ist hier dann wohl das Glück.

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