TESTEN : Viel Lärm mit nichts

Große Boxen braucht es nicht mehr. Kleine Geräte produzieren passablen Klang für wenig Geld, meinen die Tester.

Yasmin El-Sharif

Je größer, desto besser war lange eine goldene Regel beim Kauf einer Stereoanlage. Heute gilt das nicht mehr. Inzwischen geben auch kompakte Geräte einen guten Sound ab, wie eine aktuelle Untersuchung der Stiftung Warentest unterstreicht. Dabei ist es gar nicht lange her, da verdarben vor allem schlechte Lautsprecher die Freude am Musikhören. Doch die meisten Hersteller haben offenbar dazugelernt. So hat etwa die Hälfte der jetzt 14 getesteten Mini-Anlagen einen guten Klang, und mehrere Geräte liegen fast gleichauf an der Tabellenspitze (siehe Grafik). Auch die Preise können sich sehen lassen: rund 200 Euro kostet die günstigste Kompaktanlage im Test, knapp 400 Euro die teuerste. So einen Preisverfall für Unterhaltungselektronik hat es wohl nie zuvor gegeben, gab der Branchenverband GFU in dieser Woche zu bedenken.

Was für die Hersteller zu einem echten Problem werden kann, freut derzeit die Verbraucher. So müssen Käufer selbst bei den günstigsten Mini-Hifi-Anlagen nicht auf Zusatzfunktionen verzichten: Alle geprüften Modelle haben neben einem Radio und Wecker auch einen USB-Anschluss. Daran lassen sich Speicherstifte (USB-Sticks) und MP3-Spieler anschließen. Die darauf gesammelte Musik kann anschließend über die Fernbedienung ausgewählt und über die Anlage wiedergegeben werden. MP3-Spieler, bei denen es mit dem direkten Anschluss nicht klappt, können über ein Kabel zwischen Kopfhörerausgang oder – wenn vorhanden – über ihren „Line“-Ausgang am Audioeingang der Anlagen ohne Fernsteuerung betrieben werden.

Das „befriedigende“ Modell von Kenwood bietet zusätzlich noch Kartenschächte für zwei SD-Speicherkarten, wie sie als Datenspeicher für Digitalkameras und MP3-Spieler verwendet werden. Die beiden getesteten Geräte von LG warten außerdem mit einer iPod-Funktion auf: Für den angesagten Apple-Player gibt es einen Extra-Anschlussschacht. Schade nur, dass die beiden Geräte beim Klang eher schlecht abschneiden.

Wer allerdings noch ein Paar gute Lautsprecher aus Altbeständen hat, kann ihren Klang verbessern. Bei der LG-Anlage FB163 lohnt sich das neben der iPod-Funktion noch aus einem anderen Grund. Sie gehört zu den Testmodellen, die mit einem DVD- statt mit einem CD-Spieler ausgestattet sind. Sie geben also nicht nur Audio-CDs wieder, sondern sie stellen auch die Bildsignale von Video-DVDs und Foto-CDs bereit, wenn ein TV-Gerät angeschlossen wird. Der Fernseher wird dann auch als Anzeige für die Bedienmenüs und Videofunktionen genutzt. Neben LG FB163 können das die Geräte JVC UX-G980V, Panasonic SC-PM86, Philips MCD716 und Sony CMT-DH3.

Mit TV-Empfängern als Anzeigeersatz gehen diese Anbieter aber laut Stiftung Warentest ein Stück zu weit: Denn der Fernseher wird für wichtige Funktionen als Monitor genutzt, weil das Display an der Mini-Anlage eingespart wurde. Sonderfunktionen lassen sich so in der Regel nur in Kombination mit einem Fernseher nutzen. Das betrifft zum Beispiel den Zufallsbetrieb, die sogenannte „Resume“-Funktion oder die Anzeige von Titel und Interpret.

Wenn ohnehin kein Fernseher an die Stereoanlage angeschlossen werden soll, dann ist es sinnvoll, auf eine Anlage mit DVD-Spieler zu verzichten. Im Test erreichten die Modelle die besten Klangnoten, die mit einem CD-Spieler ausgestattet sind. Ihre Lautsprecher klingen einfach besser. Yasmin El-Sharif

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