Verbraucher : Teure Seitensprünge

Mobilfunk-Flatrates: Anbieter kassieren bei Gesprächen und Kurzmitteilungen in Fremdnetze kräftig ab

Manuel Köppl

Als Rundum-sorglos-Pakete werden sie beworben und verkauft: MobilfunkFlatrates beflügeln in diesem Jahr das Weihnachtsgeschäft. Versprochen werden Telefonate rund um die Uhr und unbegrenzte SMS zu einem festen Pauschalpreis. Doch beim Blick auf die Handyrechnung ist die Enttäuschung oftmals groß. „Denn wo derzeit Flatrate draufsteht, ist gar keine drin“, sagt Bettina Seute vom Telekommunikationsmagazin „Teltarif“.

Zwischen 25 und 45 Euro im Monat kosten die Mobilfunk-Flatrates der Netzbetreiber (siehe Tabelle). Dazu gibt es ein nagelneues Handy. Wer darauf verzichten kann, bekommt die Flatrate bei E-Plus und 02 für 25 Euro monatlich. Bei T-Mobile, Vodafone und E-Plus sind danach ganztags Telefongespräche ins eigene Netz, ins deutsche Festnetz und zur Mailbox sowie der SMS-Versand ins eigene Netz inklusive. Bei 02 kostet die Kurzmitteilung ins eigene Netz 19 Cent. Gespräche und Kurzmitteilungen in fremde Netze werden dagegen bei allen Anbietern berechnet.

Zwar bieten die Serviceanbieter Talkline, Victorvox und Telebinder Kopien dieser Flatrates zu günstigeren Festpreisen an. Allerdings werden die Handys dazu oftmals teurer verkauft als bei den Netzbetreibern. Günstigstes Produkt ist derzeit die „Talkline Flat“ für 15,95 Euro monatlich. Doch im Paket sind nur Gespräche ins deutsche Festnetz enthalten. „Häufig kommen bei den Serviceanbietern auch noch höhere Gebühren für Gespräche in fremde Mobilfunknetze, zur Mailbox und für den SMS-Versand hinzu“, sagt Tarifexpertin Seute.

Bei hohen monatlichen Festpreisen und zahlreichen Zusatzgebühren will der Abschluss eines Flatrate-Vertrags deshalb gut überlegt sein. Gerade im Weihnachtsgeschäft locken die Netzbetreiber mit günstigen Handys, dem Wegfall des Bereitstellungspreises (T-Mobile), niedrigeren Monatsgebühren (E-Plus) oder Startguthaben (Vodafone) Kunden in die teuren Verträge. Auf den Internetseiten werben die Anbieter zusätzlich mit Gesprächsguthaben oder Frei-SMS.

„Jeder sollte sich über sein eigenes Telefonierverhalten im Klaren sein, bevor er einen Vertrag unterschreibt“, sagt Seute. „Wie viel telefoniere ich im Monat und wann, in welche Netze telefoniere ich und wie lange? Und: Wie viele SMS versende ich monatlich und in welche Netze?“ Diese Fragen müsse sich jeder selbst beantworten. Helfen könnten dabei die Einzelverbindungsnachweise früherer Handyrechnungen. „Denn eine Handy-Flatrate lohnt sich nur für Nutzer, die sehr lange ins eigene Netz und ins Festnetz telefonieren“, sagt die Tarifexpertin.

Eine Alternative sind Tarifoptionen, die innerhalb bestimmter Zeiträume kostenlose Telefonate beinhalten. Sie können zu bestehenden und neuen Mobilfunkverträgen hinzugebucht werden (siehe Tabelle). „Geld sparen kann man dabei vor allem in der Kombination mit Verträgen, die Inklusivminuten für alle Netze beinhalten“, sagt Seute.

Bei Vodafone können Vertragskunden die Tarifoption „Happy Abend“ für 7,50 Euro im Monat hinzubuchen. Gespräche ins eigene Netz und ins deutsche Festnetz sind danach wochentags zwischen 20 Uhr und 8 Uhr des Folgetages kostenlos. Für jeweils fünf Euro im Monat beinhalten die Tarifoptionen „Happy Wochenende“ von Vodafone und „Weekend-Flat“ von 02 kostenlose Gespräche samstags und sonntags ins eigene Netz und ins deutsche Festnetz. Das vergleichbare Angebot „Time & More 1000 Minuten“ von E-Plus ist auf 1000 Gesprächsminuten im Monat begrenzt.

T-Mobile hat seine entsprechenden Tarifoptionen „Freizeit Flat“ und „Weekend Flat“ dagegen weitestgehend gestrichen. Nur noch in den teuren Tarifen „Relax XL“ seien die Optionen laut einer Konzernsprecherin buchbar.

Wer dennoch glaubt, mit einem Flatrate-Vertrag Geld sparen zu können, sollte noch einige Dinge beachten: Das gewählte Netz muss überall dort, wo man telefonieren möchte, gut ausgebaut sein. Und: „Es ist zwar ohne längere Frist möglich und meistens kostenlos, beim gleichen Anbieter in eine teurere Flatrate zu wechseln“, sagt Seute. Doch wenn die Flatrate teurer wird als die Rechnung für den alten Tarif, ist ein Wechsel zurück fast immer mit Gebühren verbunden.

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