Verbraucher : Teure Tricks

Meisterbetriebe sind teuer. Doch wer billige Handwerker sucht, zahlt oft drauf: Spätestens bei Reklamationen gibt es Probleme

Heike Jahberg,Stefan Kaiser

Handwerker sind teuer. Gut 43 Euro muss der Kunde für die Arbeitsstunde bezahlen, wenn er einen Meisterbetrieb anheuert, sagt der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH). Das ist viel Geld. Kein Wunder also, dass viele Menschen versuchen, billigere Arbeitskräfte zu finden. Möglichkeiten gibt es wie Sand am Meer: Seit der Meisterzwang für viele Handwerksberufe weggefallen ist, hat ein regelrechter Gründerboom eingesetzt. Allein in Berlin sind im vergangenen Jahr 6500 neue Handwerksbetriebe entstanden. Viele von Ihnen sind deutsche Ich-AGs oder Ein-Mann-Betriebe aus Osteuropa. Denn während Arbeitnehmer aus den neuen Beitrittsländern Polen, Tschechien, Ungarn, Slowenien oder den baltischen Staaten in Deutschland vorerst nicht arbeiten dürfen, gibt es für Selbstständige keine Grenzen. Und die stechen die deutsche Konkurrenz preislich locker aus.

Billigkonkurrenz. „Wir gehen davon aus, dass die Osteuropäer mit Stundenlöhnen unter zehn Euro arbeiten“, sagt Ilona Klein vom Zentralverband Deutsches Baugewerbes (ZDB). „Das ist quasi brutto für netto, weil kaum andere Kosten hinzu kommen.“ „Eine gefährliche Konkurrenz“ seien die Ich-AGs und (schein-)selbstständigen Handwerker aus den Beitrittsländern, warnt daher auch ZDB-Präsident Arndt Frauenrath.

Kaum Kosten. Tatsächlich müssen ausländische Handwerker, die als Selbstständige in Deutschland arbeiten, nur eine Krankenversicherung nachweisen, die sie meist aus ihrem Heimatland mitbringen. Zu anderen Sozialabgaben sind sie nicht verpflichtet. Auch Steuern müssen sie in Deutschland nicht zahlen, so lange sie hier keine Betriebsstätten unterhalten. Auch deutsche Ich-AGs unterbieten die Preise für Handwerksbetriebe und Dienstleister, weil sie nicht an Tariflöhne gebunden sind und ihren Stundenlohn frei kalkulieren können.

Schwarzarbeiter. Viele Haushalte machen sich das Preisgefälle zu Nutze. Und überschreiten dabei nicht selten die Grenze zur Illegalität. Denn die billigsten Arbeitskräfte sind Schwarzarbeiter. Doch: „Wer Schwarzarbeiter beschäftigt, kann wegen Steuerhinterziehung oder Betrugs belangt werden“, warnt die Berliner Rechtsanwältin Claudia Frank, Fachanwältin für Arbeits- und Steuerrecht.

Aus ihrer Praxis kennt die Juristin zahlreiche Tricks, wie private Auftraggeber versuchen, sich durchzumauscheln. Sie nutzen eine Gesetzeslücke. Denn nach dem Schwarzarbeitsgesetz gelten Nachbarschaftshilfe und Gefälligkeiten nicht als Schwarzarbeit. Tschechische Dachdecker werden so gern schon mal als Cousin und Cousine ausgegeben, die dem Bauherren zur Hand gehen. „Der halbe Grunewald ist mit osteuropäischen Verwandten renoviert worden“, weiß Claudia Frank.

Rechnung verlangen. Doch was billig wirkt, kann teuer werden. Wer sich auf Schwarzarbeiter einlässt, ist erpressbar, warnt die Fachanwältin. Sie rät daher: „Lassen Sie sich eine Rechnung stellen, auf der die Identifikationsnummer des Unternehmers steht und auf der auch die Umsatzsteuer ausgewiesen ist.“ Ob der Vertragspartner dann seinerseits alle Vorschriften beachtet hat, ob er wirklich selbstständig ist oder als Scheinselbstständiger in Deutschland gar nicht arbeiten dürfte, das geht den Privatkunden dann nichts mehr an.

Wer mit Schwarzarbeitern arbeitet, steht auch schlecht da, falls die Fliesen schief verlegt, die Wand schlampig tapeziert oder die Rohre undicht sind. Denn auf die gesetzlichen Gewährleistungsrechte pocht man in diesen Fällen vergebens.

Gewährleistungsrechte. „Grundsätzlich gilt für handwerkliche Leistungen eine Gewährleistungspflicht“, erklärt Klaus Schmitz, Rechtsanwalt beim ZDH. Für Arbeiten an Bauwerken beträgt diese zum Beispiel fünf Jahre. „Wenn Sie in diesem Zeitraum einen Mangel feststellen, der schon bei der Abnahme vorlag, haben Sie Anspruch auf Behebung“, sagt Schmitz. Der Handwerker muss die Sache kostenlos in Ordnung bringen. Tut er das nicht, können Sie die Rechnung kürzen, vom Vertrag zurück treten oder Schadenersatz einklagen.

Spätestens hier kann das Anheuern ausländischer Billig-Anbieter zum Problem werden. „Bei einem alteingesessenen Handwerksbetrieb kann ich anrufen und meine Ansprüche geltend machen“, sagt Schmitz. „Wenn der Handwerker aber aus einem anderem Land kommt, ist die Frage, wie kriege ich den überhaupt zurück an die Baustelle?“ Auch Klagen gegen Anbieter aus dem Ausland seien oft kompliziert und langwierig.

Noch schwieriger wird es bei Schwarzarbeitern. „Wer die wissentlich beschäftigt, hat nach Ansicht der Gerichte keinen Anspruch auf Gewährleistung“, sagt Schmitz. Mit dramatischen Folgen: „Wenn Sie zum Beispiel eine Heizung schwarz einbauen lassen und die leckt, bleiben Sie auf dem Schaden sitzen.“

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