Verbraucher : Trübe Tassen

Heike Jahberg

DAS TESTURTEIL: 3 Punkte (0 Punkte: Hände weg und alle Bekannten warnen, 5 Punkte: Noch mal drüber schlafen, 10 Punkte: Sofort kaufen)

testet eine Kaffeemaschine Auf diesen Test hatte ich mich besonders gefreut. Sie müssen nämlich wissen, dass in unserer Chefredaktion eine Philips-Senseo-Kaffeemaschine steht. Die braut köstlichen Kaffee. Wäre es nicht schön, dachte ich mir, einen solch leckeren Kaffee auch ohne einen Termin in der Chefredaktion zu trinken? Heute weiß ich: Leider nein.

Dabei habe ich wirklich versucht, alles richtig zu machen. Ich habe die Bedienungsanleitung gelesen und die Maschine sorgfältig betriebsbereit gemacht. Dann habe ich die Kaffeepads der Firma Douwe Egberts gekauft, die von Philips ausdrücklich empfohlen werden. Die Senseo-Maschine sieht nämlich nicht nur ungewöhnlich aus, sie funktioniert auch anders als herkömmliche Kaffeeautomaten. Statt Pulver und Filtertüten braucht man kleine runde Pads, mit denen Tasse für Tasse frisch aufgebrüht wird.

Dann endlich der große Moment: Wasser eingefüllt, Pad eingelegt, Starttaste gedrückt – nach kurzer Wartezeit läuft der Kaffee aus den Düsen. Doch was dann kommt, ist eine große Enttäuschung. Der Kaffee ist eine dünne Plörre. Also noch- mal in die Gebrauchsanleitung geschaut, doch vergeblich. Dass ihr Kaffee wie Spülwasser schmecken könnte, ist für die Leute von Philips unvorstellbar.

Jetzt soll mein Gatte ran und auch probieren. Ich versuche, zwei Tassen nebeneinander zu stellen und gleichzeitig aufzubrühen. Das gelingt nur mit dem alten Geschirr meiner Tante Irene, denn unsere großen Töpfe passen nicht auf das schmale Gitter. In der Sache ändert das sowieso nichts: Der Kaffee schmeckt wie eingeschlafene Füße, mein Gatte weigert sich, an weiteren Testreihen teilzunehmen.

Rund 150 Euro kostet die Maschine, mindestens 2,50 Euro muss man für eine Packung Pads (18 Stück) ausgeben – und dann das? Ich gebe nicht auf. Statt Douwe Egberts kaufe ich die Crema-Pads von Jacobs. Eine gute Entscheidung. Der Kaffee wird jetzt zumindest schön cremig-schaumig. Außerdem nehme ich nun immer zwei Pads und koche die doppelte Portion. Das Getränk ist zwar noch immer keine Offenbarung, aber durchaus trinkbar.

Dennoch gebe ich Senseo drei Punkte. Einen dafür, dass die Maschine aussieht wie der schiefe Turm von Pisa. Das finde ich lustig. Einen weiteren Punkt erhält meine Testmaschine, weil ich nicht ausschließen kann, dass ich – wie auch immer – eine Mitschuld an dem Flop trage. Einen dritten Punkt bekommt das Gerät, weil es mich Demut lehrt. Denn erst jetzt weiß ich, was Chefsekretärinnen wirklich leisten müssen.

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