Verbraucher : Überraschung im Kleingedruckten

Weihnachtspakete müssen spätestens drei Tage vor dem Fest auf dem Weg sein. Expressdienste sind kaum schneller

André Görke

Der Transport der Waschmaschine wäre bis Heiligabend kein Problem. Eine rote Schleife drum, ein Anruf, und vier, fünf Tage später steht das neue Gerät beim Enkel unterm Weihnachtsbaum. Die Kosten bei Iloxx, einem Logistiker für sperrige Gegenstände, liegen bei knapp 70 Euro.

Es gibt viele Geschenke an den Feiertagen, und es gibt noch viel mehr Möglichkeiten, diese zu verschicken. „Der Kunde wünscht sich in Sachen Weihnachtspost vor allem zwei Dinge“, sagt Simone Vintz, Projektleiterin bei der Stiftung Warentest. „Die Pakete sollen billig sein – und vor allem: pünktlich unter dem Weihnachtsbaum liegen.“

Seit das Post-Monopol nicht mehr gilt, sind die Zahl der Dienstleister und damit das Angebot enorm gewachsen. Neben dem Blick auf die Preistabelle lohnt sich der ins Kleingedruckte. Bei vielen Unternehmen weichen die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) von der Norm ab oder sind so kompliziert formuliert, dass sie kaum ein Kunde versteht. „Da kann es zu unliebsamen Überraschungen kommen“, sagt Vintz. So bietet das Unternehmen UPS zwar kundenfreundlich eine kostenlose Telefonnummer an, unter der die Verbraucher den Auftrag erteilen können. Kundenunfreundlich dagegen ist der in den Allgemeinen Beförderungsbedingungen versteckte Satz, der besagt, dass UPS ein Paket erst nach 30 Tagen als verloren betrachtet. In der Branche gelten dagegen 20 Tage als die Norm, sagt Vintz.

Auch über den Anbieter Iloxx wundert sich mancher Experte. Der Versandservice mit Sitz in Nürnberg verlangt bei ausstehenden Zahlungen vom „Fälligkeitstermin an Zinsen in Höhe von fünf Prozent“. So steht es in den AGB, obwohl ein geringer Prozentsatz üblich sei. Aus juristischer Sicht ist das nicht ohne. „Würden geltendes Recht missachtet und der Kunde unangemessen benachteiligt, können die Allgemeinen Geschäftsbedingungen für unwirksam erklärt werden“, sagt Helke Heidemann-Peuser, Rechtsexpertin beim Bundesverband der Verbraucherzentralen.

Doch das Kleingedruckte und die versteckten Fußnoten sind nicht alles, worüber sich die Kunden im Schadensfall ärgern können. Wenn die zu verschickende Ware wertvoll ist, müssen die AGB unbedingt vorher gelesen werden, empfehlen Experten. Denn meist sind die Pakete zwar mit mindestens 500 Euro versichert, doch der Kunde muss im Schadensfall erst einmal nachweisen, dass die Schuld beim Versandservice liegt und nicht etwa aufgrund einer unzureichend sicheren Verpackung zustande kam. Ausgeschlossen ist zudem der Versand von verderblichen Waren. In vielen AGB findet sich auch die Klausel, dass der Versand von so genannten Valoren ausgeschlossen ist. Dazu gehören Schmuckstücke und Bargeld, aber auch in manchen Fällen Tierfelle.

Da fast alle Unternehmen Klauseln wie diese in ihren Verträgen verankert haben, lohnt sich deshalb vor allem der Preisvergleich (siehe Tabelle) . Dienstleistungen wie etwa der Express-Service sind zwar gut und funktionieren zuverlässig, sind aber nicht immer nötig, sagen Experten. Zwar werden die Pakete im Express-Service von ihren Anbietern beim Transport bevorzugt behandelt, doch auch die normalen Pakete sind nach bis zu drei Tagen am Zielort. Testsieger in einer aktuellen Untersuchung der Stiftung Warentest (test 12/2004) waren „Hermes“ wegen seiner Zuverlässigkeit und des Preises und das Unternehmen „Der Courier“, weil hier Aufträge besonders leicht über das Internet aufgegeben werden können.

Hermes etwa, so Testerin Vintz, „ist eine echte Konkurrenz für den normalen Postschalter“. Das Unternehmen hat rund 10 000 Annahmestellen, meist an Kiosken, Bäckereien oder Gaststätten, die als Partner fungieren. Kritisiert wurde lediglich, dass Hermes die Abholzeit nicht eingrenzen kann, die Kunden sich also viele Stunden freihalten müssen. Bei anderen Unternehmen wird ein Service angeboten, der die Zeitspanne einschränkt. Wer sein Paket „vor 12 Uhr“ abholen lassen will, muss bei DHL 2,50 Euro Mehrkosten tragen.

Derzeit sollte es noch jedes Paket schaffen, rechtzeitig bis Weihnachten am Zielort anzukommen – zumindest in Deutschland. Wer sein Paket ins Ausland schicken will, kommt in Zeitnot. Aber auch da gibt es kleine Tipps: Das „Päckchen Welt“ von DHL etwa für 12,30 Euro kann mehr als einen Monat unterwegs sein, weil die Ware auf dem See- oder Landweg transportiert wird. Doch wer nur zehn Euro mehr zahlt und das Angebot „Pluspäckchen“ bei DHL wählt, dessen Paket wird per Luftpost transportiert und schränkt somit das Zeitfenster enorm ein.

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