Verbraucher : Überschätzte Alleskönner

Hedge-Fonds sind mächtig und milliardenschwer – aber die Wertentwicklung enttäuscht deutsche Anleger

Veronika Csizi

Für die einen sind sie allesfressende Heuschrecken, für die anderen Alleskönner: Hedge-Fonds. Eine Billion Dollar stecken weltweit in den rund 8000 Hedge-Fonds, die von sich behaupten, unabhängig von der jeweiligen Markt- und Börsenlage Gewinne erwirtschaften zu können.

Sie nutzen dabei Unternehmenskrisen, Währungsturbulenzen, Fusionsgerüchte sowie Auf- oder Abwärtsbewegungen und Preisdifferenzen an verschiedenen Börsen. Während SPD-Chef Franz Müntefering sie als Heuschrecken geißelt, sprechen die Fonds-Manager selbst von einer „wirksamen Kontrollinstanz des Marktes“. Jeder dritte Dollar des weltweiten Aktienumsatzes, so wird geschätzt, geht heute auf das Konto der Hedge-Fonds. Auch an den 30 Dax-Firmen, behauptete kürzlich Commerzbank-Chefvolkswirt Ulrich Ramm, hielten die Fonds schon durchschnittlich je 15 Prozent.

In Deutschland haben Privatanleger seit Anfang 2004 Zugang zu diesem Markt. Gekauft werden allerdings meist Dach-Fonds (siehe Tabelle), die ihrerseits wieder in verschiedene Einzelfonds investieren. Denn der Gesetzgeber hat den öffentlichen Vertrieb von Einzelfonds (Single-Hedge-Fonds) verboten, um das Anlagerisiko zu verringern. Insgesamt hat die Finanzaufsicht 38 Hedge-Fonds genehmigt, davon 20 Dach-Fonds.

Wer einen Blick auf die Wertentwicklung der Dach-Produkte wirft, reibt sich jedoch verwundert die Augen. Trotz Rohstoff-Hausse, Dax-Anstieg und Rentenhoch liegt kaum ein Fonds kräftig im Plus. Spitzenreiter mit 7,6 Prozent im diesjährigen Jahresverlauf ist der Sauren Global Hedge-Fonds des Finanzdienstleisters Eckhard Sauren, der aber immer noch weit unter der Wertentwicklung vieler Einzelmärkte rangiert. So legte der Dax seit Januar knapp 18 Prozent vor, Öl notiert knapp 60 Prozent höher und der japanische Nikkei rund 17 Prozent. Gold haussiert ebenso wie viele Osteuropa-Märkte. Mancher Käufer von Hedge-Fonds muss dagegen seit Januar ein Minus in Kauf nehmen: Im roten Bereich notieren etwa der HansaInvest Pioneer Global Hedge oder auch der Hedge Invest Dynamik des Fonds-Marktführers DWS.

Beide Anbieter führen die schwache Performance vor allem auf den ungünstigen Startzeitpunkt im Frühjahr 2004 zurück, als die Märkte vielfach seitwärts tendierten. „Wir lagen bei der Auswahl der Produkte daneben“, räumt DWS-Pressesprecherin Anke Hallmann ein. Zudem verursache die Dach-Konstruktion „große Kostenprobleme“. Die drei Single-Hedge-Fonds der DWS, die zwar nicht beworben, aber trotzdem von Kleinanlegern gekauft werden könnten, hätten erheblich besser abgeschnitten: Der DWSLong/Short Equity Market Neutral beispielsweise schaffte von Januar bis Ende August 18 Prozent.

Einzel-Hedge-Fonds, so warnen jedoch Verbraucherschützer, eigneten sich nur für sehr erfahrene Anleger mit Mut zum Risiko. Denn neben der Chance auf gute Gewinne bestehe ein ebenso hohes Verlustrisiko. Manche Vermögensverwalter monieren zudem die hohen Kosten der Dachfonds, bei denen Ausgabeaufschläge, Verwaltungsgebühren und Erfolgshonorare für den Manager von bis zu 25 Prozent beim Kauf der Einzelfonds bisweilen mehrfach anfielen. Dies schmälere den Ertrag am Ende erheblich.

Trotz anfänglicher Euphorie ist der deutsche Hedge-Fonds-Markt auch nach 20 Monaten nicht in Schwung gekommen: Gerade mal 1,4 Milliarden Euro konnten die 38 Fonds einsammeln, das sind 0,14 Prozent des weltweiten Aufkommens. US-Investoren haben dagegen, Schätzungen zufolge, mindestens 500 Milliarden Dollar in Hedge-Fonds investiert. Große amerikanische Stiftungen wie jene der Eliteuniversitäten Yale und Harvard legen seit nahezu zwei Jahrzehnten etwa 25 Prozent ihrer Stiftungsgelder von gut zehn Milliarden Dollar in diesen Produkten an. Für sie gelten Hedge-Fonds (von englisch hedge = absichern) als stabilisierender Faktor im Portfolio und als Absicherung für Zeiten fallender Märkte. Yale hat, auch mit dieser Methode, in den letzten zehn Jahren jährlich 16,6 Prozent Rendite erwirtschaftet.

Mehr Mut und Gelassenheit im Umgang mit Hedge-Fonds wünscht sich auch Rolf Dreiseidler, der Leiter Dach-Hedge-Fonds bei der Deka. Die Fondsgesellschaft der Sparkassen versucht gerade als letzter der großen Anbieter den Kunden die Produkte schmackhaft zu machen. Nach Ansicht von Dreiseidler ist ein Dach-Fonds kein Teufelszeug, sondern „eigentlich ein Anleihen-Ersatz“. Der Anleger müsse wissen, dass er „keinen Renditeturbo im Depot hat, sondern ein sehr konservatives, risikosenkendes Investment“. Trotz des gesetzlich vorgeschriebenen Warnhinweises sei das Totalverlustrisiko bei einem Dach-Produkt wegen der Streuung auf viele Einzelfonds „viel geringer als beispielsweise bei einem asiatischen Internet-Fonds“. Dreiseidlers Renditeziel liegt bei fünf bis acht Prozent pro Jahr. Auch andere Spezialisten beschwören nach dem schwierigen Start künftige Erfolgschancen. Mit 20 bis 150 Milliarden Euro, so schätzt Jörg Stotz, Geschäftsführer der HansaInvest, könne die Branche in den nächsten fünf Jahren in Deutschland rechnen.

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