Verbraucher : Üble Gerüche unter der Erde

Alfons Frese

DAS TESTURTEIL: 2 Punkte

(0 Punkte: Hände weg und alle Bekannten warnen, 5 Punkte: Noch mal drüber schlafen, 10 Punkte: Sofort kaufen)

testet ein Wühlmausgas Ich bringe sie um! Alle. Doch leider ist das verboten. Irgendwer findet Maulwürfe toll und hat sie unter Schutz gestellt. Früher war das anders. Da legte man sich mit der Mistgabel oder einer Hacke auf die Lauer, schlich sich an, sobald ein wenig Erde nach oben blubberte, stieß hinein in den Haufen und spießte das Biest auf. Heute ist man auf die Hilfe Dritter angewiesen. Aber warum nicht der chemischen Industrie vertrauen, einer unserer Schlüsselbranchen mit tadellosem Ruf?

Im Baumarkt rät ein Verkäufer zu Kugeln. Die werden auf der angegriffenen Fläche eingegraben, auf jeden Quadratmeter kommt ein Kügelchen, etwa zehn Zentimeter tief. Gott sei Dank ist der Rasen nicht größer als 100 Quadratmeter. Trotzdem bin ich nach der Aktion platt. 15 Euro sind verbuddelt, der Rücken tut weh, aber die Viecher werden vor den Duftstoffen das Weite suchen. Oder wenigstens den Nachbarn. Zwei Wochen ist alles gut, die Wut über den umgewühlten Rasen verschwindet, Grassamen sind nachgesät, die schlimmsten Löcher geflickt.

Über Nacht sind sie zurück. Drei Hügel, davon einer so groß wie eine Wassermelone. Sofort ins Gartencenter, Fachberatung. Für 11,95 Euro kaufe ich eine Dose Delu, ein Granulat aus Carbid, das stinkt und die Wühler vertreibt. Der Verkäufer selbst hat gute Erfahrungen damit gemacht, sein Garten ist befreit von Wühlmäusen und Maulwürfen. Mit Begeisterung mache ich dort Löcher, wo Gänge sind, und stopfe in beide Richtungen einen Teelöffel Granulat. Es stinkt wirklich. Dann mache ich die Löcher zu und freue mich, dass nun üble Gerüche unterhalb meiner Grasnarbe die Eindringlinge quälen. Es wirkt. In der Nachbarschaft sind bald ziemlich große Haufen zu sehen. Ich mähe den Rasen und wässere häufig, damit die kahlen Stellen im Garten zuwachsen.

Dann sind sie wieder da. Im Wochenrhythmus. Wühlmäuse und Maulwürfe. Als hätte das Carbid ihre Fortpflanzungsaktivitäten in Schwung gebracht. Doch immerhin, für einige Tage wirkt das Zeug und die Hügellandschaft beim Nachbarn ist inzwischen deutlich beeindruckender als die bei mir. Ich kaufe eine zweite Dose Delu und halte mich an den Tipp des Fachverkäufers: reichlich von dem Zeug in die Gänge und dann Wasser drauf. Es zischt gewaltig und schlimme Dämpfe strömen durch die unterirdischen Labyrinthe und verbreiten Angst und Schrecken. Klasse. Es wirkt.

Ungefähr zwei Wochen. Jetzt sind sie alle wieder da. Die dritte Dose Delu ist inzwischen leer und die deutsche Chemieindustrie steckt voller Versager. Ich kaufe mir eine spitze Hacke.

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