Verbraucher : Um Knopf und Kragen

Hausfrauen wussten es schon immer: Echten Knitterschutz gibt es nicht, auch bügelfreie Stücke müssen unters Eisen

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Der erste Eindruck zählt: Wer beim Vorstellungsgespräch mit einem verwaschenen Hemd auftritt, kann in der Regel gleich einpacken. Umso wichtiger ist es, schon beim Kauf des Hemdes auf gute Qualität zu achten. Doch an der hapert es oft. Von 19 bügelleichten und bügelfreien Hemden, die die Stiftung Warentest untersucht hat, erhielt nur eines das Qualitätsurteil gut – das Gilberto von P & C. Die meisten Hemden erhielten die Noten befriedigend und ausreichend, fünfmal wurde sogar ein Mangelhaft vergeben. Besonders pikant: Der Testsieger gehört mit einem Preis von 20 Euro ausgerechnet zu den günstigsten Produkten. „Teuer ist nicht automatisch gut“, erklärt Nicole Merbach von der Stiftung Warentest.

Meist war der Kragen das K.-o.-Kriterium. Teilweise bildeten sich auf dem Stoff Blasen, bisweilen waren die Spitzen schnell durchgescheuert und löchrig. Die Hemden von Aldi (Nord) und Seidensticker waren schon nach der zehnten Wäsche angegriffen. Insgesamt haben nur zwei Kragen die im Test vorgesehenen 30 Wäschen überstanden: die von P & C und Hugo Boss.

Übrigens: Was Hausfrauen schon immer wussten, hat die Stiftung Warentest nun auch bewiesen. Wirklich bügelfreie Hemden gibt es gar nicht. Egal, was die Werbung verspricht – echten Knitterschutz erreicht man in der Regel nur, wenn man nach dem Waschen noch drei bis vier Minuten nachbügelt. Trotzdem kann sich ein bügelfreies Hemd lohnen: Denn bei Hemden, die im Gegensatz dazu nur bügelleicht sind, muss man noch mehr Zeit einplanen. Bei Hemden ohne jeden Knitterschutz wiederum steht man gut und gerne neun Minuten am Bügelbrett.

Allerdings: Einen Nachteil haben die bügelfreien Hemden. Denn ihre Oberfläche ist oft dermaßen mit Kunstharz behandelt, dass sie kaum mehr Schweiß aufnehmen. Der Tragekomfort leidet darunter erheblich. „Manchmal muss man sich entscheiden“, sagt Expertin Merbach. „Will ich mich in meinem Hemd wohlfühlen, oder will ich beim Bügeln Zeit sparen?“ In einem Nebentest zum Beispiel haben Hemden ohne Knitterschutz bei der Schweißaunahme gut abgeschnitten. „Aber nicht jedes Wohlfühlhemd ist als Businesshemd geeignet“, fügt Merbach hinzu.

Untersucht wurde auch die Verantwortung der Unternehmen für Soziales und die Umwelt. Dazu besuchte die Stiftung Warentest weltweit 15 Textilbetriebe. Geprüft wurden zum Beispiel die Krankenversicherung der Mitarbeiter, die Arbeitssicherheit und die Arbeitszeiten. Ergebnis: Drei Unternehmen sind „stark engagiert“, viele sind „engagiert“, zwei hingegen verweigerten die Auskunft. awm

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