Verbraucher : Umschalten lohnt sich

Das Überallfernsehen wird immer beliebter – und ist billiger als das Kabel-TV. Die Auswahl an Geräten steigt.

Kurt Sagatz

Die Popularität des digitalen Antennenfernsehens übertrifft alle Erwartungen: „Bis zum Jahresende rechnen wir mit 1,4 Millionen verkauften DVB-T-Geräten“, sagte Michael Thiele, Sprecher des Branchenverbandes Deutsche TV-Plattform, dem Tagesspiegel. Bislang war man nur von einer Million verkaufter Empfangsboxen ausgegangen. 1,2 Millionen Geräte sind bereits im Handel, für das Weihnachtsgeschäft wird mit zusätzlichen 200000 Settop-Boxen gerechnet.

Das Kürzel DVB-T steht für „Digital Video Broadcasting-Terrestrial“, oder umgangssprachlich: „Überallfernsehen“. Mit DVB-T können nicht nur erheblich mehr Programme über Antenne empfangen werden – in Berlin sind es derzeit 27. Das „Überallfernsehen“ lässt sich darüber hinaus sogar mobil, also beispielsweise in einem fahrenden Auto empfangen.

Noch spielen die fahrenden Fernseher allerdings keine große Rolle, sagt Thiele. Für den Erfolg macht der Fernsehexperte andere Gründe aus: DVB-T werde nicht nur als Ersatz für den früheren Analogempfang genutzt, sondern zunehmend auch als flexible Empfangstechnik für Zweit- und Drittgeräte. „Selbst in Kabelhaushalten ist es oft einfacher, auf den Fernseher im Kinderzimmer eine Settop- Box zu stellen, als umständlich ein neues Kabel zu ziehen“, erklärt Thiele die hohen Verkaufszahlen für die Boxen. Denn ohne Settop-Box funktioniert das digitale Antennenfernsehen nicht.

Peter Dehn, Fachbuchautor, ist vor allem von der Qualität des „Überallfernsehens“ überzeugt. Obwohl sich vier Programme einen herkömmlichen Kanal teilen, gibt es so gut wie keine Qualitätsverluste. Auch die anfänglichen Probleme mit der Bild- und Tonqualität seien inzwischen ausgeräumt.

Das Wichtigste aber sei der Preis. Anders als beim Kabelempfang würden keine monatlichen Gebühren fällig, nur für die Anschaffung der Box fielen einmalig Kosten an, wobei ganz einfache Dekoder bereits ab 50 Euro angeboten würden, so Dehn. Wer allerdings vom Kabel zu DVB-T wechseln will, sollte mit einer gewissen Umgewöhnung rechnen. So wird das Programm nicht mehr am Fernseher gewechselt, sondern mit der Fernbedienung für die Box. Auch fehle das VPS-Signal für die Steuerung des Videorekorders.

Vor rund zwei Jahren ging das „Überallfernsehen“ in Berlin-Brandenburg an den Start. Anfang November wurden auch die Ballungsräume um Hamburg, Lübeck und Kiel sowie Düsseldorf und das Ruhrgebiet umgestellt. Bis Ende 2004 können 38 Millionen Leute in Deutschland das neue Antennenfernsehen empfangen.

Eines der Hauptprobleme beim Start von DVB-T in Berlin-Brandenburg war die mangelnde Geräteauswahl, erinnert sich Dehn. Inzwischen bieten 40 Hersteller rund 100 verschiedene Geräte an. Das Angebot reicht von einfachen Dekodern bis hin zu Geräten, die zwei Programme zeitgleich empfangen können. Auch der Laptop wird mit DVB-T zum mobilen Fernsehgerät. „Vor allem von den USB-Boxen, die einfach an den Computer angeschlossen werden, wurden erheblich mehr abgesetzt als anfangs erwartet“, sagt DVB-T-Experte Dehn. Die „MagicBox“ von Twinham (99 Euro) mit der kleinen Stummelantenne benötigt nicht einmal ein Netzteil.

In einigen klassischen Fernsehern ist der DVB-T-Dekoder bereits ab Werk eingebaut. Loewe hat gerade zwei neue Geräte – den Nemos 32 DVB-T und den Aventos 3972 DVB-T – angekündigt, bei denen das DVB-T-Empfangsteil für 49 Euro extra bereits integriert ist.

Mehr zu DVB-T:

www.ueberall-tv.de

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