Umweltprämie : Ein Rennen gegen die Zeit

Die Umweltprämie hat den Autoverkauf angekurbelt. Erste Modelle werden knapp. Gehen Nachzügler leer aus?

Miriam Braun
Umweltpraemie
Wer einen Neu- oder Jahreswagen kauft und seine alte Karre verschrotten lässt, bekommt Geld vom Staat. -Foto: dpa

Die Entscheidung ist gefallen: Die alte Karre kann weg. Dank staatlicher Umweltprämie von 2500 Euro fällt die Trennung leicht. Das dachten sich viele Besitzer eines neun Jahre alten Autos in den letzten Wochen und machten die Abwrackprämie zu einem Verkaufsschlager. Die Konsequenz: Die ersten Modelle sind bereits nicht mehr zu haben, und Kunden müssen sich mit mehrwöchigen Lieferzeiten vertrösten lassen. Viele haben jetzt Sorge, am Ende ganz ohne Prämie dazustehen. Die SPD will ihnen diesen Stress nehmen. „Käufer sollten die Prämie bereits dann beantragen können, sobald sie einen Kaufvertrag über einen Neuwagen abgeschlossen haben“, fordert der parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Fraktion, Thomas Oppermann. Doch noch ist das ein frommer Wunsch: Im Wirtschaftsministerium ist eine Änderung der Richtlinie zur Abwrackprämie vorerst nicht geplant. Panik vor dem Prämien-Schwund ist trotzdem fehl am Platz.



LIEFERENGPÄSSE

Bei Kleinwagen – Autos unter 10 000 Euro – gibt es erste Lieferengpässe, meint Ferdinand Dudenhöffer, Professor an der Universität Duisburg-Essen. Betroffen sind Marken wie Dacia, Agila oder Citroën. Die Wartezeit kann mehrere Monate betragen, allerdings sei das ein vorübergehendes Problem. „In sechs bis acht Wochen haben wir wieder normale Zustände“, sagte Dudenhöffer dem Tagesspiegel. Je nach Ausstattung müsse man auf einen Renault bis zu drei Monate warten, auf einen Golf mancherorts sechs Monate, meint Helmut Blümer vom Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK). Allerdings stelle sich das Problem eher in ländlichen Regionen.

RUN AUF DIE PRÄMIE

Im Prämientopf sind 1,5 Milliarden Euro. Rechnerisch reichen diese für knapp 600 000 Anträge, wenn man davon absieht, dass auch die Verwaltungskosten aus diesem Budget bezahlt werden. Zur Zeit gehen täglich etwa 6000 Anträge beim zuständigen Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) ein. Bleibt es bei diesem Tempo, könnte der Topf also in wenigen Monaten leer sein.

Beim ADAC hält man die Sorge jedoch für unbegründet. „In Deutschland gibt es rund 1,5 Millionen Autos, die älter als neun Jahre sind“, schätzt ADAC-Sprecher Maximilian Maurer. Diese würden jedoch wohl kaum alle in diesem Jahr verschrottet. Angst vor Engpässen bei der Prämie müsse man daher nicht haben, meint Maurer, obwohl er vermutet, dass die Antragszahlen in Zukunft noch stärker anziehen werden: „Die Anträge der letzten Wochen spiegeln erst mal nur die Käufe wider, mit denen die Höfe der Autohändler leer gekauft wurden.“ Der Prämientopf sei aber groß genug für alle.

Auch der Verband der Autoimporteure gibt Entwarnung: „Es ist nicht an der Zeit, Panik wegen des Auslaufens der Prämie zu schüren“, sagt Verbandspräsident Volker Lange. Lange rechnet mit maximal 400 000 Anträgen. Eine Grafik auf der Internetseite der Bafa (www.bafa.de) verrät tagesaktuell, wie viele Anträge bereits eingegangen sind (siehe Grafik). Ende vergangener Woche waren es 44 161. Doch das ist erst der Anfang. „Wir rechnen damit, ab Mitte März die ersten Prämien auszahlen zu können“, sagte eine Bafa-Sprecherin dem Tagesspiegel. Momentan sei das Geld noch nicht endgültig freigegeben. Aber ab Mitte März müsste es dann schnell gehen. Die Bearbeitung eines vollständigen und korrekten Antrages dauere theoretisch nur wenige Minuten.

ALL INCLUSIVE

Viele Händler bieten beim Kauf eines Neuen die gesamte Abwicklung inklusive Verschrottung des Alten an: Die Prämie wird dann direkt vom Kaufpreis abgezogen, der Wagen verschrottet und der Antrag an die Bafa vom Autohaus gestellt. Der Nachteil: Fast immer steht in den Verträgen, dass letztlich der Käufer für die Auszahlung der Prämie haftet. „Der Händler übernimmt zwar die Dienstleistung für den Kunden. Aber wenn da etwas nicht funktioniert, haftet der Käufer“, sagt Christian Speigl, Vertriebsleiter bei Peugeot Berlin Brandenburg.

RABATTE

Weil sie Angst vor dem leeren Prämientopf haben, verlieren viele Verbraucher die Nerven. Sie feilschen nicht mehr um den Preis, und sie überlegen nicht lange, bevor sie den Kaufvertrag unterschreiben. Das schmälert ihre Rabatte. Während bei Kleinwagen im vergangenen Jahr noch rund zwölf Prozent drin waren, sind es jetzt nur noch acht, sagt ZDK-Sprecher Helmut Blümer. In der teureren Oberklasse würden aber weiterhin deutlich höhere Rabatte gewährt.

Käufer sollten sich nicht ins Bockshorn jagen lassen und sich ihrer Verhandlungsposition bewusst sein. „Die Prämie ist völlig abgekoppelt von weiteren Rabatten“, betont ADAC-Sprecher Maurer. Sein Tipp: Die Kunden sollen selbstbewusst auftreten und trotz der Prämie angemessene Rabatte einfordern. „Lassen Sie sich nicht in einen Vertrag treiben, aus Angst, die Prämie nicht zu bekommen“, meint Experte Dudenhöffer.

KFZ-STEUER

Auch der Bundesverband der Verbraucherzentralen (VZBV) warnt vor vorschnellen Autokäufen. Kunden sollten vor allem die zum 1. Juli geplante neue Kfz–Steuer im Blick haben und auf den Kohlendioxid-Ausstoß ihres Neuwagen achten. „Wer jetzt unüberlegt in ein größeres Auto investiert, zahlt womöglich bei der Steuer ab Juli drauf“, meint VZBV-Vorstand Gerd Billen.

FINANZIERUNG

Nicht jeder Autokäufer hat die gesamte Kaufsumme angespart. Rund 80 Prozent aller neuen Autos werden finanziert. Weit verbreitet sind Autokredite oder Leasing. Einen Autokredit kann man entweder bei einer normalen Geschäftsbank oder bei einer Autobank abschließen. Das kann günstiger sein als die Leasing-Variante. Der Grund: Bei Barzahlung winken dem Käufer meist höhere Rabatte. „Die Händler freuen sich über Bargeld. Damit hat ein Käufer in jedem Fall eine stärkere Verhandlungsposition“, weiß Maximilian Maurer vom ADAC.

Aber wohin soll man gehen? Sowohl die Banken als auch der Autohändler locken mit attraktiven Zinsen für die Autofinanzierung. „Bei den normalen Hausbanken sind die Zinsen momentan niedrig“, merkt Maurer an. Allerdings verdient der Händler ebenfalls an einer Finanzierung über sein Autohaus, was auch hier unterm Strich zu günstigen Konditionen für den Neuwagen führen kann. Derzeit seien die Zinsen beim Händler ähnlich wie bei der Hausbank, schätzt Dudenhöffer: „Rund sechs bis sieben Prozent sind realistisch.“ Die endgültige Entscheidung hängt vom Kaufpreis des Autos, einem Zinsvergleich und dem Rabatt im Falle der Barzahlung ab. Diese müssen genau verglichen werden – von Fall zu Fall.

Mit wenigen Mausklicks ermittelt ein Rechner auf der Internetseite www.check24.de die individuell günstigste Variante der Finanzierung.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben