Unerwünschte Telefonwerbung : Verbraucherzentrale klagt gegen Lichtblick

Gaben sich Mitarbeiter von Lichtblick als Vertreter der Verbraucherschützer aus? Die Verbraucherzentrale Bremen reicht Klage gegen den Ökostromanbieter wegen unerwünschter Telefonwerbung ein - Lichtblick zeigt sich überrascht.

Carsten Kloth

BremenDie Verbraucherzentrale Bremen hat den Ökostromanbieter Lichtblick wegen unerwünschter Telefonwerbung verklagt. Im Auftrag von Lichtblick sollen Verbraucher ohne vorherige Erlaubnis zu Werbezwecken angerufen worden sein. Dabei sollen sich die Anrufer zum Teil sogar als Mitarbeiter der Verbraucherzentrale ausgegeben haben.

Das Phänomen der unerwünschten Telefonwerbung - so genanntes cold calling - hat sich in den letzten Jahren stark ausgebreitet. Die Gesellschaft für Konsumforschung und der Verbraucherzentrale Bundesverband beziffern die Zahl der unerbetenen Anrufe auf etwa 300 Millionen pro Jahr - mit stark steigender Tendenz. Auf jeden Haushalt kommen so rechnerisch mehr als sieben Anrufe.

Für die aktuelle Klage hat die Verbraucherzentrale Bremen eine Reihe von Fällen gesammelt - fünf Zeugen stehen zur Verfügung. Die Anzahl der Beschwerden, die bei der vergleichsweise kleinen Verbraucherzentrale Bremen eingegangen sind, beziffert Czarnecki mit rund 50. Die Dunkelziffer dürfte sehr viel höher liegen, so Czarnecki gegenüber tagesspiegel.de. Schließlich rieten die Verbraucherzentralen stets, bei unerwünschten Werbeanrufen sofort aufzulegen. Auch sei auffällig, dass im Vergleich zu anderen Stromanbietern überdurchschnittlich viele Beschwerden Lichtblick betreffen.

Vertriebspartner war bereits gekündigt

Der Energieanbieter zeigt sich indes überrascht. Da die Klage noch nicht zugegangen sei, könne sie natürlich nicht kommentiert werden. Lichtblick-Sprecher Gero Lücking erläuterte jedoch gegenüber zoomer.de, dass die Verbraucherzentrale Bremen dem Unternehmen bereits im Sommer von den Beschwerden über die Telefonwerbung berichtet hatte. Da man hunderprozentig gleicher Meinung wie die Verbraucherschützer sei, habe man die Konsequenzen gezogen und sich von dem entsprechenden externen Vertriebspartner getrennt - in der Hoffnung, damit sei die Sache erledigt. Umso erstaunter ist man nun über den Vorgang.

Die beim Amtsgericht Hamburg eingereichte Klage muss Lichtblick nun abwarten. Laut Verbraucherzentrale könnte sie im Erfolgsfall teuer für den Energieanbieter werden: Bis zu 250.000 Euro pro unerlaubtem Werbeanruf stehen im Raum.

Lichtblick dürfte die Klage auch aus einem anderen Grund äußerst ungelegen kommen: Bereits im Juni stand das Unternehmen in der Kritik, da es von der Leipziger Strombörse EEX Atom- und Kohlestrom bezogen hatte. Dabei hat Lichtblick stets mit "100 Prozent Ökostrom" geworben.

Lichtblick ist in Deutschland Marktführer beim Ökostrom. Zu den Kunden zählt auch der Deutsche Bundestag.

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