Vanilleeis im Test : Eiskalter Schwindel

Statt des teuren Gewürzes von den Bourbon-Inseln verwenden viele Hersteller synthetische Aromen.

Vera Pache

Ob im Becher oder im Hörnchen, vielleicht mit heißen Himbeeren und Sahne oder einfach pur: Vanille ist die liebste Eissorte der Deutschen. Doch wo Vanille draufsteht, muss noch lange nicht Vanille drin sein. Deswegen hat die Stiftung Warentest jetzt beim Test von Vanilleeis neun von 22 Produkten mit „mangelhaft“ bewertet, weitere neun Produkte haben die Note „ausreichend“ bekommen. Getestet wurde Speiseeis in Haushaltspackungen – darunter ein Diabetikereis, drei Bioprodukte und ein Eis auf Sojabasis.

Viele Hersteller geizen mit Vanille, andere verzichten ganz auf das echte Gewürz und erzeugen den Geschmack stattdessen durch biosynthetisch oder chemisch hergestelltes Vanillearoma. Der Grund dafür: Die Preise für die aus Madagaskar oder Indonesien importiert echte Vanille schwanken stark. Sie hängen ab von der Ernte und lagen in den vergangenen sechs Jahren zwischen 20 und 500 Dollar pro Kilogramm.

Guter Geschmack hat in diesem Fall seinen Preis. Das beweist zumindest der Testsieger: Das Vanilleeis von Häagen Dazs wurde als einziges mit der Note „gut“ bewertet und ist mit elf Euro pro Liter auch mit Abstand das teuerste Produkt. Als einziges Vanilleeis enthält es aber auch keine Zusatzstoffe. Die hellgelbe, kompakte Eiscreme schmecke „intensiv aromatisch und deutlich sahnig sowie sehr süß“, lautet das Urteil der Tester. Der Geschmack täuscht nicht. Das Häagen Dazs Eis hat auch die meisten Kalorien. Mit 254 Kilokalorien pro 100 Gramm schmeichelt es sich bei maßlosem Genuss direkt auf die Hüften.

Weniger Kalorien, günstiger und trotzdem noch mit befriedigend bewertet wurden die Eissorten von Rewe/ja! und Botterbloom. Die beiden Eissorten nennen sich erst gar nicht Vanilleeis, sondern Eis mit Vanille-Geschmack. Das ist ehrlich, denn nur Produkte, die Aroma aus der Vanilleschote enthalten, dürfen sich auch tatsächlich „Vanilleeis“ nennen. Im Vergleich zu synthetischem Aroma sei der Geschmacksunterschied deutlich bemerkbar, urteilen die Tester. Synthetisches Aroma erinnere eher an Vanillezucker.

Auch die Hauptzutaten des Speiseeises wurden im Test ausgewertet. Normalerweise gehören Milch, Molkenerzeugnisse, Glukosesirup und Zucker dazu, häufig auch Sahne sowie Pflanzenfett. Milchfett ist aus Ernährungssicht wertvoller, aber nur noch acht Hersteller setzen es ausschließlich ein. Manche kombinieren es mit Pflanzenfett und bei acht getesteten Produkten wurde es komplett durch billiges Palmkern- oder Kokosfett ersetzt.

Die mikrobiologische Qualität – also die Untersuchung auf Bakterien, Salmonellen oder Schimmelpilze – wurde ebenfalls geprüft. Fast alle Produkte schneiden hier mit gut oder sehr gut ab. Lediglich das Eis von Tofutti und von Penny/Rios bekommen hier ein „befriedigend“ und das Bioeis Naturice als einziges ein „ausreichend“.

Diese Ergebnisse spielen beim Vanilleeistest jedoch eine geringe Rolle. Die Prüfer haben bei den 22 Eissorten vor allem das Vanillearoma analysiert und zusätzlich zu dessen Qualität den Geschmack bewertet. Bei „mangelhafter“ Aromaqualität konnte das Test-Urteil nie besser, bei ausreichender Aromaqualität höchstens eine halbe Note besser ausfallen.

Etikettenschwindel ist also bei 19 von 23 getesteten Produkten der Grund für die sehr schlechte Bewertung von Vanilleeis in Haushaltspackungen. Wer damit leben kann, dass mit Bourbon-Vanille werbende Packungen nicht unbedingt das echte, teure Gewürz von den Bourbon-Inseln – dazu gehören La Réunion, die Seychellen, die Komoren, Madagaskar und Mauritius – enthält, der muss sich also noch lange nicht den Eis-Appetit verderben lassen.

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