Verbraucher : Heizöl und Benzin werden teurer

Noch profitieren die Autofahrer von der Finanzkrise. Doch Goldman Sachs erwartet bald höhere Preise für Rohöl.

Bernd Hops
Heizöl
Das Heizöl kommt. Mit Engpässen bei der Versorgung müssen Hausbesitzer nicht rechnen, sagen Experten. -Foto: ddp

Berlin - Die Verbraucher müssen sich im Winter auf einen deutlichen Anstieg der Preise für Heizöl und Benzin einstellen. Die US-Investmentbank Goldman Sachs hält nach Informationen des Tagesspiegel Notierungen für Rohöl von 90 bis 95 US-Dollar je Barrel (159 Liter) für möglich. Das wäre ein Plus von rund 30 Prozent gegenüber dem aktuellen Stand. Voraussetzung wäre aber zum einen, dass der Winter normal – also nicht so mild wie der vergangene – ausfallen wird, und zum anderen, dass die großen Ölförderländer ihre Produktion nicht erhöhen. Die Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) hatte bereits signalisiert, dass sie den Weltmarkt für ausreichend versorgt hält. In jedem Fall rechnen die Experten von Goldman Sachs damit, dass sich der Ölpreis auf absehbare Zeit über der Marke von 70 Dollar halten wird.

Christof Rühl, designierter Chefökonom des Ölkonzerns BP, schätzt die Lage weniger dramatisch ein. Preisprognosen seien im Moment kaum zu machen. Alles hänge davon ab, wie stark die Opec ihre Mitglieder bei der Fördermenge diszipliniert und wie die weiteren Effekte der aktuellen Finanzkrise sein werden, sagte Rühl dem Tagesspiegel.

In den vergangenen Wochen hatte es aus Sicht der Konsumenten recht gut ausgesehen. Der Preis für einen Liter Superbenzin lag an den Tankstellen zuletzt nach Angaben des Mineralölwirtschaftsverbands (MWV) bei rund 1,34 Euro – vor vier Wochen waren es fünf bis sechs Cent mehr. Der Ölpreis gab von 78 auf etwa 72 Dollar noch deutlicher nach, nur wurde der positive Effekt in Europa durch einen sinkenden Euro-Kurs etwas gedämpft.

Die Autofahrer wurden zu Profiteuren der Hypothekenkrise in den USA – denn die Investmentbanken zogen sich aus den Ölmärkten zurück und machten ihre Kontrakte zu Geld, um für mögliche Belastungen aus faulen Immobilienkrediten gewappnet zu sein. Die Zahl der Kontrakte, die auf steigende Preise spekulieren, sei deutlich zurückgegangen, hieß es bei Goldman Sachs. Doch nach Einschätzung der Rohstoff-Analysten dürfte das nur die Ruhe vor dem nächsten Anlauf nach oben sein. Sobald der Druck durch die Hypothekenkrise weg sei, würden die Ölpreise wahrscheinlich wieder steigen, teilten die Experten auf Anfrage dieser Zeitung mit.

Der direkte Zusammenhang wurde am vergangenen Freitag klar, als die US-Notenbank völlig überraschend die Zinsen senkte, um die Krise zu entschärfen. Sofort schossen die Preise für Ölkontrakte um einen Dollar in die Höhe.

„Die Kosten in der Ölindustrie steigen nach wie vor stark. Der Ölmarkt weist außerdem ein Defizit auf, so dass die Lagerbestände weltweit zurückgehen“, heißt es bei Goldman Sachs. „All das deutet darauf hin, dass wir weit entfernt sind von einem Umfeld für dauerhafte Preise von unter 70 Dollar.“

Rainer Wiek, Chefredakteur des Fachblatts Energieinformationsdienst (EID), sieht zwar auch „grundsätzlich hohe Preise“, denn die Weltkonjunktur sei stark. „Das bedeutet eine hohe Nachfrage nach Energie und damit nach Öl.“ Relativ gut stünden allerdings die Besitzer von Ölheizungen in Deutschland da, sagt Wiek. Zwar sei in den vergangenen Monaten sehr wenig Heizöl nachgefragt worden, doch die Tanks seien immer noch im Schnitt zu mehr als der Hälfte gefüllt.

Engpässe bei der Versorgung seien nicht zu erwarten, betont Barbara Meyer-Bukow vom Branchenverband MWV. Die Förderung in Ländern, die nicht Opec-Mitglieder sind, nehme zu. EID-Experte Wiek merkt zudem an, inzwischen hätten die Ölförderer auch insgesamt freie Kapazitäten von zwei bis drei Millionen Barrel – also 2,5 bis fast vier Prozent des Bedarfs – aufgebaut, die mögliche Ausfälle ausgleichen könnten. In den vergangenen Jahren war diese Reserve auf zwischenzeitlich eine Million Barrel geschrumpft.

Kaum eine Rolle spielt nach Einschätzung von Goldman Sachs bislang die Furcht vor möglichen Förderausfällen durch Hurrikane. Zwar seien für dieses Jahr drei bis sechs dieser tropischen Wirbelstürme vorausgesagt worden – doch habe es im vergangenen Jahr eine ähnliche Prognose gegeben, ohne dass es zu einem größeren Vorfall kam. Allerdings seien die USA wegen relativ geringer Vorräte an Ölprodukten wie Benzin anfällig, sollte es in Raffinerien zu Ausfällen durch Hurrikane kommen, schätzen die Analysten von Goldman Sachs. Auch BP-Ökonom Rühl geht davon aus, dass schlechte Hurrikan-Nachrichten die Märkte belasten würden.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben