Verbraucherportal Verivox : Welle von Gaspreiserhöhungen steht bevor

Ab April wird dem Deutschen Verbraucher erneut ins Portemonnaie gegriffen: Die Versorger heben die Gaspreise drastisch an. Vor allem Sachsen ist von dieser Preisrunde betroffen. Experten kritisieren das "Abkassieren" der Konzerne.

Gaspreise
Die Kosten für Gas steigen. -Foto: ddp

Frankfurt/MainAuf die deutschen Verbraucher kommt eine neue Welle von Gaspreiserhöhungen zu: Mindestens 182 Gasversorger in Deutschland heben ihre Preise im April und Mai um durchschnittlich 6,7 Prozent an. Dies hat das Verbraucherportal Verivox für die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" errechnet.

Besonders hart trifft es demnach Haushalte in Sachsen: Die Stadtwerke Reichenbach heben ihren günstigsten Tarif um 14,1 Prozent an. Für den Durchschnittshaushalt mit 20.000 Kilowattstunden Verbrauch steigt die Jahresrechnung um 186 Euro auf rund 1500 Euro. Wer sein Gas von der Freitaler Strom + Gas GmbH bezieht, muss nach Verivox-Berechnungen von April an sogar fast 1630 Euro im Jahr zahlen.

Ähnlich teuer sind neben den Stadtwerken in Pasewalk und Weißwasser nur noch die Stadtwerke Weißenbach in Bayern: Wenn der Gaspreis zum 1. April wie angekündigt um 13 Prozent steigt, berechnen die Stadtwerke ihren Haushaltskunden mehr als 1600 Euro im Jahr. "Die Aufmerksamkeit der Verbraucher ist zunehmend gefordert, da die große Preiswelle, über die alle Versorger informieren, ausbleibt. So muss jeder Verbraucher selbst prüfen, wann und wie sein lokaler Versorger die Preise erhöht", sagt Peter Reese von Verivox . Für immer mehr Verbraucher gebe es aber die Möglichkeit, den Gasversorger zu wechseln. "In den Markt kommt Bewegung. Je mehr Kunden wechseln, desto mehr günstigere Angebote wird es auch zukünftig geben."

Ölpreis-Bindung unzeitgemäß

Der Grund für die neue Preiswelle ist auf dem Ölmarkt zu finden. Der Ölpreis hat Mitte Oktober 2007 die 80-Dollar-Marke überschritten und ist zeitweise sogar auf 110 Dollar je Barrel (159 Liter) gestiegen. Der Gaspreis folgt mit etwa sechs Monaten Verzögerung dem Ölpreis, was sich jetzt in steigenden Preisen niederschlägt.

Diese Koppelung mache das Gas unnötig teuer, kritisiert Claudia Kemfert, Energieexpertin am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). "Die Konzerne kassieren durch die Kopplung des Gas- an den Ölpreis, die nicht mehr zeitgemäß ist, in ganz großem Stil ab." Gas müsste nach Kemferts Ansicht viel billiger sein: "Das Angebot ist so groß, dass der Preis bei einem Handel an der Börse 40 Prozent niedriger liegen könnte", sagt sie. Da der Ölpreis um die 100-Dollar-Marke pendelt, ist im Sommer mit weiteren Preiserhöhungen zu rechnen. Seit 2005 sind die Gaspreise in Deutschland schon um knapp 40 Prozent gestiegen, was viele Haushalte stark belastet und zu einer sozialpolitischen Diskussion um eine neue "Energiearmut" geführt hat. (ck/dpa)

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