Verbraucherschutz : Greenpeace findet Pestizide im Salat

Salate im Sortiment europäischer Supermärkte sind häufig mit hohen, teils gesundheitsgefährdenden Werten an Pestiziden belastet. Greenpeace zeigte einen Discounter an.

Nach einer neuen Greenpeace-Untersuchung von Kopfsalat und Rucola aus Supermärkten und Discountern sind 29 von 36 Proben mit Rückständen von Pestiziden belastet. Elf der 21 Kopfsalate und vier der zwölf Rucola-Proben aus konventionellem Anbau hält Greenpeace für "nicht empfehlenswert".

Die Umweltorganisation hat zudem Strafanzeige gegen Tengelmann erstattet. In den Supermärkten der Unternehmensgruppe fand sich Kopfsalat, in dem die Akute Referenzdosis (ARfD) eines Pestizids überschritten wurde. Die ARfD ist die Menge an Stoffen, die jeder ohne Bedenken pro Kilogramm Körpergewicht innerhalb eines Tages oder einer Mahlzeit zu sich nehmen kann. Der übermäßige Verzehr des untersuchten Kopfsalats kann daher insbesondere bei Kindern mitunter gesundheitsschädlich wirken.

Greenpeace-Mitarbeiter hatten im Januar in Supermärkten in Hamburg, Köln, Bonn, Dresden, München und im Frankfurter Raum Kopfsalate und Rucola gekauft. Die Proben überprüfte ein für die Untersuchung von Pestizidrückständen in Lebensmitteln zertifiziertes Labor auf mehr als 350 verschiedene Pestizidrückstände. Auffällige Befunde überprüfte ein zweites, ebenfalls für solche Analysen zertifiziertes Labor.

Dabei wurden auch Rückstände von Pflanzenschutzmitteln entdeckt, die in der EU nicht zugelassen sind, wie das als Nervengift wirkende Tolclofos-Methyl. Es wird als Fungizid eingesetzt, um Pilze und deren Sporen abzutöten. Neben italienischer Ware ist auch ein Kopfsalat aus Deutschland betroffen. Greenpeace fordert eine lückenlose staatliche Kontrolle für die Pestizid-Rückstände in Salaten. "Unser Test zeigt, dass nur ein Kopfsalat und drei Rucola-Proben aus konventionellem Anbau unbelastet sind. Das sind zu wenige", sagt Manfred Santen, Chemie-Experte von Greenpeace. "Im Winter sind Blattsalate Risikoprodukte: Sie werden in Treibhäusern zumeist überdüngt und stark gespritzt."

In drei Salatproben fanden sich Konzentrationen von Pestiziden, die gesetzlich zugelassene Höchstmengen überschreiten. Diese Ware darf eigentlich nicht verkauft werden. Besonders stark belastet waren Salate aus Italien und Belgien, deutsche und spanische Proben schnitten besser ab. Außerdem wurde Greenpeace bei Wirkstoffen fündig, die von der staatlichen Lebensmittelüberwachung nicht kontrolliert werden, wie das Fungizid Thiram in einem Salat aus den Niederlanden.

Zunehmend sei zu beobachten, dass mehrere verschiedene Pestizide bei Salaten eingesetzt werden, um die Überschreitung der Höchstmenge bei einem einzigen Stoff zu vermeiden. Diese "Cocktails" enthalten dann mehrere mitunter gesundheitsgefährdende Substanzen. "Auf einigen Salatblättern fanden sich bis zu 15 verschiedene Pestizide, bei Rucola sind es bis zu sechs", sagt Santen. Zudem enthalten viele Proben erhöhte Nitratwerte. Sofern sie der Körper in hoher Dosierung aufnimmt, können sich Nitrate in krebserzeugende Nitrosamine umwandeln. Dazu müssten allerdings große Mengen an belastetem Salat verzehrt werden.

Bio-Rucola ist laut der Analyse kaum belastet. Untersucht wurden drei Proben aus Italien, zwei waren mit einem Pestizid verunreinigt. Die Messwerte sind deutlich niedriger als in konventioneller Ware und liegen unter den für Bioprodukte empfohlenen Höchstmengen. Bio-Kopfsalate boten die Supermärkte im Untersuchungszeitraum nicht an. Da es zu Salaten aus Bioproduktion keine wirklich empfehlenswerte Alternative gibt, fordert Greenpeace den Handel auf, das Bio-Sortiment im Winter zu erweitern.

Die Testergebnisse hat Greenpeace auf seiner Internetseite veröffentlicht.

Quelle: ZEIT ONLINE, dpa

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