Verbraucherschutz : Ifo-Chef Sinn fordert Testsiegel für Konsumartikel

Verbindlichere Informationen und eine bessere Vertretung der Verbraucherinteressen fordert ifo-Chef Hans-Werner Sinn anlässlich der "Deutschen Verbrauchertags" am Montag. Unterstützung bekommt der Wirtschaftsforscher von der Grünen Renate Künast und Greenpeace-Chef Bode.

BerlinDer Chef des Wirtschaftsforschungsinstituts Ifo, Hans-Werner Sinn, ist dafür, dass Verbraucher beim Warenkauf bessere Informationen erhalten. Dem "Tagesspiegel am Sonntag" sagte Sinn im Vorfeld des "Deutschen Verbrauchertags", der diesen Montag erstmals in Berlin stattfindet, ein mögliches Gegenmittel gegen Informationsdefizite seien flächendeckende "Testsiegel auf der Basis wirklich umfassender Tests durch die Stiftung Warentest und ähnlicher Testinstitute". Die Stellung der Verbraucher sei ohnehin schon relativ schwach. "Die Produzenteninteressen sind politisch stets besser vertreten als die Verbraucherinteressen", sagte Sinn. Weil der Streitwert pro Kopf klein sei, seien Verbraucher "gegenüber den Industrielobbys auf der politischen Bühne hoffnungslos unterlegen".

Auch Renate Künast, Ex-Verbraucherministerin und derzeit Fraktionschefin der Grünen, plädiert für eine besser Aufklärung der Konsumenten. "Die Verbraucher sind viel stärker, als sie wahrhaben wollen. Man muss die Menschen nur besser informieren." Der steigende Absatz von Biolebensmitteln sei ein Zeichen für die Verbrauchermacht. "Verbraucher beeinflussen die Märkte", sagte Künast dem "Tagesspiegel am Sonntag".

Bode: "Proteste müssen sich auszahlen"

Skeptischer ist Thilo Bode. Der ehemalige Chef von Greenpeace und heutiger Leitender Verbraucherschutzorganisation Foodwatch sagte dem "Tagesspiegel am Sonntag": "Verbraucher schließen sich nur zusammen, wenn sie etwas davon haben." Verbraucher wollten nicht die Welt verbessern, der Protest müsse sich vielmehr auszahlen - in Euro und Cent wie beim Strom oder in gesundheitlich unbedenklichen Lebensmitteln wie bei der BSE-Krise. Der Widerstand falle umso leichter, je weniger Opfer nötig sind, sagt Bode. Um Biolebensmittel attraktiver zu machen, reicht es nach Meinung des Verbraucherschützers nicht aus, an das gute Gewissen der Käufer zu appellieren. Statt dessen sollte die Politik die Hersteller von konventionellen Produkten zwingen, für die von ihnen verursachten Umweltschäden einzustehen und die Kosten auf den Verkaufspreis aufzuschlagen. Würde man den Kohlendioxidausstoß berücksichtigen, der bei der Produktion von Dünger entstehe, seien Ökolebensmittel günstiger. "Die Agrarwende schafft man nicht durch Appelle, sondern durch Ökonomie", meint Bode.

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