Verbrauchherschutz : Ins Netz gegangen

Der Bundesverband der Verbraucherzentralen (VZBV) warnt vor skrupellosen Abzockangeboten im Internet. Versteckte Kostenfallen breiteten sich zurzeit rasant in der Online-Welt aus. Jährlich entstehe ahnungslosen Internetnutzern ein Millionenschaden.

Adrian Pickshaus
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Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Berlin -  „Wenn nichts passiert, können wir das Internet bald in World-Wide-Nepp umbenennen“, sagte VZBV-Chef Gerd Billen am Montag in Berlin. Der Bundesverband forderte gesetzliche Verschärfungen. In Ländern wie Frankreich seien diese bereits rechtskräftig. Dort müssten Anbieter – anders als in Deutschland – entstehende Kosten in einem separaten Textfeld anzeigen.

Viele Internetnutzer rechneten nicht damit, plötzlich für Dienste zahlen zu müssen, die es im Internet sonst kostenlos gebe, sagte Billen und nannte als Beispiel Software zum Herunterladen oder Kochrezepte zum Ausdrucken. Leichtgläubig tippten Surfer ihre persönlichen Daten in ein Textfeld, drückten per Mausklick einen Knopf – und schon hätten sie ein teures Online-Abonnement abgeschlossen. Kurze Zeit später komme die Rechnung, nicht selten würden Beträge in Höhe von 200 Euro gefordert. Zahlten die geprellten Netzsurfer nicht sofort, folgten in kurzem Abstand Mahnbescheide und sogar Drohungen von Inkassounternehmen, berichtete der Verbraucherschützer. Der VZBV rät Rechnungsempfängern, nicht zu zahlen, schriftlich Einspruch einzulegen und weitere Schreiben zu ignorieren.

Als besonders dreistes Beispiel nannte der VZBV die Internetseite opendownload.de. Die Betreiber-Firma Content Services Limited habe in nur einer Aprilwoche 170 000 Rechnungen zu je 96 Euro verschickt. Es sei davon auszugehen, dass dadurch rund 1,5 Millionen Euro an Gewinn erzielt worden seien, schätzt der Verband.

VZBV-Chef Billen forderte neben einer besseren Kennzeichnung kostenpflichtiger Angebote Sanktionen gegen Betreiber und Hintermänner von Kostenfallen zu verhängen: „Anwälten, die Mahnschreiben wie Postwurfsendungen verschicken, muss die Zulassung entzogen werden“, sagte Billen. Der VZBV stellte gemeinsam mit der Zeitschrift „Computerbild“ eine kostenlose Software vor, die Internetnutzer vor Abzockangeboten warnen soll. Das Programm warnt Besucher von Webseiten, auf denen sich Kostenfallen verstecken, mit roten Hinweisblöcken. Außerdem gibt es Links zu Gratisangeboten im Netz. Adrian Pickshaus

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