Verbraucher : Vermeidet Rutschpartien

Anja Kühne

DAS TESTURTEIL: 8 Punkte 0 Punkte: Hände weg und alle Bekannten warnen, 5 Punkte: Noch mal drüber schlafen, 10 Punkte: Sofort kaufen

Nichts stellt die Disziplin eines Langstreckenläufers so sehr auf die Probe wie der Winter. Kalter Wind beißt in die Oberschenkel und lässt die Lungen schmerzen. Die kurzen Tage zwingen zu Läufen im Dunkeln. Statt durch den Park geht es nun über Seitenstraßen. Von solchen Widrigkeiten werden sich passionierte Läufer jedoch niemals abhalten lassen. Kenner wissen: Wer sich überwindet, wird reich belohnt. Nach wenigen Schritten kommt Spaß am Kampf mit dem Wetter auf. Wieder zu Hause und unter der Dusche breitet sich ein Gefühl behaglicher Erschöpfung aus.

Nur Schnee ist mit Charakterstärke nicht beizukommen. Die Gummisohlen der Laufschuhe bieten auf verschneitem Grund keinerlei Halt. Das zwingt den Läufer zu extrem kleinen Schritten. Und um rechtzeitig besonders glatte Partien erspähen zu können, muss er den Blick angestrengt direkt vor sich auf den Boden richten. Dabei verspannt sich der Nacken. Der Dauerlauf wird zum Eierlauf.

Für dieses Problem hat die Sportindustrie eine Lösung gefunden: Spikes, die sich über den Laufschuh ziehen lassen. Die der Firma Freudenberg heißen „Spiky“. Spiky bestehen aus einem einteiligen schwarzen Gummi mit je vier kleinen Metallspikes auf Höhe des Ballens. „Spiky plus“ haben zusätzliche Spikes am Hacken. In verschiedenen Größen geliefert, lassen sich beide Modelle schnell an- und ablegen.

Die Trittsicherheit ist deutlich größer als ohne Spikes. Das erlaubt es dem Läufer, sich trotz der Glätte an seinen üblichen Laufstil und sein übliches Tempo anzunähern. Sogar auf leicht vereisten Partien bergauf oder bergab verbessern Spiky den Halt spürbar. Negative Eigenschaften sind auf Zehn-Kilometer-Läufen nicht zu bemerken. Das Gummi sitzt nicht so fest, als dass es den Fuß abschnüren würde. Auch sind Spiky so leicht und flexibel, dass sie sich auf schneefreien Wegabschnitten in den Taschen der Laufjacke verstauen lassen.

Selbst wenn Glätte in diesem Winter noch kein großes Thema war: Der nächste Schnee kommt bestimmt. Spiky gehören deshalb zur Standardausrüstung – durchaus auch von Walkern oder Spaziergängern (um die passende Größe zu finden, empfiehlt es sich, die Spikes im Laden anzuprobieren).

Eine schlechte Eigenschaft haben Spiky aber leider doch. Ihr Gummi entfaltet einen unangenehmen Geruch. Für Sportler, die Spiky nicht in einen Winkel ihres Heizungskellers verbannen können, wirft das die Frage der Aufbewahrung auf. Möglicherweise muss man sich für Spiky eigens eine luftdicht verschließbare Dose zulegen. Angesichts ihrer Ausdünstungen und der letztlich einfachen Machart von Spiky liegt der Preis mit 20 Euro an der Obergrenze.

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