Verspätungen : Bahnkunden werden vorerst nicht entschädigt

Auch die EU konnte sich nicht auf allgemeine Vorschriften für die Entschädigung von Bahnkunden bei Verspätungen von Zügen einigen. Frühstens 2024 können Reisende mit Entschädigungen bei mehr als einer Stunde Wartezeit rechnen.

Bahn Verspätung
Bahnkunden dürfen frühestens 2024 mit einem Recht auf Entschädigung bei Verspätungen rechnen. -Foto: ddp

StraßburgBahnreisende in der EU sollen künftig Entschädigungen erhalten, wenn ein Fernzug mehr als eine Stunde Verspätung hat. Es kann aber bis zum Jahr 2024 dauern, bis diese Vorschrift in die Praxis umgesetzt wird. Darauf einigten sich nach zähen Verhandlungen Vertreter des Europaparlaments, der 27 Mitgliedsländer und der EU-Kommission in Straßburg. Das so genannte 3. Eisenbahnpaket sieht zudem vor, dass beim grenzüberschreitenden Personenzugverkehr ab 2010 die staatlichen Monopole fallen. Die EU-Staaten müssen ihre Bahnnetze dann Anbietern aus anderen Mitgliedsländern öffnen.

Die geplanten Entschädigungen betreffen den internationalen und nationalen Fernverkehr. Bei mehr als einer Stunde Verspätung müssen die Unternehmen ihren Kunden 25 Prozent des Fahrpreises zurückzahlen, bei mehr als zwei Stunden die Hälfte. Nicht zuletzt auf Druck der Bahnunternehmen wurde den Mitgliedsländern für die Umsetzung dieser Vorschriften eine Übergangsfrist von bis zu 15 Jahren eingeräumt. Diese Frist gilt ab Inkrafttreten der Richtlinie im Jahre 2009. Die Forderung des Europaparlaments, auch im öffentliche Regional- und Nahverkehr einen Erstattungsanspruch zu schaffen, lehnten die Verkehrsminister ab.

Bürgerinteressen untergeordnet

Die Regierungen hätten "das Anliegen der Bürger den Interessen ihrer Bahnunternehmen untergeordnet", bedauerte der Hamburger Europaabgeordnete Georg Jarzembowski (CDU), einer der Berichterstatter des Parlaments. Nach Angaben des belgischen Liberalen Dirk Sterckx wehrten sich vor allem die neuen Mitgliedsländer in Osteuropa mit ihren oft völlig überalteten Bahnnetzen gegen weiterreichende Erstattungsansprüche. Außerdem hätten Eisenbahngesellschaften massiv gegen die Pläne mobil gemacht. "Staatliche Eisenbahnunternehmen haben die Bedeutung ihrer Fahrgäste - oft Beförderungsfälle genannt - noch immer nicht erkannt", kritisierte der deutsche Grüne Michael Cramer.

Das 3. Eisenbahnpaket, das außerdem einheitliche Standards bei der Ausbildung von Zugführern und einen EU-weit gültigen Lokführerschein vorsieht, muss nun noch formal von Rat und Europaparlament abgesegnet werden. Deutschland will das Vorhaben noch während seiner im Juni auslaufenden EU-Präsidentschaft unter Dach und Fach bringen. (mit AFP)

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