Verbraucher : „Viele Leute werden jetzt wach“

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Herr Wawro, kommen jetzt häufiger Mandanten mit Fragen zur Erbschaftssteuer zu Ihnen?

Ja, viele Leute werden jetzt wach. Und das ist auch gut so. Denn im Erbschaftssteuerrecht wird sich einiges ändern. Die Bundesregierung ist am Ball und wird demnächst einen Gesetzentwurf vorlegen. Außerdem wird jetzt bald das Bundesverfassungsgericht entscheiden. Die Richter schieben ihre Entscheidung seit Jahren vor sich her, zum Jahresende hin ist mit einem Urteil ziemlich sicher zu rechnen.

Und dann?

Für Immobilienbesitzer wird die Situation danach sicherlich schlechter. Bisher werden Immobilien steuerlich nur mit 60 bis 70 Prozent des Verkehrswertes veranschlagt. Nach dem Urteil werden es sicherlich um die 90 Prozent sein.

Warum nicht 100 Prozent?

Dann müsste in jedem Fall ein Sachverständiger kommen und die Immobilie aktuell bewerten. Das wäre zu aufwändig und zu teuer.

Wer sollte jetzt zum Notar gehen?

Für viele Menschen, die ein Haus oder eine Wohnung erben oder geschenkt bekommen, wird die Sache teurer. Wer also ohnehin darüber nachdenkt, seinen Nachkömmlingen oder anderen nahe stehenden Personen später eine Immobilie zu übertragen, sollte jetzt in die Gänge kommen und eine Schenkung umsetzen. Es besteht die Möglichkeit, solche Übertragungen mit einer Widerrufsklausel auszustatten.

Würde denn das Bundesverfassungsgerichts-Urteil ab sofort gelten?

Das wäre möglich, wenn das Gericht die Regelung im Erbschaftssteuerrecht für verfassungswidrig erklären würde. Ich glaube aber eher, dass die Richter dem Gesetzgeber eine Frist setzen werden, innerhalb derer eine Neuregelung erfolgen muss. Eines ist aber sicher: Wer jetzt zum Notar geht, hat nichts zu befürchten. Eine Rückwirkung ist nicht möglich.

Ändert sich auch etwas für Menschen, die keine Immobilien haben?

Wer einen Betrieb erbt, kann künftig sogar günstiger dastehen als heute. Die Regierung plant ja, künftig gar keine Erbschaftssteuer mehr zu erheben, wenn der Erbe den Betrieb zehn Jahre lang weiterführt und die Arbeitsplätze erhält.

Die SPD will die Steuern für große Erbschaften erhöhen. Ist das praktikabel?

Nein. Reiche habe ihr Vermögen meist auf verschiedene Werte aufgeteilt und sind flexibel. Sie können ihr Vermögen leichter ins Ausland verlagern als das etwa ein Arbeitnehmer tun könnte, dessen ganzes Erspartes im Einfamilienhaus in Spandau steckt.

Das Interview führte Heike Jahberg

Wolfgang Wawro

arbeitet als Steuerberater in Berlin. Er ist Präsident des Steuerberaterverbandes Berlin-Brandenburg und Mitglied im Vorstand des Deutschen Steuerberaterverbandes.

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