Verbraucher : Viele müssen vorzeitig aufgeben

Wer krank ist und nicht mehr arbeiten kann, bekommt nur eine kleine Rente – private Absicherung ist ratsam

Carsten Brönstrup

Nicht immer ist die Frührente für Arbeitnehmer ein Traum. Wer erkrankt oder in einen Unfall verwickelt wird, muss womöglich unfreiwillig beruflich kürzer treten oder ganz auf den Job verzichten. Verbunden ist das meist mit hohen finanziellen Einbußen – es sei denn, es gibt eine private Berufsunfähigkeitsversicherung. Im Schnitt wird jeder vierte Arbeitnehmer vorzeitig berufs- oder erwerbsunfähig. Doch nur ein Bruchteil verfügt über die nötige Absicherung, heißt es bei der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz.

Die geplante Erhöhung des Rentenalters auf 67 Jahre wird das Problem noch verschärfen. Vor allem körperlich Arbeitende werden kaum ohne Probleme durchhalten, befürchten Politiker vor allem aus der SPD. Sie prüfen deshalb neue Möglichkeiten für Ältere, eine Erwerbsunfähigkeitsrente zu beziehen. Das, befürchten Ökonomen, würde aber zu einer neuen Welle von teuren Frühverrentungen führen – genau dem wollte der Bund aber mit einer Reform im Jahr 2000 einen Riegel vorschieben.

Mit Teil-Rente kann seither nur rechnen, wer in Folge einer Krankheit oder Behinderung nicht einmal mehr sechs Stunden am Tag eine Arbeit erledigen kann (siehe Kasten). Dabei kommt es nicht darauf an, dass noch eine Tätigkeit im einst erlernten Job möglich ist. Manager etwa, die zum Beispiel noch als Pförtner arbeiten können, bekommen keine Rente bewilligt. Die volle Erwerbsminderungsrente (im Schnitt rund 700 Euro im Monat) gibt es erst, wenn jemand keine drei Stunden am Tag mehr arbeiten kann. Eine Sonderregel gilt nur für Bürger, die vor 1961 geboren wurden: Sie bekommen bereits Geld, wenn sie im erlernten Beruf keine sechs Stunden mehr arbeiten können. Für Jüngere gibt es ein zusätzliches Handicap: Sie haben erst Anspruch auf Unterstützung, wenn sie fünf Jahre gearbeitet und davon drei Jahre Rentenbeiträge gezahlt haben.

Verlässlicher ist deshalb der Abschluss einer privaten Berufsunfähigkeitsversicherung. Dabei zahlt der Kunde bis zum Rentenalter an das Unternehmen – ohne dass er allerdings nach Ablauf des Vertrages Geld herausbekommt, wenn er gesund bleibt. Gekoppelt wird die Versicherung meist mit einer Risiko-Lebensversicherung, möglich ist aber auch der Abschluss eines Einzelvertrags.

Der Markt ist allerdings schwer zu überblicken: Um die 100 Assekuranzen haben Tarife im Angebot. Die Beitragshöhe richtet sich nach dem Beruf des Kunden: Wer sein Geld als professioneller Musiker oder Fluglotse verdient – und damit ein hohes Risiko hat, berufsunfähig zu werden – muss mehr zahlen als ein Apotheker oder eine Sekretärin, ein Allergiker mehr als ein Kerngesunder. Die Unternehmen unterteilen die Berufe in vier Risikoklassen. Die Stiftung Warentest hat 2005 in einer Untersuchung ermittelt, dass etwa Industriemechaniker mit einer Belastung zwischen 430 und 1650 Euro pro Jahr rechnen müssen, wenn sie im Fall des Falles eine Rente von 1000 Euro beziehen wollen.

„Generell gilt: Man sollte so früh wie möglich abschließen“, sagt Susanne Meunier, Versicherungsexpertin bei der Stiftung Warentest. Je jünger und gesünder der Kunde, desto einfacher bekomme er einen Vertrag zu einem akzeptablen Preis. Zudem empfehlen Experten, möglichst das derzeitige Nettoeinkommen zu versichern – schließlich wollen laufende Kredite weiter bedient, die Familie weiterhin versorgt werden. Einige Versicherer lassen sich allerdings nicht auf die volle Absicherung ein, sondern bewilligen nur zwei Drittel oder drei Viertel. Wichtig: Der Versicherer muss in seinen Vertragsbedingungen auf die so genannte „abstrakte Verweisung“ verzichten – sonst kann er die Zahlung verweigern und vom Kunden fordern, sich um einen anderen Job zu kümmern. Dann war die ganze Versicherung zwecklos.

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