Verbraucher : Vorsicht vor Wackelkandidaten

Wenn sich Fahrräder am Auto selbstständig machen, drohen gefährliche Unfälle. Dachgepäckträger sind besonders riskant

Alexander Visser

Die Deutschen lieben ihr Fahrrad: 2,25 Millionen Deutsche verbrachten im Jahr 2003 einen mehrtägigen Urlaub im Sattel, 12,5 Prozent mehr als im Vorjahr. Um ins Grüne zu kommen, packen viele Radler ihr Sportgerät auf das Auto. Doch wer sein Rad mit dem Pkw transportieren will, sollte die Befestigung mit Bedacht auswählen. Denn, so hat die Stiftung Warentest in einem Test ermittelt, die Fahrradträger sind nicht ungefährlich. Vor allem bei Dachgepäckträgern können die Fahrräder bei Auffahrunfällen auf die Straße krachen und den Verkehr gefährden. Träger, die am Heck oder auf der Anhängerkupplung befestigt sind, schnitten im Härtetest besser ab.

Die höhere Gefährdung durch Dachgepäckträger führten die Tester auf die Grundträger zurück, die mit Haltern zum Transport von Booten, Skiern oder eben Fahrrädern aufgerüstet werden. Weil die Sicherheit vor allem von der Qualität der Grundträger abhängt, hat Stiftung Warentest auf Gesamtnoten für die Fahrradträger verzichtet (siehe Kasten).

Wichtigstes Kriterium für eine gute Gesamtnote war die Fahrsicherheit. Die Räder wurden an einem VW Passat Variant befestigt. Die Prüfung erfolgte in Stresssituationen: Bei einer Vollbremsung aus 80 Stundenkilometern, auf Straßen mit Kopfsteinpflaster, Bodenwellen und Schlaglöchern. Bei einer Slalomfahrt wurde die Seitenstabilität überprüft. Dabei wurde der sichere Halt auf dem Träger sowie eventuelle Schäden an Auto oder Fahrrad überprüft.

Heckträger werden an der Heckklappe befestigt oder stützen sich bei Stufenhecklimousinen an Kofferraum und Stoßfänger ab. Im Fahrtest erwiesen sie sich im Vergleich zu Kupplungsträgern als stabiler. Sie sind günstig, für gut 200 Euro finden Fahrradfans passable Modelle. Auch die Montage erwies sich im Test selten als Problem. Beim Aufpralltest bewährten sich die Heckträger recht gut. Nur beim Eufab Jumbo segelten die Räder über das Auto. Zudem lastet der Jumbo, wie auch der Eckla Porty, auf dem Heckfenster, was bei einem Crash dazu führt, dass die zersplitternde Scheibe die Insassen gefährdet.

Kupplungsträger werden mit einem Adapter auf der Kupplungskugel befestigt. Wer über den Kauf einer solchen Befestigung nachdenkt, muss einiges beachten. Die Träger müssen Rückleuchten und Kennzeichen haben und brauchen eine allgemeine Betriebserlaubnis, die der Fahrer stets mit sich führen muss. Ob Kupplung und Träger zusammenpassen, sollte unbedingt vor dem Kauf überprüft werden: Nicht jede Kupplung ist für jeden Fahrradträger zugelassen und geeignet.

Bei der Test-Slalomfahrt gerieten die Kupplungsträger ins Taumeln. Nur Schaumstoffschutz bewahrte den Autolack vor Kratzern. Das Sicherheitsrisiko hielt sich zwar in Grenzen, da sich der Träger nicht vom Auto löste. Aber nachfolgende Fahrer können durch das Geschaukel irritiert werden. Beim Crashtest bei 30 Stundenkilometern erwiesen sich die Kupplungsträger als sehr stabil. Allerdings sind sie teurer als die alternativen Befestigungen: Das als Einziges mit einem „gut“ ausgezeichnete Modell Thule Euro Classic war mit einem mittleren Preis von 425 Euro der teuerste Träger.

Wem das zu teuer ist, muss nicht zu einem Träger mit schlechteren Testwerten greifen oder auf ein Leihfahrrad umsteigen. Schließlich gibt es eine günstige Variante zum Autotransport: Die Bahn verschickt Fahrräder von Bahnreisenden für 29 Euro als Kuriergepäck an den Urlaubsort voraus. Auch Versandfirmen verschicken Fahrräder für unter 50 Euro.

Beliebt ist auch die persönliche Mitnahme des Rades: Im Jahr 2003 wählten 42 Prozent der Radtouristen die Bahn für die Rückreise von ihrer Tour. Im InterCity kostet die Mitnahme sechs Euro. Allerdings kritisiert der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC), dass die Bahn immer weniger Möglichkeiten zur Fahrradmitnahme anbietet. Alternativ bieten können in vielen Urlaubsregionen Fahrräder vor Ort gemietet werden. „Die Preise sind sehr unterschiedlich, von drei bis 20 Euro finden sie alles“, sagt Bettina Cibulski vom ADFC.

Wo nur selten ein Zug vorbeifährt und kein Verleiher zu finden ist, bleibt das Auto attraktiv. Tröstlich für Autofahrer: Selbst, wenn mal was schief geht und das Rad auf der Straße landet, sind sie gegen die Schäden abgesichert: „Die Auto-Haftpflichtversicherung deckt die Kosten selbst dann ab, wenn der Träger nicht optimal am Fahrzeug befestigt war“, sagt Klaus Brandenstein vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft. Gegen Diebstahl sind Radler nur über eine spezielle Fahrrad-Police versichert. Für Radler, die oft mit dem Auto unterwegs sind, lohnt sich das: Nicht alle Träger haben einen Diebstahlschutz.

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