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Warnstreiks : Beeinträchtigungen fast nur im Fernverkehr

Die bundesweiten Warnstreiks haben in Berlin und Brandenburg nur zu kleineren Problemen im Regionalverkehr geführt. Am Nachmittag kann es aber zu Beeinträchtigungen im Fernverkehr kommen.

C. Brönstrup,M. Matern,R. During
Bundesweite Warnstreiks bei der Bahn: Der Berliner Regionalverkehr war am frühen Morgen noch nicht betroffen. Doch Fernzüge nach Berlin durchaus, wie hier in Köln.
Bundesweite Warnstreiks bei der Bahn: Der Berliner Regionalverkehr war am frühen Morgen noch nicht betroffen. Doch Fernzüge nach...Foto: dpa

Tausende Bahnfahrer sind wegen eines bundesweiten Warnstreiks an diesem Dienstag von Zugausfällen und Verspätungen betroffen. Auch in der Region Berlin-Brandenburg waren Arbeitskämpfe für mehrere Stunden angekündigt. Die blieben aber weitgehend aus. Regionalzüge hatten teilweise fünf bis zehn Minuten Verspätung, überwiegend blieb es am Morgen aber ruhig. Die Region Berlin-Brandenburg war, wie von den Gewerkschaften angekündigt, kein Schwerpunkt der Arbeitsniederlegungen.

Einzig der R2 zwischen Cottbus und Berlin-Südkreuz wurde zeitweise bestreikt, wodurch es zu größeren Verspätungen kam. Die Bahn setzte auf der Strecke Busse ein. Derzeit normalisiere sich der Regionalverkehr bereits wieder, sagte ein Bahnsprecher.

Im Fernverkehr waren bis zum Mittag 14 ICE nach Berlin streikbedingt um bis zu 130 Minuten verspätet. Besonders stark betroffen war die Strecke aus Köln/Bonn, aber auch Züge aus Aachen, Basel, Darmstadt/Frankfurt, Karlsruhe, Koblenz, München, Stuttgart und Trier erreichten die Hauptstadt nur mit Verspätung. Dazu kamen ein ICE aus Köln/Düsseldorf und ein IC aus Dortmund mit Weiterfahrt zum Ostseebad Binz, bei denen als Grund der Verspätung Notarzteinsätze an der Strecke genannt wurden.

Mit der Beendigung der Streiks in Süd- und Westdeutschland begann sich die Situation mittags wieder zu normalisieren. Aufgrund des verspäteten Eintreffens der Züge in Berlin, wo sie zum Teil vor der nächsten Fahrt im ICE-Werk Rummelsburg gewartet werden, wurde für den Nachmittag noch mit Verspätungen bei Abfahrten von den Berliner Bahnhöfen gerechnet. Für den ICE nach Basel wurde ein IC als Ersatzzug eingesetzt.

Viele Reisende hatten sich auf die Streiksituation eingestellt und waren von den Regionalzügen auf die S-Bahn, andere Verkehrsmittel oder den eigenen Pkw gewechselt, sagte Bahnsprecher Burkhard Ahlert. Die Berliner S-Bahn war von den Arbeitskampfmaßnahmen nicht betroffen und verzeichnete ein verstärktes Passagieraufkommen. Mit mehr Zügen konnte man der wegen des andauernden Reparaturbedarfs beim Wagenpark nicht reagieren. „Wir haben alles im Einsatz was läuft“, so Ahlert.

Streiks bei der Bahn
Auch noch am Abend machen die Streikenden ihre Position deutlich. Hier in Frankfurt.Weitere Bilder anzeigen
1 von 15Foto: dapd
26.10.2010 22:36Auch noch am Abend machen die Streikenden ihre Position deutlich. Hier in Frankfurt.

Die Mitarbeiter der Ostdeutsche Eisenbahn GmbH (ODEG) beteiligten sich nicht am Streik. Ein Sprecher sprach von nur geringen Auswirkungen des Streiks auf den Betrieb. Zwischen vier und sieben Uhr habe es zum einen auf der Strecke von Berlin-Lichtenberg nach Werneuchen eine Unterbrechung gegeben - zwischen Ahrensfelde und Lichtenberg mussten die Kunden auf die S-Bahn umsteigen. Auf der Strecke von Lichtenberg nach Frankfurt (Oder) hätten die Züge die Haltestelle Hohenschönhausen nicht ansteuern können, deshalb habe sich die Fahrzeit um einige Minuten verlängert. Bei der Niederbarnimer Eisenbahn, die von Berlin nach Groß Schönebeck sowie nach Kostrzyn fährt, gab es einer Sprecherin zufolge keine spürbaren Auswirkungen. Ansonsten blieb es auch in der Berliner Umgebung weitgehend ruhig.

Die Bahngewerkschaften Transnet und GDBA hatten ihre Mitglieder am Montag zu Aktionen bei der Bahn und ihren Konkurrenten aufgerufen. Grund sind festgefahrene Verhandlungen über ein einheitliches Bezahlniveau in der Branche. Sollte es in den kommenden Tagen keine Bewegung in dem Konflikt geben, sind weitere Streiks möglich.

Die Deutsche Bahn hatte an die Gewerkschaften appelliert, auf die Warnstreiks zu verzichten und ein Schlichtungsverfahren zu beginnen.

Der Ausstand hat am frühen Dienstagmorgen begonnen, sollen aber nur bis zum Vormittag dauern. „Erhebliche Störungen im gesamten Schienenverkehr“ seien zu erwarten, teilten die Gewerkschaften mit. Nicht nur der Regionalverkehr ist betroffen, den vor allem Pendler nutzen, sondern auch die IC- und ICE-Züge.

Hintergrund ist die Forderung der Gewerkschaften nach einem Branchentarifvertrag. Er soll garantieren, dass die Privatbahnen Veolia, Keolis, Benex, Arriva, Abellio und die Hessische Landesbahn ihren 10 000 Beschäftigten vergleichbar hohe Löhne zahlen wie bei der Bahn üblich. So wollen die Arbeitnehmer verhindern, dass es im Regionalverkehr einen Wettbewerb vor allem über die Personalkosten gibt. „Es kann und darf nicht sein, dass Kolleginnen und Kollegen für die gleiche Arbeit teilweise bis zu 20 Prozent weniger Lohn bekommen“, bemängelten die Gewerkschaftschefs Alexander Kirchner und Klaus-Dieter Hommel. Die Verhandlungen laufen seit Juli. Zuletzt hatten die Privatbahnen ein Angebot vorgelegt, das nach Gewerkschaftsangaben um 15 bis 20 Prozent unter dem Niveau der Bahn liegt. Die Privaten sehen die Differenz bei zehn Prozent. Zuletzt hatte es 2007 Bahnstreiks gegeben, damals ging es um mehr Geld für die Lokführer.

Ulrich Weber, Personalvorstand der Bahn, kritisierte die angekündigten Warnstreiks als „unbegründet und kontraproduktiv“. Die Bahn habe sich intensiv um eine Einigung bemüht. Für die Privatbahnen sagte ein Sprecher: „Wir haben kein Verständnis.“ Die Privaten hätten sich in den Verhandlungen „wirklich weit bewegt“. Die Bahn und ihre privaten Konkurrenten regten eine Schlichtung an.

Die Privaten kündigten an, nach Möglichkeit Ersatzbusse fahren zu lassen. Der Staatskonzern will mehrere hundert zusätzliche Mitarbeiter einsetzen, um die Auswirkungen des Streiks in Grenzen zu halten. Wer seine Reise nicht antreten könne, habe die Möglichkeit zum kostenlosen Umtausch der Fahrkarten. Außerdem könnten Reisende ohne Aufschlag von Regional- auf Fernzüge ausweichen. Die Bahn empfahl ihren Kunden, sich vor Reisebeginn unter der Telefonnummer 08000-99 66 33 über die aktuellen Auswirkungen des Streiks zu informieren.

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