Verbraucher : Wegweisende Handys

Mobile Lösungen sind eine preiswerte Alternative zu fest installierten Navigationssystemen. Doch sie sind weniger komfortabel

Corinna Visser

Berlin - „Losfahren!“ – so lautet der harsche Befehl auf dem Handydisplay. Gerade hat man das Mobiltelefon sorgsam mit Informationen gefüttert und ist froh, dass das Navigationssystem nun endlich weiß, wo man ist und wo man hin will, da kommt die knappe Aufforderung doch etwas lieblos daher. Versöhnlicher stimmt dann die freundliche Frauenstimme, die über den Handylautsprecher mitteilt: „Demnächst bitte links abbiegen.“ Irritierend nur, dass sie so schnell ihre Meinung ändert. Noch bevor die Kreuzung erreicht ist, weist sie an: „Jetzt bitte rechts abbiegen.“ Doch nach dem Abbiegen zeigt sich der „Falk Activepilot“ gut orientiert und meldet schließlich triumphierend: „Ziel erreicht.“

Navigationssysteme im Auto – früher ein Luxus und allenfalls für vielfahrende Außendienstmitarbeiter eine ökonomisch vertretbare Anschaffung – sind zu einem beliebten Zubehör geworden. Längst kann man Fahrzeuge auch nachrüsten. Einige hundert bis mehrere tausend Euro kosten die Systeme dennoch. Die Stiftung Warentest hat Navigationssysteme getestet. Sieger war das Radio-Navigationsgerät „VDO Dayton MS 4150 RS“ zum Nachrüsten. Preis: circa 700 Euro plus Einbau. Das Gerät hatte mit Abstand die beste Navigationsleistung, bot aber nach dem Urteil der Tester nur eine befriedigende Handhabung.

Wem Einbaugeräte zu teuer sind oder wer öfter das Auto wechselt, kann auf mobile Navigationssysteme zurückgreifen. Die gibt es zum Beispiel für das Handy oder kleine Taschencomputer (PDA). Sie sind meist deutlich günstiger als Einbaugeräte. Ein PDA hat im Vergleich zum Handy den Vorteil eines größeren Displays. Hier kann man auf der Karte verfolgen, wo man sich mit dem Auto gerade bewegt. Die Frage ist jedoch, ob es sich lohnt, allein hierfür einen PDA zu kaufen, wenn man ihn sonst nicht braucht. Von der Funktionsweise unterscheiden sich Handy- und PDA-Systeme nicht. Fest installierte Navigationssysteme erlauben dagegen eine präzisere Ortung, da sie sich nicht nur auf die Standortbestimmung durch den Satelliten (GPS, siehe Kasten) verlassen, sondern sowohl Daten vom Tachometer als auch Richtungsänderungen des Autos über einen eingebauten Kompass berücksichtigen. Dafür kann man mobile Systeme mitnehmen. Der Activepilot etwa hat eine Parkplatz-Funktion. Mit ihr findet man zu Fuß den Weg zurück zum Auto auch in einer fremden Stadt.

Die Warentester gaben dem Activepilot dennoch nur das Gesamturteil ausreichend. Nicht nur weil die Installation auf dem Handy umfassende Kenntnisse der Mobiltelefonfunktionen verlange, auch die Abbiegehinweise kämen oft zu spät. Das zeigte sich auch im persönlichen Test. Das System kündigt zwar lange vorher mündlich und per Pfeil auf dem Display an, dass man „demnächst“ rechts abbiegen muss, doch bei der Ansage „jetzt bitte rechts abbiegen“ ist man an der Kreuzung oft schon vorbeigefahren. Das System lässt sich aber nicht frustrieren und bestimmt umgehend eine neue Route.

Die Daten für die Route bekommt der Activepilot, der auf verschiedenen Handymodellen von Siemens, Nokia oder Sony- Ericsson installiert werden kann, aus dem Internet. Dort ist das Kartenmaterial hinterlegt. Per GPS wird laufend der Aufenthaltsort bestimmt, die Routenanfrage und die Navigationshinweise werden per Mobilfunk mit der schnellen Übertragungstechnik GPRS verschickt. Das Navigationssystem im Netz berücksichtigt bei der Routenberechnung auch die aktuelle Verkehrslage und kann den Fahrer an Staus und Baustellen vorbeileiten.

Während man bei eingebauten Systemen hohe Anschaffungskosten hat, das System danach aber ohne weitere Kosten nutzen kann, bezahlt man bei den mobilen Systemen einen festen Preis pro abgefragter Route plus die Gebühren für die Datenübertragung per GPRS. Der Preis für die Datenübermittlung richtet sich nach dem jeweiligen Mobilfunkvertrag. Nach Angaben von Talkline kostet die Datenübertragung für eine Strecke von 100 Kilometern im Schnitt 30 Cent. Talkline hat gerade gemeinsam mit Siemens ein neues Navigationssystem fürs Handy auf den Markt gebracht, das derzeit ADAC-Mitgliedern für 139 Euro angeboten wird. Der Vertrag kostet 9,95 Euro Grundgebühr im Monat plus eine Navigationspauschale von ebenfalls 9,95 Euro im Monat (1000 Routen inklusive). Ab Anfang Februar will Talkline das Produkt auch an Nicht-ADAC-Mitglieder verkaufen. Mobilcom bietet den Activepilot bei Abschluss eines Vertrages mit dem Siemens-Handy M65 oder dem Nokia 6230 für einen Euro an. Pro Route werden neben den Kosten für die Datenübertragung noch einmal 1,49 Euro fällig.

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