Verbraucher : Wenn nichts mehr klimpert

Zigarettenautomaten akzeptieren künftig kein Bargeld. Geldkarten können aber noch mehr

Henning Zander

Fast alle haben sie wie Bargeld im Portemonnaie, aber kaum jemand nutzt sie: die Geldkarte. Auf mehr als 70 Prozent aller EC- und Kundenkarten ist der kleine Chip integriert. Doch nur ein Prozent der Geldkarten-Inhaber macht regelmäßig von ihr Gebrauch. Das könnte sich bald ändern: Vom 1. Januar 2007 an wird die Karte massenhaft eingesetzt. Dann nämlich müssen Raucher mit der Geldkarte an 400 000 Zigarettenautomaten in Deutschland nachweisen, dass sie mindestens 16 Jahre alt sind.

Die Branche hofft, dass das vernachlässigte Zahlungsmittel zehn Jahre nach seiner Einführung endlich bekannter wird. Denn die Geldbörse aus Plastik ersetzt nicht nur beim Zigarettenkauf das lästige Kleingeld. An insgesamt 600 000 Akzeptanzstellen unterschiedlicher Art kann die Karte eingesetzt werden – an Fahrkarten- oder Briefmarkenautomaten, in Parkhäusern, an der Theaterkasse und öffentlichen Telefonen.

„Wir sind uns sehr sicher, dass mehr Menschen die Karte nutzen werden und auch die Beträge steigen werden, die sie über die Karte ausgeben“, sagt Volker Koppe. Er ist Vorsitzender der Initiative Geldkarte, einem Verein, in dem sich Banken organisiert haben, um die Geldkarte als Zahlungsmittel zu fördern – bislang mit wenig Erfolg. „Im Einzelhandel spielt die Geldkarte im Augenblick keine Rolle. Es gibt kaum einen Händler, bei dem man mit ihr bezahlen könnte“, sagt Ulrich Binnebößel, Spezialist für Zahlungssysteme vom Hauptverband des deutschen Einzelhandels (HDE). Wo keine Nachfrage ist, ist auch kein Angebot.

Der Geldkartenchip, der auf den meisten EC- oder auch Maestro-Karten schon drauf ist, ohne dass der Besitzer ihn ausdrücklich angefordert hat, kann am Geldautomaten oder speziellen Ladeterminals mit bis zu 200 Euro aufgefüllt werden. Beim Bezahlen ist eine Persönliche Identifikationsnummer (PIN) nicht notwendig. Der Inhaber der Karte bleibt bei allen Transaktionen anonym. Für die Benutzung der Zigarettenautomaten ist lediglich das Alter abgespeichert.

„Geldkarten funktionieren wie Bargeld“, sagt Erik Schaarschmidt, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Brandenburg. „Wenn sie geklaut werden, kann jeder das Geld sofort ausgeben.“ Es ist nicht möglich, die Geldkarte bei Diebstahl zu sperren. „Allerdings kann auch von Vorteil sein, dass nur der Betrag der Geldkarte verloren ist und nicht das ganze Konto abgeräumt werden kann“, sagt Schaarschmidt.

Die Vorteile der Geldkarte sollen künftig durch erweiterte Funktionen deutlich werden. Auf dem Chip lassen sich nicht nur Altersangaben oder Geld speichern. Auch als papierlose elektronische Eintrittskarte kann die Karte in Zukunft verwendet werden. Internetnutzer können so auch noch in letzter Minute eine Konzert- oder Theaterkarte online kaufen und per Lesegerät auf der Karte speichern. Über ein Terminal, das mit dem Computer verbunden ist, kann das Geld gleich von der Karte abgezogen werden. Kontoverbindungsdaten müssen nicht mehr angegeben werden. Damit wird nicht nur der Ticketkauf, sondern der Handel im Internet insgesamt sicherer.

Doch auch der stationäre Einzelhandel setzt darauf, dass nicht nur die Raucher künftig den kleinen Chip auf ihrer EC- oder Maestro-Karte bewusster wahrnehmen. „Die neuen Lesegeräte bei den Händlern können schon heute sowohl Geldkarten als auch EC-Karten auswerten“, sagt Ulrich Binnebößel vom HDE. Bargeldlose Zahlung liegt nach seinen Angaben voll im Trend. In den kommenden Jahren werde nur noch knapp die Hälfte aller Zahlungen mit Bargeld abgewickelt; heute sind es noch zwei Drittel. Denn auch Scheine und Münzen verursachen Kosten, die vom Händler oft nicht bedacht werden. So muss ein Kassenabschluss gemacht werden, der Arbeitszeit kostet, ebenso bindet der Transport des Geldes Zeit und Arbeitskraft. „Auch die Schäden durch Falschgeld und falsch herausgegebenes Wechselgeld sind nicht zu unterschätzen“, sagt Binnebößel. Bei Beträgen von bis zu 25 Euro ist die Geldkarte für den Händler sogar günstiger als die EC-Karte. Zwar beträgt die Gebühr bei beiden Zahlungsmitteln 0,3 Prozent der Höhe des Betrages. Doch wird bei der EC-Karte eine höhere Mindestgebühr verlangt.

Die Kunden hat die Geldkarte freilich noch nicht überzeugt. Wegen der mangelnden Nachfrage nahmen die Dresdner Bank und die Deutsche Bank den Chip sogar wieder von ihren EC-Karten herunter. „Warum sollte ein Kunde für etwas bezahlen, was er gar nicht nutzt?“, fragt Michael Lermer von der Deutschen Bank. Hier bietet man inzwischen eine separate Karte für eine Jahresgebühr von 2,56 Euro an. Anders wird die Situation bei der Dresdner Bank eingeschätzt. Seit 2003 hatte man kein Produkt mit der Geldkartenfunktion mehr im Angebot. Nun spekuliert man offenbar auf eine mögliche Renaissance des Zahlungsmittels. Kunden der Bank erhalten ab dem 20. Dezember gegen eine Gebühr von 10 Euro jährlich zum Girokonto eine EC-Karte mit dem Geldkartenchip. „Rechtzeitig zum Jahresbeginn“, sagt Sprecherin Renate Christ.

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