Verbraucher : Wenn’s schön macht

Dagmar Rosenfeld

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Kalter Kaffee und ich – das ist kein einfaches Verhältnis. Daran ist meine Oma schuld. Sie gehört zu der „Nichts-wegschmeißen-können-und-alle-Lebensmittelreste-verwerten-Generation“. Sie tunkt zum Beispiel alte Weißbrotkrusten in Milch und Eier, brät sie dann in der Pfanne und nennt das ganze „Armer Ritter“. Und sie gießt den kalten Rest vom Nachmittagskaffee der Vortages über eine Vanilleeiskugel und sagt, heute Mittag gibt es zum Nachtisch Eiskaffee. Als Kind empfand ich es als unglaubliche Gemeinheit, dass ich mich durch den bitteren kalten Kaffee durchlöffeln musste, um an das köstlich süße Eis heranzukommen. „Kalter Kaffee macht schön, und wenn du später einen Mann haben willst, dann iss auf“, hat die Oma dann immer gesagt. Ich wollte beides, einen Mann und das Eis – also habe ich den kalten Kaffee ausgelöffelt.

Heute ist das anders, denn die Kaffeekultur hat sich verändert. Zuerst kam der Instantkaffee, dann gab es eine Zeit, in der alle Milchkaffee aus großen Schalen ohne Henkel tranken, der dann wiederum vom Latte Macchiato im Glas verdrängt wurde. Die Conclusio aus jahrzehntelanger Kaffeegeschichte hat nun Nescafé mit „Latte Macchiato iced“ (2,49 Euro für eine Packung mit sieben Portionen) auf den Markt gebracht. Sozusagen das „Best of“ aus Omas kaltem Kaffee, Instantpulver und Latte Macchiato. Man fülle ein Glas mit eiskaltem Wasser, verrühre es mit dem Pulver aus einem Päckchen – und fertig. Wunderbar anzusehen ist die Schaumkrone, die sich bildet, wie bei einem frisch gezapften Pils. Leider schmeckt der Latte Macchiato iced keineswegs so erfrischend. Er ist sehr süß, und im Abgang kommt auch der Instant-Geschmack durch. Man sollte ihn in einem Zug trinken, denn mit der Zeit schmeckt er wässrig. Nur die Schaumkrone, die ist wirklich klasse: standhaft bis zuletzt. Wer es also süß, kalt und kurz mag, für den könnte der Latte Macchiato iced an warmen Tagen durchaus ein angemessenes Erfrischungsgetränk sein.

Ich persönlich löffle da doch lieber den kalten Kaffee meiner Oma, da gibt es am Ende zur Belohnung wenigstens noch eine Kugel Vanilleeis. Das habe ich der Oma bei unserem letzten Telefonat auch gesagt, als ich ihr von dem Latte Macchiato iced erzählt habe. Es hat eine Weile gedauert, bis sie verstanden hat, was ein Latte Macchiato ist. „Aber Kind“, hat sie dann gesagt. „Du musst doch keinen kalten Kaffee mehr trinken. Du hast doch jetzt einen Mann.“

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