Verbraucher : Wirkstoffe auf einen Klick

Internetapotheken liefern sich gerade heftige Rabattschlachten. Davon können Verbraucher profitieren –aber nicht in jedem Fall

Fritz Niehmann

Sie leiden unter Bluthochdruck, Diabetes, Heuschnupfen? Dann sind Sie regelmäßig auf Medikamente angewiesen. Und die können seit der Gesundheitsreform Anfang des Jahres durch höhere Zuzahlungen und die Herausnahme vieler Produkte aus der Erstattungspflicht der Krankenkassen ganz schön ins Geld gehen. Ein Blick ins Internet kann helfen, Geld zu sparen. Online-Apotheken bieten Medikamente oft deutlich günstiger an als die Apotheke um die Ecke. Das lohnt sich vor allem für Chroniker, die regelmäßig auf bestimmte Präparate angewiesen sind und den Verbrauch planen können.

Ein Beispiel. 50 Pillen des rezeptfreien Heuschnupfenmittels Cetirizin von Hexal kosten laut unverbindlicher Preisempfehlung des Herstellers 14,81 Euro. Bei der Internetapotheke Apondo zahlen Patienten 13,33 Euro, bei Apotheker-Schaefer 12,59 Euro und bei Aponuova nur 11,88 Euro. Wer das Medikament regelmäßig braucht und bei einer Internetapotheke bestellt, kann also deutlich sparen. Und bekommt die Medikamente zudem ins Haus geliefert.

Seit zu Beginn des Jahres der Versandhandel mit Medikamenten auch in Deutschland erlaubt wurde, drängen immer mehr Anbieter auf den Markt. Mit Preisnachlässen und Rabatten werben die Versandhändler aggressiv um Neukunden. Das gilt aber nur für apothekenpflichtige, aber nicht verschreibungspflichtige Medikamente wie Aspirin oder Cetirizin. Denn nur für diese können Apotheker den Preis selbst festlegen. Für rezeptpflichtige Mittel gibt es dagegen gesetzlich vorgegebene Preise, an die sich alle halten müssen. Die Folge: Auch Internetapotheken dürfen sie nicht billiger abgeben als die Apotheke an der Ecke.

Mit kleinen Ausnahmen allerdings. Internetapotheken, die vom Ausland aus deutsche Kunden beliefern, sind nicht an die deutschen Zuzahlungsregeln gebunden. Davon profitieren Anbieter wie die holländische Online-Apotheke Doc-Morris, die von ihren Kunden nur die Hälfte der Zuzahlungsgebühr für rezeptpflichtigen Medikamente verlangt.

Konkurrenten in Deutschland versuchen, ihre Kunden vor allem durch kräftige Rabatte und Treueboni an sich zu binden. Sanicare etwa gibt auf frei verkäufliche Medikamente zehn Prozent Rabatt, andere wie Apotheker-Schaefer locken sogar mit bis zu 52 Prozent Rabatt für einige freiverkäufliche Mittel. Mitbewerber Versandapo wirbt mit einem Rabattprogramm, bei dem registrierte Kunden Punkte sammeln und nach einigen Käufen bares Geld erhalten können.

Lohnen tut sich ein Einkauf bei einer Internetapotheke aber nicht in jedem Fall. Denn zusätzlich zum Produktpreis fallen in der Regel Versandkosten und eine Servicepauschale an, wenn der Wert der Bestellung eine bestimmte Höhe nicht überschreitet. Sie können den Preisvorteil zunichte machen. Und auch, wer nur eine leichte Sommergrippe oder Kopfschmerzen hat, ist beim Apotheker an der Ecke in der Regel besser aufgehoben. Denn die Lieferzeiten der Versandapotheken betragen zwischen 24 Stunden und sieben Tagen. Und wer will schon so lange warten, wenn die Nase läuft?

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