Verbraucher : Wohin mit dem Kind?

Ursula Weidenfeld

Das Testurteil: 9 Punkte 0 Punkte: Hände weg und alle Bekannten warnen, 5 Punkte: Noch mal drüber schlafen, 10 Punkte: Sofort kaufen

Es fing mit den neuen Nachbarn an. Der Mann ist Sicherheitsbeauftragter einer ziemlich großen Firma. Guckte sich in unserem Haus kritisch um, schaute aus dem Fenster, blickte durch das Treppenhaus, und fragte: Und was macht ihr, wenn es einmal brennt? Theoretisch kein Problem, sagten wir: Das Kind in den Arm, die wichtigsten Unterlagen in den Rucksack, das Familiensilber aus dem Fenster geworfen – und nichts wie weg. Aber in der Praxis? Nun, es gibt sie, die Kletterfix-Rettungsleiter von Safelincs, mit der man bequem aus jeder beliebigen Höhe absteigen kann. Sieht aus wie eine Strickleiter, ist aber ganz solide – und vor allem, sie lässt sich in einem aktentaschengroßen Koffer verstauen und in den Kleiderschrank sperren. Für knapp 100 Euro bekommt man bei www.safelincs.de einen schweren Bügelhaken, den man an die Heizung klemmt, oder an das Sofa, oder an den Fensterrahmen. Außerdem eine beängstigend große Zahl von Sprossen, die an dünnen Stahlseilen in die Tiefe klappern, wahlweise fünf, acht oder 12 Meter, oder noch länger.

Wie jeder Sicherheitsbeauftragte weiß, Notfälle wollen geübt werden. Also: Feuer! Ruhe bewahren. Schnell und umsichtig wird der kleine Koffer aus dem Kleiderschrank genommen, der Rucksack mit den wichtigsten Dokumenten gepackt. Der Eisenhaken an einem Mauervorsprung am Balkon angebracht, die Klammer um die Leiterelemente gelöst, die Alusprossen klappern vorschriftsmäßig in die Tiefe. Ruhe bewahren. Auf die Balkonbrüstung. Ruhe bewahren. Das Kind auf den Arm nehmen. Die Nachbarn laufen zusammen. Das Kind schreit. Es muss zurückbleiben, kann später üben. Der Abstieg. Nach vier Metern ist die Übung, auf der Höhe des Balkons anderthalb Stockwerke tiefer, zu Ende. Etwas knapp bemessen, die Leiter, die verspricht, zwei Stockwerke locker zu überbrücken. Absprung. Applaus der Nachbarn.

Die Leiter ist prima. Und im Ernstfall muss man sie ja auch anschließend nicht mehr zusammenlegen. Das funktioniert nämlich nicht. Die Leiter will sich einfach nicht mehr auf das Aktentaschenformat zusammenfalten lassen. Mit Ach und Krach lässt sie sich wieder in die Kiste zwängen. Ob sie sich im Ernstfall problemlos auseinander falten lässt? Wir wissen es nicht. Aber das ist auch nicht so entscheidend. Der Sicherheitsbeauftragte rät – wegen des Kindes – zusätzlich zu Rettungshauben, in die man sich im Brandfall zurückziehen kann. Und zur praktischen Brandschutzbox für die Dokumente. Irgendwie ein gutes Gefühl, solche Sachen im Haus zu haben.

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