Verbraucher : Wohlfühlfaktor in Metallicpink

Christine-Felice Röhrs

DAS TESTURTEIL 0 Punkte: Hände weg und alle Bekannten warnen, 5 Punkte: Noch mal drüber schlafen, 10 Punkte: Sofort kaufen

testet Gesundheitsschuhe Dass ich hohe Absätze liebe, hat mehrere Gründe. Erstens: Ich bin klein, und Thekenkräfte übersehen mich gern. Zweitens: Absätze bringen auch Büroklamotten modisch nach vorne. Drittens: Ich kann auf nichts anderem mehr laufen.

Dachte ich zumindest bis vor kurzem.

Ich war also zu einem Fest eingeladen. Ich zog meine neuen blauen High-Heels an (achteinhalb Zentimeter) und hoffte, jemand würde sagen, sie passten zu meinen Augen. Im Lauf des Abends kam dann tatsächlich jener nette Orthopäde auf mich zu. Er blieb stehen, ich strahlte ihn an – und dann sagte er: „Wenn du nicht bald flachere Absätze trägst, wirst du Spreizfüße bekommen.“ Ich schaute verunsichert. Er: „Das heißt, dass du im Sand dann Abdrücke hinterlässt wie Donald Duck.“ Tags darauf sah ich mich zum ersten Mal in der Abteilung „Fußgesundheit“ um.

Zwei Wochen lang bin ich nun in „Dr. Scholls“ Sandalen (ca. 44 Euro) herumgelaufen, in denen mit dem „Pescura Heel“ (läppische zweieinhalb Zentimeter). Meine Füße mochten sie vom ersten Augenblick an, mein Kopf nicht. Meine Füße saßen fest unter dem verstellbaren Riemen, die Wölbungen der Sohle, die laut Hersteller die Greifbewegungen der Zehen beim Barfußlaufen simulieren helfen, massierten sanft den Fuß. Aber die Holzsohle (Buche – schwer)! Die klatschte bei jedem Schritt hörbar gegen meinen Fuß und kloppte dann auf die Erde: ffffuttklatschklopp, ffffuttklatschklopp. Machte mich wahnsinnig. Meine Mutter hingegen freute sich: „Vernünftig!“, sagte sie.

Am ersten Tag sagte jemand: „Huch, bist du klein heute.“ Am zweiten Tag sagte jemand: „Coole Farbe!“ (ich hatte die Goldenen genommen, wenigstens was…). Das besserte meine Laune und glich aus, dass die nicht biegbaren Holzsohlen auf Autopedalen das Gefühl vermitteln, der Fuß sei eingeschlafen. Am dritten bis fünften Tag begann ich, mich an meine neue kleine Größe zu gewöhnen. Ich hielt mich gerader und sprach lauter. Am sechsten Tag trat ich die Nachbarskatze mit meinen gefühllosen Füßen.

Nach acht Tagen merkte ich, dass ich über die dummen, vernünftigen Schuhe seltener nachdachte. Der Kopf hat zwar immer noch ein leichtes Problem, „Brett…“ mault er manchmal noch, wenn er nach unten guckt. Dafür meldet der Rücken nach oben: „Aber dem Hohlkreuz geht’s schon besser.“ Gestern habe ich in einer Zeitschrift gelesen, dass die „Celine“-Designer mit Scholl zusammen eine Version in Metallicpinkrosagestreift entwickelt haben. Morgen zieh’ ich los und kauf mir Scholls in Metallicpinkrosagestreift. Ist schließlich nichts Dummes dran, vernünftig zu sein.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben