Verbraucher : Zahlen à la Karte

Plastik statt Bargeld – die Möglichkeiten sind groß, die Spesen oft hoch

Gerald Drissner

Im Handel klingeln die Kassen immer seltener. Vielmehr piepen und fiepen sie, diese kleinen Geräte, bei denen man bargeldlos mit Bank- oder Kreditkarte zahlen kann. Ein Drittel der Umsätze des deutschen Einzelhandels, 108 Milliarden Euro, wurde im vergangenen Jahr bargeldlos bezahlt – 1994 waren es noch sechs Prozent. 2003 steckten 82,6 Millionen Bankkarten in den deutschen Brieftaschen, berichtet die Bundesbank. Statistisch hat jeder Vierte eine Kreditkarte.

Auf drei von vier Bankkarten steht auf der Rückseite Geldkarte . Damit wird das Plastik zum elektronischen Kleingeld. Briefmarken, Busticket oder Zigaretten können damit gekauft werden – mehr als 100000 Automaten akzeptieren die Geldkarte. Zuerst muss die Karte an einem Geldautomaten aufgeladen werden – am besten bei der Hausbank, sonst wird eine Gebühr von etwa einem Euro fällig. Maximal 200 Euro können auf den Chip geladen werden. „Hat man mit der Geldkarte bezahlt oder verliert man sie, gibt es kein Zurück, das Geld ist weg“, warnt Andrea Fromm von der Verbraucherzentrale in Baden-Württemberg. Für den Kunden ist das Bezahlen kostenlos, der Händler muss der Bank aber 0,3 Prozent des Kaufpreises an Provision zahlen. Die Geldkarte wird nur in Deutschland akzeptiert.

Die beliebteste Karte der Deutschen ist die Maestro , der Nachfolger der EC-Karte. Mit ihr kann weltweit im Supermarkt, Restaurants oder an Tankstellen bargeldlos bezahlt werden. Das blau-rote Symbol steht auf der Vorderseite der Bankkarte. Beim Bezahlen fallen keine Gebühren an – das gilt in allen Ländern, wo es den Euro gibt. Im übrigen Ausland wird eine Gebühr von 1,5 Prozent des Rechnungsbetrags fällig.

Wer in Deutschland bei seiner Hausbank Geld zieht, zahlt keine Spesen – an Fremdautomanten hingegen drei bis sechs Euro. Holt man sich Bares bei einem Geldausgabe-Gerät in einem Euro-Land, fallen Gebühren in der selben Höhe an, das schreibt die EU-Kommission den Banken vor. In den übrigen Ländern sind die Gebühren jedoch höher. Das bargeldlose Zahlen – electronic cash – erfolgt in zwei von drei Fällen mit der Unterschrift und nicht mit einer Geheimzahl. Rechtlich steckt dahinter nichts anderes als ein Lastschriftverfahren. Der Kunde unterschreibt den Kassenbon und willigt damit ein, dass der Händler von seinem Konto Geld einziehen darf. Die Karte wird gewöhnlich nicht überprüft, deshalb fallen für den Händler auch keine Gebühren an – doch muss er damit rechnen, dass die Zahlung platzt: „Der Verbraucher kann Widerspruch einlegen und die Zahlung rückgängig machen“, sagt Verbraucherschützerin Fromm. Viele Kartenbesitzer täuschen deshalb einen Diebstahl vor, unterschreiben mit falschem Namen. Die Zahl der Missbräuche nahm 2003 um 60 Prozent auf 64500 Fälle zu, ermittelte das Bundeskriminalamt. Das Zahlen mit Pin ist sicherer. Der Händler bekommt sein Geld auf jeden Fall, zahlt dafür aber auch eine Provision von 0,3 Prozent des Verkaufspreises. Für den Verbraucher hat die Pin-Nummer Nachteile: Anders als beim Zahlen mit Unterschrift muss er im Falle eines Streits seine Unschuld beweisen.

Mittlerweile kann man sich Bargeld auch im Lebensmittelladen ziehen – Cash-Up heißt dieses System, das in Holland und England gang und gäbe ist. Rewe bietet dies in 1500 Filialen von Minimal und HL an. Ab einem Einkauf von 20 Euro kann man bei der Kassiererin bis zu 100 Euro mit der Karte abheben.

Zahlt der Kunde mit Kreditkarte , kostet das den Händler etwa zwei Prozent des Kaufpreises an Gebühren. „Deshalb lehnen einige Händler die Kreditkarte ab und nehmen lieber die für sie günstigere Maestro-Karte“, sagt Uwe Döhler von der Stiftung Warentest. Für den Verbraucher macht es keinen Unterschied: In Ländern, die den Euro eingeführt haben, ist das Bezahlen mit der Kreditkarte gebührenfrei, sonst werden bis zu zwei Prozent fällig. Hebt man Bargeld ab, kostet dies bis zu vier Prozent, mindestens jedoch fünf Euro – auch im Inland. Stichtag für den Wechselkurs ist nicht der Tag des Kaufs, sondern der Tag der Abrechnung. „Das kann ins Geld gehen. Viele Banken berechnen einen teuren Hauskurs“, warnt die Stiftung Warentest.

0 Kommentare

Neuester Kommentar