Verbraucher : Zu dick aufgetragen

Viele Sonnenschutzmittel halten nicht, was sie versprechen. Und der Preis spielt dabei überhaupt keine Rolle

Maren Peters

Nicht nur für Sonnenhungrige, auch für Sonnencremes könnte dieser Sommer zum Testfall werden: Die allerwichtigste Frage (neben der, ob die Sonne jemals wiederkommt): Hält die Creme, die in diesem Jahr wegen des vielen Regens vielleicht nicht gebraucht wird, noch bis zum nächsten Sommer? Oder wenigstens bis zum nächsten Sonnenurlaub?

Spätestens im kommenden Frühling werden Verbraucher diese Angaben auf der Verpackung ablesen können. Das schreibt die neue europäische Kosmetikrichtlinie vor, die bis zum Herbst in nationales Recht umgesetzt werden muss und dann im März 2005 in Kraft treten soll. Sie verpflichtet Hersteller von Kosmetikprodukten, die länger als 30 Monate haltbar sind, künftig anzugeben, wie lange das Produkt nach dem Öffnen noch ohne Einschränkung der Qualität verwendet werden kann. Einige Hersteller würden die Aufbrauchfrist aber schon vorher „Schritt für Schritt“ einführen, sagt Birgit Huber, die Sprecherin des Industrieverbandes Körperpflege- und Waschmittel (IKW), insbesondere solche, die neue Produkte auf den Markt brächten.

Verbraucherschützer versprechen sich viel von der neuen Mindesthaltbarkeitsangabe, die durch einen geöffneten Tiegel auf der Flasche symbolisiert wird. „Das ist eine deutliche Verbesserung für Verbraucher“, sagt Gudrun Köster-Sartorius vom Europäischen Verbraucherzentrum in Kiel. In der Regel, sagt sie, überstünden alle Produkte ein Jahr unbeschadet, aber Um- und Abbauprozesse zersetzten die Milch mit der Zeit und schmälerten die Schutzwirkung. „Wie schnell das geht, hängt auch davon ab, wie das Produkt gelagert wird“, sagt Köster-Sartorius. In der prallen Sonne erschlaffen auch Sonnencremes schneller als in der Tiefe des Badezimmerschranks.

Doch nicht erst nach dem Öffnen, auch schon beim Kauf der Sonnencremes gibt es große Unterschiede zwischen den diversen Produkten. Die Stiftung Warentest hat in ihrer aktuellen Ausgabe neun verschiedene Sonnencremes mit den häufig verwendeten Schutzfaktoren 15 und 20 auf ihre Wirkung getestet.

Die Tester konzentrierten sich dabei im Wesentlichen auf den Lichtschutzfaktor. Er gibt an, wie viel länger man sich mit geschützter Haut im Vergleich zu ungeschützter Haut in der Sonne aufhalten kann, ohne einen Sonnenbrand zu bekommen. Das Testergebnis fällt sehr gemischt aus: Viele Mittel, darunter auch sehr teure, versprechen zu viel. Vier der neun Testprodukte erhielten nur ein „mangelhaft“, weil der angegebene Lichtschutzfaktor um mehr als 20 Prozent unterschritten wurde. Nur ein Produkt wurde mit einem „sehr gut“ ausgezeichnet: Rossmann/Sun Ozon Feuchtigkeitsmilch (100 Milliliter für 1,30 Euro), das zugleich das preisgünstigste Produkt ist (identisch mit dem preisgleichen Müller/Sun Ozon). Einige neuere Kreationen zum Beispiel von Nivea waren allerdings zum Teststart noch nicht auf dem Markt, räumt die Stiftung Warentest ein.

Hautärzte warnen Sonnenhungrige aber davor, sich allzu sehr auf den Lichtschutzfaktor zu verlassen. Aus zwei Gründen: Zum einen filtert der Lichtschutzfaktor nur das UVB-Licht, nicht aber das für Hautkrebs und Hautalterung verantwortliche UVA-Licht aus dem Sonnenlicht. Zum anderen berechnet der europaweit standardisierte Lichtschutzfaktor die Wirkung von zwei Milligramm Sonnenschutzmittel pro Kubikzentimeter Haut. „Am Strand tragen die meisten aber nur 0,5 bis ein Milligramm Sonnenschutzmittel auf“, sagt der Dermatologe Renz Mang von der Universitäts-Hautklinik Düsseldorf. „Dadurch reduziert sich der Lichtschutzfaktor deutlich.“ Sein Rat: Die Creme möglichst dick auftragen und einen hohen Lichtschutzfaktor verwenden.

Aber auch hier gibt es Grenzen. Zwar werden immer häufiger Produkte mit extrem hohem Lichtschutzfaktor von bis zu 100 angeboten, aber es macht nach Meinung von Mang wenig Sinn, sie zu kaufen. Ein Lichtschutzfaktor 30 filtert nach seinen Angaben etwa 96 Prozent der schädlichen UVB-Strahlung (die für Sonnenbrand verantwortlich ist) aus dem Sonnenlicht, ein Faktor 60 aber nur noch nur 98 Prozent. Während der Schutz nur wenig zunimmt, „kann es zu einer deutlichen Erhöhung der Nebenwirkungen kommen“, sagt Mang. Denn die Produkte bestehen in der Regel aus einer Mischung aus chemischen und mineralischen Sonnenfiltern. „Menschen mit empfindlicher Haut reagieren vor allem auf chemische Filter allergisch“, sagt der Arzt. Für Allergiker und Kinder empfiehlt er daher Produkte, die vor allem mineralische Filter enthalten. Allerdings ziehen sie weniger gut ein und liegen daher oft wie ein weißer Film auf der Haut.

Bei der Bewertung der Stiftung Warentest haben die Zusatzstoffe allerdings keine Rolle gespielt. Denn wie andere Kosmetika auch enthalten Sonnenschutzmittel Duftstoffe, Konservierungsstoffe, Antioxidantien und Emulgatoren. „Besonders Emulgatoren werden für viele Allergien verantwortlich gemacht“, sagt Verbraucherschützerin Köster-Sartorius. Sie sind Bestandteil der chemischen Lichtschutzfilter, die die meisten Hersteller verwenden.

Mit der neuen EU-Kosmetikrichtlinie werden immerhin 26 Duftstoffe, die die meisten Hersteller in Sonnenmilch verwenden und die als besonders sensibel eingestuft wurden, kennzeichnungspflichtig. Die Hersteller sind mit der Vorschrift zwar nicht glücklich, werden sie nach Angaben des Branchenverbandes IKW aber pünktlich umsetzen. Ganz verzichten wollen sie auf die Duftstoffe aber auf keinen Fall: „Bei Sonnenmilch gehört der Duft zum Produkt“, sagt IKW-Sprecherin Huber. „Delial riecht eben wie Delial.“

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