Verbraucherschutz : EU: Airlines täuschen mit Billigtickets

Mehr als die Hälfte von 447 Fluggesellschaften täuschen nach Meinung der EU-Verbraucherschutzministerin Kuneva ihre Kunden. Angepriesene Billigtickets seien Lockangebote, die mit Gebühren und Abgaben nachträglich deutlich teurer würden.

Billigairlines
Lockvogelangebote? Die EU will Fluggesellschaften wegen ihren Billigtickets verstärkt auf die Finger schauen. -Foto: ddp

BrüsselEU-Verbraucherschutzkommissarin Meglena Kuneva hat Fluggesellschaften und Reisebüros eine Täuschung ihrer Kunden vorgeworfen. Mehr als die Hälfte von 447 untersuchten Webseiten für Flugbuchungen im Internet weise Unregelmäßigkeiten auf, sagte Kuneva. Sie ließ offen, wieviele Airlines insgesamt betroffen waren. Die Kommissarin konnte ebensowenig sagen, ob auch deutsche Unternehmen oder besonders viele Billigflieger mit irreführenden Angaben auffielen.

Probleme gebe es mit Preisangaben, der Verfügbarkeit von Sonderangeboten und den Vertragsbedingungen, sagte Kuneva unter Berufung auf parallele Untersuchungen in 15 EU-Staaten sowie Norwegen. "Sonderpreise werden oft benutzt, um Verbraucher in die Irre zu führen", behauptete die Kommissarin. Ähnliches gelte für Preisangaben im Internet allgemein: "Flüge, die für 20 Euro angeboten wurden, erweisen sich später als über 100 Euro teuer." Auch bei zusätzlichen Versicherungen mogelten die Anbieter.

Im Januar werden die Namen der Firmen veröffentlicht

Im Januar will Kuneva die Namen von Firmen nennen, die bemängelte Webseiten bis dahin nicht geändert haben. Die Behörden in Spanien hätten dies bereits getan. Deutschland sei im Verbraucherschutz für Fluggäste schon "sehr weit" und habe sich - wie elf weitere Länder - an der EU-Aktion nicht beteiligt. Der Verbraucherzentrale Bundesverband erinnerte am Mittwoch an ein Urteil des Oberlandesgerichts Düsseldorf, wonach der Endpreis aus der Werbung auch den Kerosinzuschlag einer Fluggesellschaft enthalten muss.

Der EU-Dachverband der Verbraucherschützer (BEUC) erklärte, Flugpreise würden immer noch häufig irreführend angegeben. Zum gemeinsamen Vorgehen von Kommission und nationalen Behörden gegen diese Unsitte meinte der Verband: "Wir hoffen, dass dies die erste von vielen solcher Initiativen ist." Ein Gesetzesvorschlag von EU-Verkehrskommissar Jacques Barrot ziele darauf ab, dass Flugpreise in der Werbung künftig EU-weit nur noch einschließlich aller Zuschläge und Abgaben genannt werden dürfen. (mit dpa)