Der Tagesspiegel : Verdecktes Aufbewahren

Regale von Hans de Pelsmacker

Rolf Brockschmidt

Diese Möbel brauchen Platz. Aber sie schaffen auch Platz. Wer nicht unbedingt ein Freund von geschlossenen Schränken ist, aber auch kein Fan von offenen Regalen, deren Ordnung leicht außer Kontrolle geraten kann, der findet seine Lösung bei Hans de Pelsmacker. Der Belgier ist nicht in erster Linie Möbeldesigner, sondern seit 1994 Dozent für Bildhauerei an der Hochschule für Wissenschaften und Kunst St. Lucas in Gent. Das passt auch eher zu seinen Möbeln, die er für den deutsch-britischen Möbelhersteller e15 produziert.

Seine neuesten Objekte, die in Köln auf der Möbelmesse vorgestellt wurden, sind Regale, die wie Skulpturen im Raum stehen, beziehungsweise wie ein Stück hinzugefügter Architektur wirken. Wer frontal auf „HP06 Kast Drea“ zugeht, sieht nur ein Rechteck aus europäischer Eiche oder aus einer pulverbeschichteten Aluminiumoberfläche. Vor einer weißen Wand beispielsweise setzt dieses mannshohe Objekt Akzente. Bespielt wird es von den Seiten her, wobei die Vorderfront noch ein wenig vorsteht, so dass der Blick von der Seite in das dann offene Regal etwas erschwert wird. „Verdecktes Aufbewahren“ ist der Schlüsselbegriff für Hans de Pelsmackers Storage-Möbel, wie sie neudeutsch genannt werden.

Das Objekt „HP06 Kast Drea“ misst 65 Zentimeter in der Länge, wobei die Platte 95 Zentimeter lang ist und somit auf jeder Seite das Regal um 15 Zentimeter verdeckt. Das eigentliche Regal ist 38 Zentimeter breit und 30 Zentimeter tief. Die massiven Regalböden lassen sich in kurzen Abständen verstellen. Es ist auch möglich, das Möbel mit einer Kleiderstange auszurüsten, so dass man eine verdeckte Garderobe erhält.

Mit einer Höhe von 210 Zentimetern besticht die großflächige Platte aus europäischer Eiche, deren Farbspektrum von hellgrau bis hellbraun reichen kann, durch ihre lebhafte Maserung, die bei allen Vollholzmöbeln von e15 gerne betont wird. Jedes Objekt, das noch nachdunkeln kann, gewinnt dadurch einen anderen Charakter. Die Oberflächen sind geölt. Mit der pulverbeschichteten Aluminiumoberfläche können mit verschiedenen Farbtönen deutliche architektonische Akzente im Raum gesetzt werden.

Interessant ist auch die schmalere Variante „HP 04 Kast één“. Eine 35 Zentimeter breite Regalsäule mit einer Regallänge von 46 Zentimetern und einer Höhe von 210 Zentimetern wird durch einen Deckel von 46 Zentimetern Länge von der Wand auf Abstand gehalten. So präsentiert sich das Regal als von drei Seiten geschlossen und ist nur auf der der Wand zugewandten Seite offen. Noch mehr als „HP06 Kast drea“ wirkt dieses Möbel eher wie ein Objekt im Raum als ein Regal. Bei diesem Möbel ist es noch schwieriger, den Inhalt auf einen Blick zu erfassen. Wer Schwierigkeiten mit der Ordnung hat, kann sich hiermit elegant durchmogeln. Hier manifestiert sich de Pelsmackers Tätigkeit als Bildhauer am deutlichsten.

Mit Hilfe des Deckels kann das Regal an der Wand befestigt werden und so eine höhere Standsicherheit erreichen. Von der Seite betrachtet wirkt „HP04 Kast één“ wie ein Tor zu Chaos oder Ordnung, je nachdem, wie man es mit dem Bestücken des Regals hält. Auch für dieses Modell gibt es vier verstellbare Regalböden und die Wahl zwischen europäischer Eiche oder Aluminium. Lässt man die Böden weg und versieht das Möbel mit Haken, kann es ebenfalls als diskrete Garderobe genutzt werden.

Bleibt schließlich noch „HP 05 Kast twee“, die schmale Variante ohne „Tor“. Bei diesem Regal, das seitlich zugänglich ist, ist die dem Raum zugewandte Deckplatte zwölf Zentimeter breiter als das Regal (50 Zentimeter) und verhindert so die allzu schnelle Einsicht in den Inhalt des Möbels.

Weitere Informationen im Internet: www.e15.com

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