Der Tagesspiegel : Verdient der Chef der Brandenburger Ärzte zuviel? Kritik am KV-Vorsitzenden Hans-Joachim Helming. Er hält sein Jahresgehalt von 190 000 Euro für angemessen – seine Berliner Kollegin bekommt weniger

Ingo Bach

Potsdam - Der Vorsitzende der Brandenburger Kassenärzte, Hans-Joachim Helming, muss sich mit dem Vorwurf aus Ärztekreisen auseinandersetzen, er sei ein Abzocker. Hintergrund sind die Vorstandsgehälter der Chefs der Kassenärztlichen Vereinigungen (KV), die wie berichtet jetzt erstmals veröffentlicht wurden. Danach hat Helming im Jahr 2005 ein Jahreseinkommen von 190 000 Euro.

„Das ist auch gerechfertigt“, sagte Helming dem Tagesspiegel. Für sein Gehalt und das seiner zwei Stellvertreter müsse jeder Kassenarzt im Land 150 Euro aufwenden. „Dafür bekommen die Mediziner einen Komplettservice, müssen sich nicht um Vertragsabschlüsse mit den Krankenkassen kümmern oder ihrem Honorar hinterher rennen. Das machen wir alles für sie.“ Der Arbeitsaufwand sei mit 60 Stunden die Woche enorm.

Im November 2004 war der 51-Jährige für sechs weitere Jahre zum Chef der 3200 Brandenburger Kassenärzte gewählt worden. Der KV-Sitz ist Potsdam.

Mit seinem Jahresgehalt liegt Helming im Mittelfeld aller bundesdeutschen KVs. Die Gehälter schwanken zwischen 240 000 Euro bei der KV Baden-Württemberg und 162 000 Euro in Hamburg und Berlin. Gerade im Vergleich mit seiner Berliner Amtskollegin Angelika Prehn bekommt Helming allerdings ein hohes Salär, obwohl die Einkommen der Ärzte in beiden Bundesländern zu den geringsten in der Republik zählen. Zudem gehören zur KV-Brandenburg nur halb soviele Kassenärzte wie zum Berliner Pendant. Trotzdem erhält Prehn 38 000 Euro weniger im Jahr als ihr Kollege Helming.

Man habe sich bei der Höhe des Gehalts an den Einkommen der Chefs der örtlichen Krankenkassen orientiert, sagt Annette Kurth, Sprecherin der Berliner KV. Dies sagt auch Helming. Doch in Brandenburg verdienen die Kassenchefs auch nicht mehr als in Berlin.

Die Gehälter müssen von den jeweiligen Ärzteparlamenten bewilligt werden. Das nötige Geld wird aus den Beiträgen der Kassenärzte finanziert.

Unmut bei einigen Ärzten verursachte auch der enorme Gehaltssprung für Helming. Im vergangenen Jahr verdiente der Brandenburger KV-Chef noch eine Grundpauschale von 33 600 Euro. Allerdings kamen da nach Helmings Angaben noch durchschnittlich 1500 Euro Tagespauschalen pro Woche hinzu.

Die jetzige Erhöhung erklärt sich mit der veränderten Rechtslage. Seit dem 1. Januar sind alle KV-Vorstände in Deutschland hauptamtlich tätig, zuvor erhielten sie als Ehrenamtler nur Aufwandsentschädigungen. Nebenher darf auch jetzt noch jeder KV-Chef 13 Stunden pro Woche eine eigene Praxis betreiben – „um den Kontakt zu den Problemen der niedergelassenen Ärzte nicht zu verlieren“, sagen die Funktionäre.

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