Vereinsgründung : Lustig ohne Alkohol: Türken wollen Karneval feiern

Mit Forderungen nach einer "Türkenquote" hat sich am Donnerstag der "Erste Türkische Karnevalsverein Deutschlands" vorgestellt. Denn auch Türken und Muslime sollen Spaß an der fünften Jahreszeit haben - ohne sexuelle und alkoholische Exzesse.

Richard Heister[AFP]
Türischer Karnevalsverein Foto: ddp
Führen die Medien an der Nase herum: Caroline Korneli und Jan Böhmermann. -Foto: ddp

Köln"Wir wollen unseren eigenen Karneval", sagt die 27-jährige Melek Cezmi - so als wäre die Gründung eines türkischen Karnevalsvereins in Köln etwas ganz Selbstverständliches. Die orthodoxe Muslimin rückt ihr schwarzes Kopftuch zurecht und erzählt am Donnerstag in einem Kölner Altstadt-Hotel, warum sie und 34 weitere türkischstämmige Kölner den "Ersten Türkischen Karnevalsverein Deutschlands" (TKVD) ins Leben rufen wollen. Mit Hilfe des Vereins sollten ihre Landsleute eine eigene Karnevalskultur entwickeln. Und "langfristig ist es das Ziel, unsere Kultur in die des Kölner Karnevals einfließen zu lassen".

Ein türkischer Karnevalsverein mit eigenen Sitzungen, womöglich einem Tanzmariechen namens "Funkejasminche" und einem türkischen Dreigestirn mit Prinz, Bauer und Jungfrau - das klingt nach Realsatire. Doch Cezmi und ihr Mitstreiter Davut Yilmaz weisen bei der Vorstellung des Vereins alle Spekulationen weit von sich, dass sie mit ihrer Idee die deutschen Karnevalisten nur zum Narren halten wollen. "Wir meinen es ernst mit diesem Verein", versichert Cezmi, die seit zehn Jahren in Köln lebt und seither "keinen Karneval verpasst" hat. Mitte Dezember haben die türkischen Narren die Eintragung ins Vereinsregister beantragt, sagt TKVD-Sprecherin Katharina Starke.

Für Muslime mit Konflikten behaftet

Gemeinsam mit dem designierten Vereinspräsidenten Yilmaz, der zur Feier des Tages eine rote Pappnase trägt, erläutert die Betriebswirtschaftsstudentin Cezmi die Beweggründe für die Vereinsgründung. Im Laufe der vergangenen Jahrzehnte hätten sich Kölnische und türkische Kultur immer mehr vermischt. "Der Kölner Frohsinn zur Karnevalszeit ist etwas, was auch wir Türken in unseren Herzen tragen", unterstreicht Cezmi in dem Hotelraum, der mit einer türkischen, kölschen und deutschen Fahne geschmückt ist.

Besonders für die orthodoxen Muslime sei aber die Art des Karnevalfeierns in Köln "mit Konflikten behaftet", fügt der 29-jährige Yilmaz hinzu. "Die Freizügigkeit der Geschlechter und der übermäßige Alkoholkonsum, der in dieser Zeit nach außen getragen wird, ist für viele unserer Landsleute nicht mit ihrer religiösen und kulturellen Überzeugung zu vereinbaren." Die Vereinsmitglieder seien der Überzeugung, "dass Freizügigkeit und Alkohol nicht unabdinglich zum Karneval gehören". Mit Freude und Spaß feiern lasse sich auch nach muslimischen Grundsätzen - ohne Alkohol und frauenbegrabschende Karnevalisten, meint Cezmi.

"Karneval ist ein interessantes Fest, bei dem auch wir mitmachen wollen", sagt der Ex-Betriebswirtschaftsstudent Yilmaz. Auch wenn es dabei "ein bisschen gesitteter" zugehen soll - ihr Licht unter den Narren-Scheffel stellen wollen die türkischen Karnevalsfreunde nicht. Der 29-Jährige erinnert daran, dass in Köln 70.000 bis 80. 000 türkischstämmige Menschen leben, und fordert eine - wie er es selbst nennt - "Türkenquote" im Karneval. So solle künftig jeder zehnte Wagen im Kölner Rosenmontagszug "einer von uns" sein. Denkbar sei auch, das traditionelle Kölner Dreigestirn zu einem "Viergestirn" zu erweitern - "also Bauer, Prinz, Jungfrau und Youssef".

Spott und Hohn aus rechtsradikalen Reihen

Auch wenn solche Vorschläge nun wieder lautstark nach Satire klingen mögen - schweigsam geben sich die Vereinsgründer bei einem anderen Thema, das seit mehreren Tagen durch örtliche Medien geistert. Seit Bekanntwerden der Gründungspläne mussten sich die TDKV-Leute auch durchaus Kritik anhören, darunter vom äußersten rechten Rand. Die rechtsradikale Gruppierung "Pro Köln" etwa höhnte in einer Erklärung unter der Überschrift "Kölsch für Mohammed?", demnächst dräuten womöglich ein "Alkoholverbot bis Ende Februar" und ein "Burka-Gebot für Karnevalistinnen". "Und wer sich nicht daran hält, gilt als ausländerfeindlich."

Dazu will sich Yilmaz bei der Vereinsvorstellung nicht äußern. "Pro Köln ist kein Thema für uns", sagt der türkische Obernarr in spe.