Vereitelte Anschläge : Chemieexperte: "Da wäre richtig etwas passiert"

Die von den Terrorverdächtigen georderten Chemikalien-Mengen hätten weitaus mehr Sprengkraft besitzen können, als dies bei den Attentaten von Madrid und London der Fall war.

HannoverDie gefassten islamistischen Terrorverdächtigen hatten bei ihrem Chemikalienlieferanten in Nordniedersachsen weitere Grundstoffe zum Bombenbau bestellt. Drei 58-Liter-Fässer mit Wasserstoffperoxid, einem Grundmaterial für Sprengstoff, seien von den mutmaßlichen Terroristen nicht mehr abgeholt worden, sagte der befragte Chemikalienhändler.

 Für den Abholer der zwölf gelieferten Fässer hält der Händler den zum Islam konvertierten Glaubenskrieger Fritz G. aus Ulm. Der Mann habe den Bombengrundstoff seit Februar in monatlichem Rhythmus mit einem Kombi abgeholt und sei korrekt aufgetreten. Zunächst habe der mutmaßliche Terrorist ein bis zwei Fässer und schließlich drei Fässer pro Fahrt mitgenommen, sagte der Händler. Er selber habe das Wasserstoffperoxid von einem Großhandel aus Hannover bezogen und für 200 Euro pro Stück verkauft. Irgendwann sei die Kriminalpolizei bei ihm aufgetaucht und habe wissen wollen, was der Mann gekauft habe. Er habe der Polizei dann auf deren Bitten von den weiteren Bestellungen berichtet.

"Wenn die Kripo deswegen kommt, habe ich mir schon gedacht, dass es um Sprengstoff geht", meinte der Händler. An Terrorismus habe er aber nicht gedacht. "Das was da geplant war, zieht einem die Schuhe aus." Die Terrorverdächtigen orderten das Wasserstoffperoxid offenbar bewusst in einer geringeren Konzentration von 35 Prozent. Ab einer 50-prozentigen Lösung hätten sie nämlich eine Erklärung über den endgültigen Verbleib und eine Ausweiskopie abgeben müssen, erklärte der Händler. Durch Zusatz weiterer Chemikalien hätte das Wasserstoffperoxid in ein hochexplosives Pulver verwandelt werden können, sagte der studierte Chemiker. "Da wäre richtig etwas passiert." Alleine die mit Hilfe der bereits abgeholten Chemikalien mögliche Sprengkraft hätte die der Anschläge von Madrid und London nach Experteneinschätzung bei weitem übertroffen. (mit dpa)