Verfassungsreform : Sarkozy wirbt für Blair als EU-Präsident

Das bei einer Verfassungsreform geplante Amt eines EU-Präsidenten soll nach Meinung von Frankreichs Präsident Sarkozy Tony Blair übernehmen. Sarkozy habe bereis bei mehreren Regierungen für Blair geworben, berichtet die "Financial Times".

Blair Sarkozy
Eine Wellenlänge: Nicolas Sarkozy und Tony Blair in Heiligendamm.Foto: AFP

Der französische Präsident Nicolas Sarkozy hat einem Zeitungsbericht zufolge den scheidenden britischen Premierminister Tony Blair als ersten EU-Präsidenten vorgeschlagen. Sarkozy habe den Plan bereits Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) vorgelegt, berichtete die "Financial Times" unter Berufung auf deutsche Diplomatenkreise. EU-Mitarbeiter hätten berichtet, Sarkozy habe dafür auch in anderen europäischen Hauptstädten geworben, darunter in Madrid. Die Zeitung "Sunday Mail" zitierte eine französische Regierungsquelle mit den Worten: "Sarkozy will Blair unbedingt in einer einflussreichen Position sehen."

Blairs Regierungssitz in der Downing Street wies die Berichte zurück. Blair werde sich zum 27. Juni von der "Frontlinie" der Politik zurückziehen, hieß es. Nach den Vorstellungen der EU soll das neue Amt des ständigen Präsidenten die rotierende, sechsmonatige EU-Präsidentschaft ablösen. Sarkozy besucht am 19. Juni Blair und dessen Nachfolger Gordon Brown. Britische Medien werteten den Vorschlag als Zeichen einer neuen britisch-französischen Freundschaft.

Britische Medien heizten unterdessen die Anti-EU-Stimmung an. Die "Sunday Times" rief Blair zu einem "Nein" zu dem abgeänderten Verfassungsentwurf auf. Das ganze sei ein "Wolf im Schafspelz". "Die europäische Betrügerei geht weiter", schrieb der "Sunday Telegraph". Für Ärger sorgte auch, dass die britische Regierung ein Referendum über das Vertragswerk ausgeschlossen hatte. (mit dpa)