Der Tagesspiegel : Vergewaltiger kam immer wieder frei Klinikärzte von Täter belastet

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Potsdam. Der gefährliche Serienstraftäter Raymund Sch., der nach seiner Flucht aus der Psychiatrie in Brandenburg 1998/99 zahlreiche Gewalttaten beging, war schon mehrfach aus der Klinik entwichen. Dennoch wurde ihm danach jedes Mal wieder Ausgang unter anderem im Freigelände der Landesklinik Brandenburg (Havel) gewährt. Das sagte der 39-Jährige am Mittwoch als Zeuge vor dem Potsdamer Landgericht und bestätigte damit Angaben aus seinen Patientenakten. In dem Prozess müssen sich zwei leitende Ärzte der Klinik wegen fahrlässiger Tötung und Körperverletzung verantworten.

Laut Anklage ermöglichten die Mediziner, darunter der damalige Chefarzt, eine Serie von Straftaten, indem sie dem als gefährlich eingestuften Mann im Oktober 1998 Ausgang aus der geschlossenen Abteilung gewährten. Er überfiel Rentnerinnen und vergewaltigte sie zum Teil. Zwei Opfer starben an ihren Verletzungen. Nachdem er 1999 gefasst wurde, gestand er 70 Straftaten.

Von einem leichten Verschulden der Ärzte könne nicht mehr die Rede sein, sagte Oberstaatsanwalt Wolf-Rüdiger Ludwig. Wenn andere Menschen gefährdet seien, müsse die Sicherung Vorrang vor Therapie haben. Der psychiatrische Gutachter hatte dem Serientäter eine „große Gefährlichkeit“ attestiert. Schon als Jugendlicher hatte der Mann Diebstähle und Sexualstraftaten begangen. 1985 war er unter anderem wegen Sexualdelikten zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilt worden. Die Urteilsverkündung ist für den 11. Oktober vorgesehen. dpa

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