Verkehr : Deutschland - ein Sommerstreik

Die Bahn wird ab Donnerstag streiken, bei der LTU könnte es auch im Verlauf der nächsten Woche losgehen. Niemand will auf dem "Rücken der Passagiere" streiken, aber mitten in der Urlaubszeit droht ein Verkehrschaos.

Markus Mechnich
Deutsche Bahn
Lange Gesichter an den Schaltern: Die Streiks bei der Bahn sollen am Donnerstag beginnen. -Foto: ddp

BerlinMit der Bahn und dem Ferienflieger LTU stehen zwei wichtige Logistik-Unternehmen vor großflächigen Tarifauseinandersetzungen. Für die Reisenden könnte der Urlaub in diesem Jahr zu einer Geduldsprobe werden. Wenn bei der LTU Flüge ausfallen könnten die Ferien bereits vor dem Start ins Wasser fallen. Fallen bei der Bahn die Züge aus könnte schon der Transport zum Flughafen oder die Reise selbst gefährdet werden. Die schönsten Wochen des Jahres auf der Kippe.

Beide beteiligten Gewerkschaften haben versprochen die Kunden möglichst wenig zu belasten. Bei der Bahn soll nur jede zweite Zug bestreikt werden. Zudem zeigte sich die Gewerkschaft offen bis zum morgigen Dienstag um 18 Uhr über ein neues Angebot zu sprechen. Die Bahn will jedoch nichts Neues vorlegen und geht den wenig aussichtsreichen Weg der Klagen. Schlecht für den Kunden. Immerhin sollen in einer ersten Stufe zunächst nur Güterzüge aus dem Verkehr genommen werden. Erst im zweiten Schritt sind die Personenzüge an der Reihe. Die Bahn-Reisenden sollen 24 Stunden zuvor über etwaige Störungen informiert werden.

Berlin ist doppelt betroffen

Doppelt betroffen wäre Städte wie Berlin mit weit reichenden S-Bahn-Netz. Die S-Bahnen in einigen Großstädten, wie Hamburg und Berlin, gehören zu der Deutschen Bahn. Ein Streik ist hier vor allem für die Pendler aus dem Umland hart. Das hat bereits der Warnstreik vom 10. Juli gezeigt. Wer kann steigt auf das Auto als Alternative um. Verkehrschaos in der City war die Folge. Ganz nebenbei haben die Mineralölkonzerne noch schnell die Preise ein paar Cent angehoben. Man will eben auch noch seinen Profit machen.  Für Pendler ohne Auto heißt es, früh aufstehen. So zumindest damals die etwas zynische Empfehlung der Gewerkschaft, denn bis fünf Uhr floss der Verkehr noch normal.

Bei der LTU wird noch verhandelt. Am Donnerstag soll es in die nächste Runde gehen. Während der laufenden Verhandlungen will die Gewerkschaft Vereinigung Cockpit nicht in einen flächendeckenden Ausstand treten. Aber bereits heute morgen wurden die Flughäfen München und Düsseldorf mit Warnstreiks belegt. Für die nächsten Tage sind weitere Aktionen geplant. Eine Ankündigung für die Warnstreiks wird es nicht geben. Ob die Urlauber bei ausfallenden oder verspäteten Flügen eine Entschädigung bekommen, war bisher nicht zu erfahren. Das Mutterunternehmen in spe, Air Berlin, kann noch nicht einspringen. Das Unternehmen wartet noch auf die Genehmigung für den Zusammenschluss durch das Bundeskartellamt. "Wir sind da leider außen vor", sagte Unternehmenssprecher Peter Hauptvogel.

Keine Entschädigungen bei der Bahn

Verkehrschaos
Staugefahr: Durch die Streiks könnten die Straßen in Deutschland, wie hier auf der A9 Richtung Berlin, noch mehr belastet werden....Foto: ddp

Der Kunde guckt bei den ganzen Auseinandersetzungen in die Röhre. Entschädigungen für den Ausfall von Zügen oder Verspätungsgutscheine wird es nicht geben. Die Bahn beruft sich auf höhere Gewalt. Ein Recht auf Schadenersatz hat der Kunde auch nicht. Ist der Flieger nur noch mit dem Taxi zu erreichen oder der Urlauber kommt gar nicht an den Ferienort, hat der Kunde Pech. Mehrkosten sind selbst zu tragen.

Warum fallen die Streiks gerade in die Urlaubszeit? Die Tarifverträge der Bahn endeten im Juli dieses Jahres. Mit den übrigen Bahngewerkschaften wurde auch fristgerecht eine Einigung erzielt. Bei der LTU wurde die Mantel- und Vergütungstarifverträge für das Cockpitpersonal bei dba und LTU von der Arbeitgeberseite gekündigt. Die beiden Fluggesellschaften wurden in der Vergangenheit mehrmals verkauft und gehören jetzt beide zu Air Berlin. Kernpunkte der Forderungen sind sechs Prozent mehr Lohn und längere Ruhezeiten für die Crews.