Verkehr : Normalbenzin stirbt aus

Kaum ein Neuwagen begnügt sich noch mit ganz normalem Benzin. Super mit 95 Oktan soll es schon sein für moderne Motoren. Ein Automobilclub beschrieb schon das Ende, aber tatsächlich dürfte Normal-Benzin von der Tankstelle seinem langsamen Tod entgegensehen.

Normalbenzin
Benzin der Sorte "Normal" wird immer weniger gekauft. -Foto: ddp

HamburgSolange es eine ausreichende Nachfrage nach Normalbenzin gebe, werde das Produkt den Kunden angeboten, erklärten Sprecher von Shell und ExxonMobil. Sie reagierten damit auf Äußerungen von Automobilclubs, der vermutet hatte, dass Normalbenzin vom Markt verschwinden könnte. Anlass war eine Verringerung der Preisdifferenz von Normal- zu Superkraftstoff von zwei auf einen Cent.

In den ersten sieben Monaten dieses Jahres wurden in Deutschland rund 12,6 Millionen Tonnen Otto-Kraftstoffe verkauft, davon 3,5 Millionen Tonnen Normalbenzin. Das entspricht einem Anteil von 27,8 Prozent. "Es ist allerdings richtig, dass die Nachfrage von Jahr zu Jahr zurückgeht und immer weniger Neuwagen auch Normalbenzin vertragen können", sagte Cornelia Wolber von der deutschen Shell-Organisation. Moderne Motoren müssten oft das höherwertige Superbenzin mit 95 Oktan tanken. Es gebe bei Shell dennoch keine aktuellen Pläne, sich aus dem Verkauf von Normalbenzin zurückzuziehen. Ähnlich äußerte sich ein Sprecher von ExxonMobil.

USA und China kaufen Sorte "Normal"

Die höheren Preise für Normalbenzin, die seit rund drei Wochen gelten, führten die Sprecher auf das Preisniveau am europäischen Öl-Großmarkt in Rotterdam zurück. Es gebe eine verstärkte Nachfrage aus den USA und China nach Normalbenzin, die teilweise in Europa gedeckt werde und den Preisabstand zwischen Normal und Super habe schrumpfen lassen. Diese Entwicklung sei bereits seit dem vergangenen Jahr zu beobachten und werde nun auf dem Endverbraucher-Markt nachvollzogen. "Zeitweise haben wir Normalbenzin subventioniert, um den Preisabstand zu halten", sagte Wolber. Die Präsidenten der Automobilclubs AvD und ADAC hatten in der "Bild"-Zeitung den Mineralölkonzernen "eiskalte Abzocke" vorgeworfen und nach dem Bundeskartellamt gerufen.

Die Preise für Benzin sind gegenüber den Vormonaten leicht gesunken. Nachdem der Preis für ein Barrel Rohöl (159 Liter) wieder unter die 70-Dollar-Marke gerutscht ist, gab es zusätzlich auf den europäischen Produktmärkten eine leichte Entspannung. Das Preisniveau der Ölmärkte sei aber immer noch vergleichsweise hoch, meinten die Sprecher. Ein Liter Superbenzin kostete am Montag im bundesweiten Durchschnitt ungefähr 1,32 Euro. Das sind gut zehn Cent weniger als der Jahres-Höchststand im Mai. Im Juni und Juli hatte der Monatsdurchschnitt über 1,38 Euro je Liter gelegen. Diesel kostet aktuell etwa 1,13 Euro je Liter. (mit dpa)